Kirche verreckt, weil ihr Glaube und Liebe fehlen!

Erik Flügge hat geschrieben, dass die Kirche an ihrer Sprache verreckt. Schön wäre es. In Wahrheit ist es viel schlimmer. Wir verrecken weil uns Glaube und Liebe fehlen. 

Es gibt schon länger dieses erfolgreiche Buch von Erik Flügge „Der Jargon der Betroffenheit: Wie die Kirche an ihrer Sprache verreckt“. Ich finde das Buch toll. Und treffend. Aber inzwischen denke ich mir: Es greift zu kurz. Wie schön wäre es, wenn nur unsere Sprache unser Problem wäre. Wie schön wäre es, wenn wir nur aufgrund unserer Redewendungen und Art und Weise in Kirche zu sprechen verrecken würden. In Wahrheit, so glaube ich inzwischen, ist es viel schlimmer. Wir verrecken wegen fehlender Liebe und wegen fehlendem Glauben.

Ich muss gleich dazu sagen: Alles was ich schreibe gilt auf keinen Fall flächendeckend für alle Gemeinden. Aber ich glaube, dass da, wo Kirche vergeht, sehr häufig zwei Dinge fehlen. Nämlich Liebe und Glaube. Und wenn du jetzt vielleicht denkst, dass ich das auf gar keinen Fall so schreiben kann – dann lass es mich kurz erklären. Und wenn du hinterher immer noch denkst, dass ich völlig falsch liege, dann freue ich mich über deinen Kommentar.

Das Problem sind die, die da sind

Also ganz im Ernst, ich glaube: unser Problem sind nicht die, die nicht (mehr) da sind. Sondern meistens die, die (noch/schon immer) da sind. Wir als Kirche verlieren massiv an Relevanz, konstant an Mitgliedern und haben ein massives Nachwuchsproblem. Wir werden in absehbarer Zeit extreme Geldsorgen haben, viele Gemeinden werden ohne Pastor dastehen, einfach weil es keine freien Pastoren gibt. Und warum das alles? Nein, nicht, weil immer weniger Leute zu uns kommen. Oder austreten, wenn sie ihren ersten Gehaltsnachweis sehen. Sondern weil uns in Kirche zu häufig Liebe und Glaube fehlt.

Anstatt von Liebe geleitet zu sein, denken wir gerne egoistisch. Wir wollen den Gottesdienst so feiern, wir er den 20 Leuten gefällt, die kommen. Was mit den tausenden Menschen um uns herum ist? „Die können ja auch kommen. Sie sind doch immer eingeladen“. Das ist Bullshit. Unser Gerede auf allen kirchlichen Eben von einem offenen und einladendem Gottesdienst. Das ist nicht nur Selbstbetrug. Das ist eine Lüge. Das ist Egoismus und vor allem fehlende Liebe zu den Menschen um uns herum. Wem es wichtiger ist, den Gottesdienst so zu feiern, wie er einem selbst gefällt und dafür in Kauf nimmt, dass eben für gewöhnlich die meisten unserer Mitglieder und nahezu alle Menschen aus unserem Einzugsgebiet nicht in unsere Gottesdienste kommen, der ist von Egoismus und fehlender Liebe geleitet.

Wir erreichen 0,25%

Im Ernst – ich habe diese Rechnung einmal beispielhaft für meine aktuelle Gemeinde aufgemacht. Wir haben ca. 10.000 Menschen in unserem Gemeindegebiet. Davon sind grob 2.500 Mitglied in unserer Kirche. Wir sind am Sonntag etwa 20-30 Besucher im Durchschnitt. Nehmen wir für die Rechnung 25 Personen an. Wir haben dann einen durchschnittlichen Gottesdienstbesuch von 0,25% aller Menschen um uns herum. Und wahnsinnige durchschnittliche 1% unserer Mitglieder.

Für wen sind wir als Gemeinde da? Warum sind wir im Stadtteil? Oder auch mal ganz pragmatisch: Für wen wenden wir den Großteil unserer Gelder auf? Für 1% unserer Mitglieder? Sollen 99% zahlen? Und dann verwundert es noch, dass Menschen austreten? Ich würde aber sowas von schnell aus einem Verein rausgehen, wenn ich eigentlich nur Melkkuh bin, damit andere machen können, was sie toll finden.

Natürlich können wir niemanden zwingen zu uns zu kommen. Und wir können auch nicht erzwingen, dass unsere Kirchen voller werden. Aber jetzt mal Butter bei die Fische: Geht es darum, dass wir (als Kirche) bleiben oder dass wir (als aktuelle Mitglieder) bleiben? Wer und was soll hier bleiben? Und um wen geht es hier bei uns?

