Ich gehe nicht gerne in den Gottesdienst

Ich bin angehender Pastor. Und ich kann mit den meisten Gottesdiensten nichts anfangen. Ein Einzelfall? Ich glaube nicht. Trotzdem interessiert das keinen so richtig. Der Pastor hat den Gottesdienst zu halten. Und zwar DEN einen bestimmten. Ob er will oder nicht. Kein Wunder, dass unsere Gottesdienste so voller Leidenschaft stecken. #popupchurch

Vor kurzem lief im Fernsehen eine Dokumentation über den „Alltag eines Pfarrers“ (so die Beschreibung). Unter dem Titel „´7 Tage… im Auftrag des Herrn“ begleitete ein Journalist einen Pastor/Pfarrer auf seiner ersten Dienststelle. Den Journalisten trieb u.a. um, wieso von den sog. jungen Leuten, so wenige in die Kirche kommen. Er fragt den Pastor, ob das verstehen könne, dass von seiner Generation wenige in die Kirche kommen. Der Pastor antwortet, dass er das durchaus verstehen könne. Er gehe auch erst seit einem Jahr regelmäßig in den Gottesdienst.

Kurz danach höre ich eine Andacht einer Pastorin. Sie hält die Andacht bei einem regionalen Pastorentreffen. Sie nimmt auch auf diese Dokumentation Bezug. Und erzählt, dass sie am Sonntagmorgen auch lieber zum Yoga als in den Gottesdienst gehen würde.

Ich gehe nicht gerne in den Gottesdienst

Ich könnte beide Kollegen verurteilen. Wie kann das nur sein? Sind Pastoren und gehen selber anscheinend gar nicht so richtig gerne in den Gottesdienst? Der eine erst, seitdem er muss, die andere wäre lieber beim Yoga? Aber… mir geht es genauso. Und ich kenne nicht wenige Vikare, denen es auch so geht.

Ich bin geneigt, mit „wir“ weiterzuschreiben. Bleibe aber sicherheitshalber beim „Ich“. Also: Ja, ich gehe nicht gerne in den Gottesdienst. Zumindest in das, was mir meistens als Gottesdienst verkauft wird. Warum? Weil es mir nichts gibt. Es ist keine Heimat für mich. Kein Ort zum Auftanken. Es entspricht nicht meiner Spiritualität.

Klar, das liegt auch an der Uhrzeit. Sonntagmorgen. Es versaut mir schon den Samstagabend, wenn ich weiß, dass ich am nächsten Tag früh aufstehen muss. Und ja, es liegt an der Musik. Den Liedern, den Instrumenten – dem Instrument. Es liegt an den Predigten, die meistens nur eine Funktion für mich haben: Ich habe Zeit, um mal in Ruhe über etwas anderes nachzudenken. Z.B. was in der nächsten Woche ansteht. Und ja, es liegt an der Liturgie. Eigentlich ist da fast nichts, was mich anspricht. Außer vielleicht die Gemeinschaft. Aber… die bekomme ich ehrlich gesagt woanders meistens auch in besserer Qualität.

Wir schütteln die Köpfe

Manchmal sitze ich mit anderen Vikaren zusammen und wir schütteln den Kopf, dass ausgerechnet wir jetzt Gottesdienste gestalten und feiern sollen. Wo wir doch selber damit nichts anfangen können. Und auch noch nie konnten.

Also: Ja, auch ich verstehe, dass meine Generation und so viele andere Menschen anderer Generationen nicht am Sonntag in den Gottesdienst gehen. Sie haben mein tiefstes Verständnis.

Und nun?

Manchmal bekomme ich zu hören, dass ich dann den falschen Beruf ergriffen hätte. Manchmal bekomme ich zu hören, dass ich den Gottesdienst eben noch nicht verstanden hätte. Bzw. dass der Appetit beim Essen käme. Ja, ich kenne viele Pastoren, denen ging es ähnlich wie mir. Sagen sie zumindest. Und dann schauen sie mich großväterlich an und sagen, dass jetzt, nach 25 Jahren Dienstzeit, sie den Gottesdienst zu schätzen gelernt hätten. Das würde bei mir auch noch passieren.

Wieso nimmt das keiner ernst?

Was ich eigentlich nie zu hören bekomme, ist dass man mich ernst nimmt. Dass da jemand die Situation ernst nimmt. Denn, das sollte ja jedem klar sein: Je mehr Leute den Gottesdienst gestalten, die damit eigentlich selber nichts anfangen können, desto mehr Menschen werden auch von diesem Gottesdienst vermutlich nicht überzeugt sein.

Ich kenne genug Pastoren und genug Vikare, die voller Begeisterung und Herzblut und Leidenschaft eben diesen Gottesdienst feiern und genießen, mit dem ich nichts anfangen kann. Und ich bin mir sicher, dass da am Ende „bessere“ Gottesdienste bei rumkommen, als bei denen – wie mir – die es am Ende mehr als Arbeit oder Pflicht erfüllen, denn aus Leidenschaft.

