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Nicht vor, sondern hinter Jesus abbiegen!

Ich wünsche mir eine bunte und vielfältige Kirche. Mit verschiedenen Schwerpunkten und unterschiedlichen Herzensangelegenheiten. Aber bei aller Vielfalt: als christliche Kirche sollten wir bei allem was wir tun immer erst „durch“ Jesus hindurch und dann hinter ihm in verschiedene Richtungen abbiegen.

Ich habe vor ein paar Tagen mit Freunden über unterschiedliche „Ausprägungen“ des christlichen Glaubens gesprochen. Ausgangspunkt war das liebe Internet. Denn es gibt ja (zum Glück) inzwischen auch im Social Media sehr reichweitenstarke christliche Accounts. Diese unterscheiden sich (auch hier: zum Glück) inhaltlich durchaus sehr stark. Sie unterscheiden sich aber auch sehr stark in ihrer – ich sag das jetzt erstmal so platt – „Christlichkeit“.

Das ist nicht per se ein Problem. Aber es wird aus meiner Sicht dann kritisch, wenn explizit kirchliche Angebote oder Mitarbeitende aus meiner Sicht mit ihren Themen und Inhalten sozusagen vor Jesus abgebogen sind.

Ja, das ist für mich sogar ein sehr grundsätzliches Problem. Denn um genau zu sein: ich glaube nicht, dass dies ein Problem des Internets oder mancher christlichen Social Media Auftritte ist. Exakt das Gleiche finden wir auch in Gemeinden vor Ort. Ja: letztlich überall in Kirche.

Was ich jetzt eigentlich genau meine?

Ich sehe es sehr kritisch, wenn das, was wir als christliche Kirche tun oder wofür wir uns einsetzen, nicht durch und von Jesus entscheidend geprägt ist. Ob wir uns nun Social Media Auftritte, Gemeinden oder kirchliche Arbeitsstellen anschauen – für mich ist die entscheidende Frage: Sind wir hier vor oder hinter Jesus abgebogen?

Soll heißen: ist das, was wir hier tun von Jesus geprägt oder nicht?

Wenn wir vor Jesus abbiegen, dann haben wir ihn außen vor gelassen. Dann setze ich mich vielleicht für Klimaschutz ein – aber mein Einsatz ist nicht entscheidend durch Jesus geprägt. Wenn wir hinter Jesus abbiegen, dann heißt das: ich schaue sozusagen mit Jesus auf mein Anliegen. Ziehe erst über Jesus – und dann in deine Leidenschaft!

Warum mir das so wichtig ist?

Weil ich glaube, dass wir nur dadurch echte Relevanz in gesellschaftlichen Themen erreichen können. Wenn wir als Kirche (egal wie leidenschaftlich) für eine Sache brennen – ohne dass wir zuerst Jesus mit an Bord geholt haben – dann ist unser Einsatz nicht weniger wertvoll, nicht weniger wichtig – aber es ist kein kirchlicher Einsatz. Und das heißt: wir machen uns (ich vermute: unabsichtlich) selbst irrelevant.

Ich finde es z.B. extrem wichtig, dass wir in der Gesellschaft als Kirche unsere Stimme heben, um für jegliche Form von Gleichberechtigung einzutreten. Und uns gegen jede Form von Rassismus einsetzen. Aber unser explizit kirchlicher Beitrag ist nur dann ein wirklich kirchlicher Beitrag, wenn wir von dem her argumentieren, was uns ausmacht. Wir berauben uns selbst und der Gesellschaft ein starkes Argument, wenn unsere Argumente vor Jesus abbiegen oder ihn umkurven, anstatt mitten durch ihn hindurch zu gehen.

Und genau da entsteht für mich auch zugleich Einheit und Vielfalt in Kirche. Uns eint in allem was wir tun, dass wir zuerst über Jesus gezogen sind. Dass wir zuerst in ihn eingetaucht sind. Dass wir zuerst die Jesus-Brille aufgesetzt haben. Und dann tun, was immer wir auch tun. Missionarische Großveranstaltungen. Straßen-Sozialarbeit. Einen Bioladen aufmachen. Glaubenskurse durchführen. Auf die Straße gehen. Sich für Datenschutz einsetzen. Whatever.

Wir können zugleich geeint und herrlich verschieden sein. Wir können als Kirche mit der gleichen Energiequelle uns für die verschiedensten Dinge einsetzen. Die einen feiern großartige Gottesdienste, taufen was das Zeug hält und die anderen haben in der Zeit großartige gesellschaftliche und politische Veränderungen angestoßen.

Wir müssen dann nicht entscheiden was gut und richtig oder was wichtig und bedeutsam ist. Wir sind dann wie die Äste eines Baumes. Wir haben den gleichen Stamm. Die Energie kommt aus der gleichen Quelle. Wir werden von den selben Wurzeln getragen. Und doch streben die Äste in die verschiedensten Richtungen.

Lange Rede – kurzer Sinn?

Ich wünsche mir, dass wir als Kirche nicht nur bunt und vielfältig sind. Sondern zugleich auch geeint. In Jesus Christus. Durch Jesus Christus.

Und woran kann man das erkennen oder festmachen?

Sicherlich nicht an jedem Post oder jedem Flyer. Es muss natürlich nicht überall krampfhaft Jesus drauf stehen. Aber wenn Jesus nicht zu finden ist oder selbst auf Nachfrage nicht genannt wird, dann werde – zumindest ich – skeptisch. Und ich finde: nein, es reicht nicht, dass irgendwo Kirche draufsteht. Es reicht nicht, wenn vor meinem Namen ein „Pastor“ steht.

Für mich ist es wie in einer Ehe. Ich möchte doch auch am Menschen erkennen, dass er verheiratet ist. Und es nicht nur an der Türklingel lesen oder theoretisch auf einer Heiratsurkunde lesen können.

Genau so fühlt es sich für mich aber bei so manchem christlichen Social Media Account, so mancher kirchlicher Arbeitsstelle und ja: sogar bei so mancher Gemeinde an. Da steht zwar schon irgendwo irgendwie Kirche drauf. Ich kann es an der Türklingel und im Impressum lesen. Aber ich spüre es den Posts und Angeboten nicht inhaltlich ab.

Ich wünsche mir ein klares Bekenntnis zu Jesus

Natürlich: das ist meine persönliche Meinung und Einschätzung. Ich nenne hier auch niemanden direkt, das gibt ja nur Ärger und Leute fühlen sich missverstanden. Und ich möchte hiermit auch niemanden schlecht reden oder bashen.

Aber ich wünsche mir, dass wir als Kirche klarer in unserem Auftreten werden. Ich wünsche mir, dass wir als Kirche klarer in unserem Bekenntnis werden. Dem Bekenntnis, dass wir zu Jesus gehören. Und dass deshalb alles was wir tun durch, von und mit ihm geprägt ist.

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