Es fehlt die Liebe!

Und Jesus sprach: „Also geht hinaus in die Welt und schaut, dass ihr 0,25% der Menschen erreicht. Wenn ihr das geschafft habt, dann macht einfach euer Ding. Wenn die anderen nicht kommen wollen, dann ist das eben so. Hauptsache ihr fühlt euch wohl.“. Das steht wo genau in der Bibel? Richtig. Nirgends. Weil es nämlich Schwachsinn ist. Aber genau das passiert in Teilen unserer Kirche.

Und ich finde, das ist fehlende Liebe. Denn ich liebe mich dann mehr als meinen Nächsten. Wenn mir wichtiger ist, dass mein Gottesdienst bleibt wie er ist, dann geht es mir mehr um mich, als um andere. Manche würden das missionarisch nennen und nicht-missionarisch. Aber ich glaube, das beschönigt die Sache. Und ab sofort will ich es beim Namen nennen: Wir reden von einem Gott, der alle Menschen liebt. Aber wir sind eine Kirche, die nicht alle Menschen liebt.

Es fehlt der Glaube!

Und ich glaube hinter der fehlenden Liebe steht eigentlich noch etwas viel Traurigeres: Fehlender Glaube. Ich meine: wo kommen wir als Kirche eigentlich her? Wir blicken zurück und lesen fast jeden Sonntag von Leuten wie Paulus oder den ersten Jüngern. Ey: Die haben sich hinrichten lassen, weil sie so überzeugt von der Sache Jesu waren. Die haben sich ins Gefängnis stecken lassen, weil sie lieber den Leuten von Jesus erzählen wollten, als es sich verbieten zu lassen. Das ist unsere Basis. Das Christentum ist aus Überzeugung entstanden. Aus Glaube. Und wenn wir in die Geschichte schauen, dann finden wir immer zu allen Zeiten, dass vom Glauben „entbrannte“ Menschen die Liebe Gottes in die Welt gebracht haben.

Da waren Menschen so sehr überzeugt von der Sache Jesu, dass sie anderen davon erzählen wollten. Ja, regelrecht mussten. Und dann kommen wir heute. Und geben uns mit 0,25% zufrieden? Verstehst du, es geht ja nicht darum, dass irgendwer von uns in Knast müsste. Oder auch nur irgendwas Schlimmes zu erwarten hätte. Es geht darum aus seiner Komfortzone mal rausgekrochen zu kommen. Aber das tun vielfach nicht. Und warum nicht? Meine These: Weil der Glaube fehlt. Die Überzeugung fehlt.

Wer von der Sache Jesu nicht so richtig überzeugt ist, der sieht natürlich auch keinen Grund, warum die 99,75% von Jesus hören sollten.

Alles in Rage hier?

Ich vermute du merkst, dass ich mich gerade etwas in Rage schreibe. Aber das darf ja ab und zu auch mal wieder sein. Finde ich. Und ich bin gespannt, was du mir jetzt gleich zurückkommentierst. Aber ich bin es leid, dass wir immer irgendwelche Ausreden finden. Und unser Verhalten schön reden. Seien wir doch mal ehrlich und gestehen uns ein: Wir verrecken nicht an unserer Sprache. Wir verrecken, weil uns Glaube und Liebe in der Kirche fehlen.

Und damit meine ich nicht überall in der Kirche. Vielleicht ist es gerade bei dir und in deiner Gemeinde nicht so. Mir fallen genug Gemeinden ein, die voller Liebe und voller Glaube sind. Sind diese Kirchen alle automatisch voll? Hmm, ich glaube so einfach geht der Umkehrschluss nicht. Aber nach allem was ich sehe und beobachte, erhöht das die Wahrscheinlichkeit extrem. Fast alle lebendigen und gut besuchten Gemeinden die ich kenne, sind von Herzlichkeit geprägt. Offen für  Neues. Es geht um Jesus. Es geht um die Menschen. Da wollen Leute das, was sie begeistert, anderen mitgeben. Weil sie etwas geschenkt bekommen haben, Glaube, was sie begeistert und weil sie aus Liebe dieses Wunderbare auch anderen Menschen wünschen – deshalb gibt sich eine solche Gemeinde nicht mit 0,25% zufrieden.

Denn Jesus Christus hat gesagt: „Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“

Punkt.