Nun könnte man natürlich auf die Idee kommen, dass man dieses Potential nutzt. Da sind ganz offensichtlich Menschen in der Kirche, die fühlen tatsächlich wie der Großteil der Menschen außerhalb der Kirche. Ja, die Kirche hat Pastoren und angehende Pastoren, die gehen aus den gleichen Gründen nicht zum Gottesdienst, wie so viele andere Menschen.

Und vielleicht wäre es ja eine Idee, dass wir dieses Potential nutzen. Um Gottesdienste zu entwickeln, die für diese Pastoren und diese Menschen passen.

Und das heißt vielleicht, dass die Pastorin am Sonntag zum Yoga geht. Oder dass der Gottesdienst nur einmal im Monat stattfindet, weil es für viele eine Überforderung ist, an jedem Sonntag hinzugehen. So wie es auch eine Überforderung ist, dass ein Pastor jeden Sonntag eine neue (gute) Predigt halten soll.

Projekt: popupchurch

Also, ganz praktisch: Wie kann so ein Gottesdienst aussehen? Und wo findet er statt? Und was findet in ihm statt?

Genau diese Fragen stellen einige meiner Mit-Vikare und ich uns seit einiger Zeit. Wir wollen wissen, wie Gottesdienst, wie Kirche, für die aussehen kann, die mit dem bisherigen Mainstream-Angebot nichts anfangen können. Wir haben das Projekt popupchurch genannt.

Eine Kirche, die immer woanders aufpopped. Zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten. Und eine Kirche, die erstmal mit quasi nichts daherkommt. Keine Mitgliedschaft. Keine Verbindlichkeit. Keine Liturgie. Keine Musik. Kirche – erstmal auf das Minimum reduziert.

Wir stehen ehrlich gesagt absolut am Anfang mit dem Projekt. Es ist eine Baustelle. Ein Projekt mit offenem Ende. Keine Ahnung, wohin uns die Reise führt. Wir haben noch nicht einmal eine fertige Webseite. Aber wenn du mit uns mitdenken willst, die Idee spannend findest… dann schreibe mir. Melde dich. Wir freuen uns über Mitdenker. Mitstreiter.

38 Gedanken zu „Ich gehe nicht gerne in den Gottesdienst

  • 7. Juli 2017 um 21:08
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    Deine Einschätzung kann ich (leider) teilen.
    Behalte Deine Lust daran, etwas Neues zu entwickeln. Gottesdienste für die Suchenden, Fragenden, Hoffenden… Lass Dich nicht verkirchlichen. Du hast mehr Gestaltungsmöglichkeiten, als Du denkst. Du musst es einfach tun.
    Die normalen Gottesdienste anzugreifen, bringt Dir nur Gegendruck der Verteidiger. Mach und verändere an einem Ort die Wirklichkeit… und Du wirst nicht allein bleiben.

    Antwort
  • 8. Juli 2017 um 14:24
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    Ein paar locker zusammenhängende Gedanken:

    Das eigene Unbehagen zum Prinzip machen? Eher doch fragen, woran das Unbehagen liegt.

    Ich verteidige den normalen Gottesdienst nicht. Ich ziehe ihn nur jeder Luftblase vor. Und es kommt verlässlich eine (vielleicht kleine) Gruppe Menschen, denen dieses langweilige Ding am Sonntag wichtig genug ist. Mit denen lässt sich auf Dauer etwas machen.

    In meiner ersten Stelle – mit vielem Unbehagen gefüllt – stieß ich auf den Satz, man könne nicht Pfarrer einer Gemeinde sein, die man nicht liebt. Das war es damals bei mir.

    Wie soll ich sagen? Mittlerweile brauche ich mehr Gebet. Für alle Vorhaben, ob Experiment oder Normalfall.

    Antwort
  • 8. Juli 2017 um 17:15
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    Danke für deine Gedanken. Ich bin neugierig, wie eure Kirchenidee aussehen wird, sobald sie konkrete Formen annimmt. 🙂

    Antwort
  • 8. Juli 2017 um 17:34
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    Ich war 2014 auf dem Katholikentag in Regensburg und hab dort einen Vortrag mit Diskussion besucht. Es ging um die Formulierung der Tagesgebete. Es gab da was Neues aus Rom (Instruktion „liturgiam authenticam“), das warf Fragen auf, wie man diese Gebete aus dem römisch-lateinischen übersetzen und formulieren sollte. Sicher ein katholisches Sonderproblem. Kriterien waren eine gewisse Originaltreue und dann natürlich die Verständlichkeit: Die Texte müssen angepasst sein an den Horizont derer, die sie verstehen sollen.