23 Gedanken zu „Kirche verreckt, weil ihr Glaube und Liebe fehlen!

  1. Ich hoffe ich darf auch kommentieren wenn ich deiner Meinung bin.
    Guter Text, ein paar Anmerkungen habe ich dann doch:

    Liebe und Glaube sind gerade im kirchlichen Kontext sehr behaftete Begriffe und haben bei mir durchaus schon einen negativen touch. „Liebe deinen nächsten wie dich selbst“, „Wenn du dran glaubst wird Gott es für dich richten“, danach noch ein gemütliches Kaffeetrinken und in 7 Tagen komme ich wieder. Auch das gilt sicher nicht für alle Gemeinden, aber ich habe einige im Laufe meines Lebens gesehen und bis auf eine wirkten die meisten wie Parallelwelten, Kleine Blasen in der man weit von der Realität entfernt ist und wie du schon sagst nur die Realität der Mitglieder vor Ort beleuchtet und auch nicht unbedingt das Interesse versprüht sich den Problemen im Viertel zu widmen in dem sie angesiedelt ist.

    Früher war die Kirche eine Institution, die Armen und schwachen geholfen hat. In einigen Fällen auch ein Arbeitgeber für alltägliche Berufe bei dem allerdings Wert auf Fairness für Kunden und Mitarbeiter gelegt wurde. Der Gottesdienst war eine Versammlung für alle, weil viel mehr Leute etwas mit der Kirche zutun hatten. Der Pastor hatte eine Message (ich bin mir sicher, du hast auch immer ne Message) und konnte seinen Bibeltext an einer Situation deutlich machen, die alle selber erlebt haben. Das mag heute vielleicht noch auf dem Dorf funktionieren, aber nicht in der Stadt, wo es eigentlich viel dringender nötig wäre.

    Der Kirche fehlt Profil oder eben auch das, was ein großer Torwart mal gesagt hat, der kürzlich 50 geworden ist. Kirche findet im Alltag nicht mehr statt und ernstzunehmende Bemühungen das zu ändern sind mir noch nicht begegnet. Es gab Zeiten, da gab es Machtkämpfe zwischen Kirche und Staat. Heute wird Deutschland von einer Christlichen Partei regiert und es herrscht das unchristlichste Klima seit langem im Land. Wirklich was dagegen tun, so wirkt es, will die Kirche aber auch nicht.

    jetzt hab ich mich auch in Rage geschrieben und hör mal auf.

  2. Im Ansatz bin ich Deiner Meinung. Aber wo fangen wir an zu ändern? Wenn Du drinnen stehst und etwas ändern möchtest, musst Du die umstimmen, die mit Dir drinnen sind. Unmöglich. Wenn Du draussen stehst und etwas ändern möchtest, musst Du an genau jenen da drinnen vorbei, genauso unmöglich. Ich habe da so meine Erfahrung mit verschiedenen Presbitern in verschiedenen Orten/Gemeinden. Also was machst Du dann? Versuchst ohne Glauben und Liebe weiter zu leben. Traurig, aber so ist das Leben.

    1. Ehrlich gesagt… weiß ich das gerade auch nicht.
      Vielleicht muss man am Ende einfach von „oben“ einen Großteil des Geldes und der personellen Ressourcen in „Neues“ investieren?

      1. Ich glaube wir müssen von innen anfangen. Genau mit solchen Worten und Gedanken – mit einem weiteren Buch von Flügge mit dem Titel: Kirche für viele… (klein, dünn, lohnt sich zu lesen!); mit Predigen, die aufwecken; Sprachkursen für sprachlosgewordene Christen; mit dem Neu-lernen über unseren Glauben zu reden; mit dem Rausgehen aus der Kirche; mit einem neuen Blick für unsere Umwelt rings um den Kirchturm (Was können wir für unseren Stadtteil tun? Wo werden wir gebraucht?) und mit offenen Ohren für die Menschen, die noch auf dem Papier zu uns gehören, aber zu denen wir schon länger den Kontakt verloren haben.
        Das ist alles mächtig viel Arbeit, Veränderung und Einsatz – aber ohne das, werden wir nicht relevant sein für die Menschen um uns herum!

        1. Was soll ich da noch sagen, außer erneut „Amen!“? 🙂
          Gleichzeitig… wie von innen anfangen, wenn innen zugleich der größte Widerstand gegen das Anfangen herrscht? Bräuchte es nicht eigentlich statt Kurse zum Glauben für „Außenstehende“, nicht erst einmal „Kurse zum Rausgehen“ für die Drinnen? Ich meine: Wie bekommen wir (in meinen Worten jetzt) Liebe und Glaube bei uns „Drinnen“ hin? Manchmal denke ich, dass alles andere dann schon fast von alleine kommt…

  3. Diese Kirche verkündigt heute eine 2000 Jahre alte Botschaft in der Version und einem Stil, der vor 500 Jahren in Deutschland modern war. Dass es mit dem Glauben immer weniger wird, liegt aber nicht primär Alter oder Äußerlichkeiten, sondern dass sich die Kirche zu viel um Tradition zu wenig um Wahrheit und Wirklichkeit ihrer Botschaft schert.

    Neulich habe ich mich nach langer Zeit mal wieder intensiv mit meiner Schwester ausgesprochen und ihr dabei auch von meinem vor ein paar Jahren wiederentdecken Glauben erzählt. Und davon, dass ich aber nicht an Wunder glaube, die den Naturgesetzen widersprechen. Sie fragte kurz nach, wie ich das denn mit der Auferstehung sähe. Meine Antwort, dass ich an die leibliche Auferstehung folgerichtig auch nicht glaube, kam gut an. Offenbar hatte ich doch noch alle Tassen im Schrank. Eine ganz andere Reaktion auf diese Position erlebe ich bei evangelikalen Christen, wo mir die unhöflicheren regelmäßig das Christsein absprechen, viele andere es nicht so sagen mögen, aber vermutlich genauso denken. Zwischen diesen beiden Polen wird viel modernes Glaubenspotenzial aufgerieben.

    Theologen empfinde ich als in einer Filterblase gefangen, wo man mit einer bestimmten Art von Dialektik Themen wie Konflikt mit Naturwissenschaften und theoretische Konstruktionen wie Trinitätslehre, Erlösungslehre, Rechtfertigungslehre etc. behandelt. Man kann in jedem Gespräch seine Position behaupten, aber Außenstehende überzeugt man damit nicht. Da Kirche Sozialarbeit leistet und bestimmten Anlässen einen feierlichen Rahmen gibt, behält sie trotzdem eine gewisse Existenzberechtigung, aber für eine echte Zukunftsfähigkeit reicht das nicht aus.

      1. Tja, wenn da ein Konzept hätte…

        Ein Art neue Reformation, mehr intellektuelle Redlichkeit (Dank an Bonhoeffer für diesen Ausdruck), Zuhören statt Drauflospredigen, mehr Interaktivität, mehr Erleben statt nur Hören in der Kirche.

        Vielleicht ist diese Kirche auch nicht mehr sinnvoll reformierbar und nachdem sie langsam eingegangen ist, werden wir irgendwann von Afrika oder Asien aus neu missioniert.

        1. Das vermute ich auch schon länger 😛 Also dass wir eigentlich schon lange Missionsland sind und es uns nur nicht eingestehen… 😛

  4. @Thomas Jakob

    Vorab ich bin katholischer Christ. Sie schreiben „zuhören statt drauflospredigen“. So allerdings wird das nix mit der „neuen Reformation“. Der Artikel von juhopma endet mit dem Auftrag des Herrn an seine Apostel die Menschen all das zu lehren was er seinen Jüngern offenbart hat. Dazu gehört u.a. auch der feste Glaube an die Auferstehung des Gekreuzigten, die sie ja ablehnen. Vielleicht sei zu diesem Thema der hl. Paulus sinngemäß zitiert: „Wenn ihr nicht an die Auferstehung glaubt ist euer Glaube sinnlos und ihr seid ärmer dran, als die Kinder dieser Welt. “
    Dazu gehört auch, dass die Lehrer predigen und die Lernenden zuhören. Dass der Glaube in erster Linie ein Akt der Gnade Gottes ist dürfte auf diesem Blog wohl unbestritten sein. Diese Gnade ist allerdings mit dem Auftrag des Herrn verknüpft, allen Menschen zu lehren und das Gelernte zu befolgen und zu halten. Dann, erst dann, wird sich die Liebe im Glauben einstellen, über dessen Abwesenheit sich juhopma zu recht aufregt. Vielleicht noch dieses: Ein volles Gotteshaus ist kein Beweis für anwesenden Glauben oder Liebe. Das habe ich bei der letzten Kommunionfeier in unserer Gemeinde drastisch erleben dürfen.

    1. @Gerd

      Sie meinen vermutlich mit Ihrem sinngemäßen Zitat 1. Kor 15, mit Vers 14 als zentraler Aussage: „Ist aber Christus nicht auferweckt worden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich.“ Was glauben Sie, wie oft mir dieser Vers schon um die Ohren gehauen worden ist? Und stellen Sie sich mal vor, wie dieses Verfahren auf Leute wie mich wirkt, bei denen immer Sätze im Hintergrund mitlaufen wie: Direkt nach dem Tod setzen irreversible Zersetzungsprozesse ein.

      Das in Kombination mit ein paar anderen bekannten Versatzstücken christlicher Predigten, und man winkt ab und geht. „Friß Vogel oder stirb“ funktioniert nicht mehr wie früher, weil der Vogel heute sagen kann: Dann fresse ich eben woanders.

      Zu den interessanten Fragestellungen eine Ebene weiter kommt man überhaupt nicht mehr. Was ist das eigentlich für eine Auferstehung, an die der gute Christ glauben soll? War Paulus Zeuge dieser Auferstehung gewesen? (Nein). Waren die Verfasser der Evangelien Zeugen dieser Auferstehung gewesen? (Wahrscheinlich nicht). Wie klar und eindeutig sind eigentlich die Berichte der Evangelien hinsichtlich der Auferstehung? (Voller Widersprüche und ungelöster Rätsel. Lichtgestalt, kommt ins geschlossene Zimmer, isst aber Fisch, geht wieder, durch die Wand [wo bleibt da eigentlich der gegessene Fisch?] Erscheint den Emmaus-Jüngern in ganz unbekannter Gestalt.]

      Eindruck: Wir wissen zwar nicht, was wir genau glauben, aber das glauben wir mit aller Kraft. Und daraus machen wir dann noch Ausschlusskriterien für Leute, die Fragen stellen und für die alles zusammenpassen muss.

      Für mich ist dieser Stil Teil des Problems, dass Kirchen in Deutschland und Europa heute haben.

      1. „Was glauben Sie, wie oft mir dieser Vers schon um die Ohren gehauen worden ist?“

        @Thomas Jakob

        Mal abgesehen davon, dass es nicht meine Absicht war ihnen irgend etwas um die Ohren zu hauen; der Vers steht nun mal da und jeder der sich mit dem Glauben an die Auferstehung auseinander setzt oder mit ihm ringt, wird irgendwann vor dieser Feststellung des hl. Paulus stehen. Dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man glaubt dem Apostel oder man tut es nicht. Die Zustände in der Kirche die wir ja offensichtlich beklagen, rühren m.E. daher, dass eben gar nicht mehr oder nur ein wenig geglaubt wird, bzw. ein Glaube gezimmert wird, der mit der Tradition der Kirche und der apostolischen Verkündigung nichts mehr gemein hat.

        „Eindruck: Wir wissen zwar nicht, was wir genau glauben, aber das glauben wir mit aller Kraft.“

        Und? Ist das jetzt schlecht oder gut? Ich glaube z.B. mit aller Kraft, dass Jesus der Sohn Gottes ist, eine Kernbotschaft des Christentums. Wissen kann ich das nicht. Interessant in dem Zusammenhang ist, dass Jesus ausnahmslos den Glauben seiner Zuhörer verlangt, er aber nie vom Wissen spricht.

  5. Mir gefallen deine Gedanken gut!

    https://cac.org/liberation-2019-07-08/
    finde ich ganz passend.

    Ideen:
    Gottesdienste gegen den Strom feiern, z.B.
    mit frischer , verständlicher Herzens-Sprache, ohne oder mit viel weniger one man/ woman Show von vorn, mal mehr Gottesbilder anbieten als „Herr Vater“, öfter mal raus aus dem Kirchbau usw, usf. mit mutigem Herzen . Die Bremsenden treten dann garantiert auf den Plan. Man kann ihnen ja auch noch Heimat bieten. Aber nicht an 4-5 Sonntagen pro Monat. Vielleicht gefällt ihnen anderes irgendwann auch ziemlich gut. 🙂

    1. Ja, ich denke auch, dass vor allem wichtig ist, dass wir nicht mehr immer das „Gleiche“ feiern, sondern einen Mittelweg gehen zwischen altbewährtem und neuprobiertem 🙂

  6. Weil die Themen Liebe und Glaube hier eine so große Rolle spielen, passt dieses Zitat hier her, über das ich gerade wieder gestolpert bin.

    „Ich habe immer daran geglaubt, dass das Gegenteil von Liebe nicht Hass ist, sondern Gleichgültigkeit. Das Gegenteil von Glaube ist nicht Überheblichkeit, sondern Gleichgültigkeit. Das Gegenteil von Hoffnung ist nicht Verzweiflung, es ist Gleichgültigkeit. Gleichgültigkeit ist nicht der Anfang eines Prozesses, es ist das Ende eines Prozesses.“ Elie Wiesel

  7. Lieber Jonas, jetzt will ich auch an dieser Stelle auf deinen Artikel reagieren. Inzwischen liegt das erste Lesen ein paar Tage zurück, und ich meine, sachlicher sein zu können als am Anfang.
    Dass unserer Kirche, dass MIR Liebe und Glaube fehlen sollen, das mag ich nicht auf mir sitzen lassen, und ich finde die Aussage verletzend. Wie so viele von uns sorgst du dich um die Zukunft der Kirche, wie so viele hast du Ideen, wie es besser, lebendiger, intensiver und fröhlicher gehen könnte.
    2. Du schreibst „das Problem sind die, die da sind“. Ich sehe sie vor, die Meyers und Fiedlers und von Övelgönnes, die zwar präsent sind, aber auch gerne Veränderungen ausbremsen. Auch wir älteren PastorInnen erleiden das manchmal, oft nervt es. Und trotzdem: Die große Chance sind die, die da sind! Denn sie tragen die Botschaft und die Gemeindebriefe in die Welt, sie schmieren Brote und kochen Kaffee, haben ein Ohr für die Nöte der Nachbarschaft. Sie sind unser Aushängeschild. Die große Aufgabe ist, die, die da sind für die Zukunft der Kirche fit zu machen, mit ihnen Willkommenskultur und Herzlichkeit einzuüben. Die Meyers und die Fiedlers und die von Övelgönne – sie sind keine perfekten Menschen, vielleicht sind sie auch nicht besonders charismatisch. Aber eins sind sie ganz bestimmt nicht, und das ist egoistisch.
    3. Du schreibst, wir erreichen 0,25 Prozent. Mir ist nicht ganz klar, woher du diese Zahl hast und worauf sie sich bezieht. Denn bei Konfirmationen, großen Gospelgottesdiensten oder zu Weihnachten ist die Zahl meines Wissens deutlich größer. Darüber hinaus erreichen wir sehr, sehr viele Menschen über unsere Diakonische Arbeit und über unsere Öffentlichkeitsarbeit. Nimmst du wirklich den ganz normalen Sonntagsgottesdienst in der Walda Pampa der Trinitatiszeit als pars pro toto? Natürlich könnten es mehr sein. Aber unsere Gemeindeglieder sind – im Gegensatz zu einigen freikirchlichen Gemeinschaften – frei. Sie dürfen auch sonntags lieber mit ihren Lieben frühstücken oder bei schönem Wetter grillen. Das nimmt ihnen bei uns niemand übel.
    4. Vielleicht verstehe ich dich falsch, aber es scheint, als ob du Liebe an Masse misst und Kirche an Mission. Beides finde ich in die Enge statt in die Weite führend. Liebe ist in ihrem Wesen eigentlich klein und zart und verletzlich. Niemals würde ich einer Gemeinschaft trauen, die mich mit roten Rosen begrüßt. Und Mission ist heute so heikel wie nie zuvor, denn die Anforderung, mit anderen Religionen in Frieden zu leben muss uns sorgfältigst werden lassen bei diesem Thema.
    5. Noch mal zurück zur Masse: 0,25 Prozent sind dir zu wenig im Gottesdienst, gesamtkirchlich rutschen wir unter die 50 Prozent. Wahr ist, dass die Kirche an Relevanz verliert. Die Zeit der geistlichen Alleinherrschaft ist zu Ende, wir müssen definitiv das religiöse Potential mit anderen Teilen. Es gibt keinen Weg zurück zu der Auffassung, dass „extra ecclesiam nulla salus est“ – ich bestreite das, weil ich glaube, dass Gott alle Menschen liebt und dass Jesus eben diese Menschen vor Augen hatte, nicht die Gründung verschiedener Kirchen.
    6. Du schreibst „es fehlt der Glaube“. Und je länger ich darüber nachdenke, desto verzweifelter schlage ich die Hände über dem Kopf zusammen. Kind, du kannst doch nicht deinen Geschwistern den Glauben absprechen! Da fallen bei mir alle Jalousien. Und hier auf diese Ebene bitte ich dich einfach von Herzen: Tu’s nicht. Ich glaube. Vielleicht anders als du, vielleicht sogar anders, als meine Kirche es von mir fordert. Aber meinen Glauben darfst du mir nicht nehmen, er ist das wichtigste in meinem so zerbrechlichen Leben. Dieser mein Glaube ist nicht messbar an Begeisterungsstürmen oder steigenden Mitgliederzahlen. Aber ist ein stilles und zuverlässiges Angebot für die, die mich danach fragen.
    7. Und dann ist aber wirklich Schluss: Ja, ich liebe meine Kirche. Ich gehöre zu denen, die da sind und die da bleiben, die aber auch immer wieder Veränderung wagen und immer neu herausgehen in die Welt. Liebe macht blind, das weiß ich. Ich will aufmerksam bleiben. Gerne darf Kirche sich verändern, sie wird es sogar müssen. Aber das Evangelium von Jesus Christus steht und fällt nicht mit unseren Angeboten und Gottesdiensten und Live-Events. Es ist dem „Verrecken“ entzogen in alle Ewigkeit.
    Lg, Inke Raabe

    1. Liebe Inke,

      vielen Dank für deine lange und sachliche Antwort! 🙂
      Ich versuche auf ein paar deiner Punkte auch sachlich zu antworten 😉

      – Du musst dir von mir nicht den Schuh anziehen lassen, dass dir Glaube und Liebe fehlt. Denn ich sage ja nicht, dass es allen fehlt!
      – Ja, da sind wir wohl anderer Meinung… ich glaube nicht, dass die, die da sind unsere große Chance, sondern eben häufig eher unser Problem sind – wenn es um Veränderungen geht. Wenn es darum geht neue Menschen zu erreichen. Gerade wenn das „Geliebte“ kleiner und unbedeutender wird kann man dazu neigen, sich noch mehr daran zu klammern. Wenn jemand eine Liturgie nicht verändern möchte, weil sie einem selbst so gut gefällt – wohlwissend, dass dies aber für die meisten Menschen da draußen nicht gilt… dann ist aus meiner Sicht nicht das Problem, dass eben vielen nicht mehr zusagt, was wir machen. Sondern das Problem ist, wenn uns mehr interessiert, was uns gefällt, als was den anderen gefallen könnte.
      – 0,25% habe ich versucht rechnerisch darzustellen. Beispielhaft habe ich meine Gemeinde genommen, aber sie steht zumindest für Hamburg für einen sehr guten Durchschnitt. Wir haben 10.000 Menschen in unserem Gemeindegebiet. Und rund 2.500 Mitglieder. Und an einem gewöhnlichen Sonntag kommen zu uns rund 25 Personen. Das ergibt 0,25% an Menschen aus unserem Stadtteil, die an einem gewöhnlichen Sonntag zu unserem Gottesdienst kommen. Ich nehme auch niemandem übel, dass er nicht kommt – by the way 😉 Ich nehme nur uns übel, wenn es uns gleichgültig oder egal wird.
      – Das mit den anderen Religionen: Das ist doch eine Ausrede. Nicht nur von dir, aber es bleibt eine Ausrede. Unser „Problem“ ist nicht, dass unsere Gesellschaft multi-religiös ist. Es gibt genug Studien dazu: Für die allergrößte Masse gilt: Wer aus der Kirche austritt, der führt keinen privaten Glauben weiter, der wechselt nicht zu einer anderer Religion o.Ä.
      Wir haben kein Problem mit anderen Religionen in Frieden zu leben. Klar wäre mehr Austausch schön, aber das ist doch kein Problem unserer heutigen Kirche.
      Und ja: Kirche ist für mich in ihrem Kern missionarisch. Daher habe ich ja auch mit dem Missionsbefehl geendet 🙂
      – Bitte meine Zahlen nicht vermengen: Ich habe von 0,25% der Menschen aus unserem Gemeindegebiet gesprochen, die wir am gewöhnlichen Sonntag erreichen. Die 50% sind ja „nur“ die Mitglieder und da liegen wir als evangelische Kirche bei rund 30%. Aber in Ostdeutschland sind wir niedrig einstellig. Und auch in den Städten gibt es mehr und mehr Stadtteile die eher sich dem einstelligen Bereich annäheren. Aber nochmal: Es geht dabei nicht darum, dass wir das religiöse Potential mit anderen teilen müssen. Klar gibt es Yoga und Co. Aber ich habe noch keine Studie gefunden, die bestätigt, dass unsere austretenden Mitglieder alle „woanders“ religiös aktiv sind.
      – Niemand nimmt dir deinen Glauben. Selbst ich nicht 😉 Die Frage ist doch: Wieso fühlst du dich von mir und meinen Worten direkt angesprochen? Vielleicht habe ich es einfach schlecht formuliert und dann tut es mir leid. Aber ich meinte: Dort, wo wir als Kirche uns nur noch um uns drehen, da fehlen Glaube und Liebe. Da wo Kirche „verreckt“ (und dieses Wort habe ich ja nur in Bezug auf Erik Flügge genutzt), da tut sie es eben aus meiner Sicht nicht, weil wir die falsche Sprache nutzen. Oder weil wir plötzlich in Konkurrenz mit dem Islam oder Yoga-Gruppen stehen. Sondern wir tun es, weil – aus meiner Sicht – uns dort Glaube und Liebe fehlen.
      Damit spreche ich dir auf keinen Fall den Glauben oder die Liebe ab. Außer wenn du sagen würdest, dass meine Beschreibung auf dich zutrifft. Wovon ich aber nicht ausgehe. Denn deine „letzten Worte“ besagen ja gerade das Gegenteil.
      Du sagst, dass du immer wieder Veränderungen wagst und neu herausgehst.
      Von daher… tut es mir sehr leid, wenn meine Worte dich getroffen haben.Denn ich glaube, nein ich bin mir recht sicher, dass sie nicht auf dich zielten.
      Liebe Grüße
      Jonas

  8. in vielem kann ich dir zustimmen.
    Und ja, oft ist die Liebe zu den Menschen nicht wirklich spürbar.
    Und ja, ein großer Teil, der ev. PastorINNenschaft kommt aus einem PastorINNenfamilie und hängt (meineserachtens) viel zu viel an alten Traditionen.

    Aber andererseits:
    kann ‚Liebe‘ ein Anstellungskriterium sein?
    Wie will man das messen?
    Wer soll das entscheiden?
    Geht nicht.

    Unsere Kirchen sind so, wie sie sind.
    Ja, wir schrumpfen
    es wird große Engpässe und manche Not geben.
    Aber durch dieses Tal wird die Kirche/Gesellschaft gehen müssen
    und danach wird neues, anderes entstehen.
    Die Kirche Jesu Christi verreckt nicht,
    sie entwickelt sich – immer weiter.

    Wir Menschen müssen wohl jeden Irrweg gehen,
    denn nur im Nachhinein sind Irrwege als solche zu erkennen.
    Aber dann wird es neue Wege geben.
    Nichts war umsonst,
    jeder Schritt ist nötig,
    auch die Fehltritte.

    „Er wirds wohl machen“,
    am Ende kommt alles gut.
    Und wenn es nicht gut kommt,
    dann ist es noch nicht das Ende.
    🙂

  9. Geliebte Geschwister im Herrn!
    Es freut mich sehr, dass so viele Menschen in den Anliegen des Herrn unterwegs sind und sich wirklich mühen und engagieren.
    Auf diesem Weg sind wir als immer wieder ganz unterschiedlich geprägte und mit unterschiedlichen Gaben gesegnete Menschen unterwegs. In Gottes Plan – und davon bin ich überzeugt – soll dies dazu führen, dass wir uns ergänzen und einander beistehen, um gemeinsam die uns übertragenen Aufgaben in der Nachfolge Jesu bewältigen zu können. Laßt uns also bitte in Freude und Dankbarkeit unsere Unterschiede zur Ehre Gottes und zum Heil aller seiner Kinder begrüßen (und auch ertragen).
    Meine Erfahrungen in unseren Kirchengemeinden (katholisch) sind auch so, dass ich davon ausgehen muss, dass es uns an Glaube und Liebe, wie sie uns Christus schenken möchte, fehlt. Die Menschen sind deshalb nicht böse in ihrer Gleichgültigkeit dem wahren Leben gegenüber. Nein, sie kennen dieses neue Leben einfach nicht und es gibt kaum jemanden in ihrem Umkreis, der ihnen von diesem Leben erzählen könnte, weil er es selbst schon erleben darf.
    Also: Laßt uns mit ganzem Herzen und mit all der uns geschenkten Kraft unsere Arbeit im Weinberg des Herrn weiterführen, indem wir unsere Geschwister mit Jesus bekannt machen und sie mitnehmen auf unserem gemeinsamen Heimweg zum Vater, in den Fußspuren Jesu und in der Freude und Kraft des Heiligen Geistes. Was dazu konkret notwendig ist, werden wir jeweils auch gemeinsam herausfinden können, wenn wir das nur wollen.
    In Liebe mit Euch verbunden,
    Euer Stefan Bopp

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