    Dabei kam aber eine Perspektive gar nicht vor und das hat mich irre gestört: Kann derjenige, der den Text vorlesen muss, sich irgendwie damit identifizieren? Ist das seine Sprache? Kann er das, was ihm da in den Mund gelegt wird, authentisch sagen? Bezogen auf den Inhalt, aber eben auch auf die Form.

    Ich glaub, was du schreibst, hat mit meinem Problem damals viel zu tun: Können sich die, die den Gottesdienst vorbereiten und maßgeblich mitgestalten, mit dem identifizieren, was sie da sagen und tun sollen? Wie soll jemals was Echtes rauskommen, wenn schon der vorne sich verbiegen muss, weil er mit der Gottesdienstform teilweise oder gar nichts anfangen kann?

    Ich hab das Glück, an einem Ort Gottesdienste mitzufeiern, wo vieles gut für mich ist. Und trotzdem beschäftigt mich dein Thema, weil wir eine riesige Abteikirche und ein riesiges Chorgestühl haben und auch mich die vielen freien Plätze frustrieren.

    Wenn dein Projekt also konfessionsübergreifend ist, hätte ich Lust, innerhalb meiner Möglichkeiten dran teilzuhaben.

    ______________

    Katholischerseits spricht Erik Flügge ähnliche Dinge wie du in deinem Artikel, mit erheblicher Resonanz, in seinem Buch „Jargon der Betroffenheit“. Vgl. auch:
    http://erikfluegge.de/die-kirche-verreckt-an-ihrer-sprache/
    ______________

    In anderem Zusammenhang, aber ein Text, der mir was gebracht hat (und dir in den geschilderten Diskussionen vielleicht was bringen könnte):

    Martin Werlen, „Die katholische Kirche und die Herausforderung des Zeitgeists: Angesichts der Traditionen die Tradition nicht vergessen“ [Herder Korrespondenz 69. Jahrgang (2015), Heft 9, S. 463-466]

    Antwort
    • 8. Juli 2017 um 18:08
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      Ja, das Stichwort „authentisch“ spricht mich sehr an…

      Und ja: popupchurch ist konfessionsübergreifend! 🙂 Magst du mir eine Mail schicken, dann können wir darüber ggf. weiter kontakten?

      Erik Flügges Buch habe ich genossen 🙂 Den anderen Text kenne ich nicht, werde ich mir nächste Woche mal anschauen – vielen Dank!

      Antwort
  • 10. Juli 2017 um 9:51
    Permalink

    #churchconvention
    #freshx
    geht da was?

    Antwort
    • 11. Juli 2017 um 13:54
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      Wie meinst du? 🙂
      Ist natürlich genau „mein Ding“ beides, auf jeden Fall!
      Ist aber in „meiner landeskirchlichen Realität“ nicht ansatzweise bislang angekommen…

      Antwort
  • 10. Juli 2017 um 14:34
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    Ich empfehle, mal bei den „Freikirchen“ herumzuschauen und was die so treiben mit ihren vielen Gläubigen! Vor allem bei denen afrikanischen Ursprungs!

    Antwort
  • 11. Juli 2017 um 9:58
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    Einerseits macht mich dieser Artikel traurig – andererseits aber auch ratlos. Traurig, weil der Autor aus meiner Sicht seine Lebenszeit verschwendet, wenn er Pastor in einer Kirche wird, deren Gottesdienste er nicht mag. Augen auf bei der Berufswahl, könnte man, zugegebenermaßen etwas zynisch, sagen.
    Ratlos macht mich dieser Artikel, weil ich vieles darin nicht verstehe. Zum Beispiel: Wie kann jemand in einer Kirche Pastor werden wollen, mit deren Gottesdiensten er nichts anfangen kann? Das ist so ähnlich, wie wenn man in einem Sushi-Restaurant Koch werden will und sich dann darüber beschwert, dass man Fisch zubereiten muss, den man nicht mag. Hat der angehende Pastor sein ganzes Leben lang noch keinen Gottesdienst besucht? Hat er gar Theologie studiert und dann erst als Vikar entdeckt: „Huch, die Gottesdienste sind aber so gar nicht ´meins´…!“ Es gibt doch so viele verschiedenen Gemeinden. Leider. Gibt es da keine, die seine „Bedürfnisse“ stillt, in denen er guten Gewissens Pastor werden könnte?

    Mich ärgert an dem Artikel aber auch manches. Zum Beispiel: Was sagt der Artikel über die aus, denen die Liturgie viel gibt, die sich darin sicher und geborgen fühlen, die Kraft schöpfen in diesen „langweiligen“ Gottesdiensten? Wie blickt der Autor auf die Menschen, die diese Gottesdienste lieben und die traurig sind darüber, dass immer weniger Menschen zu den Gottesdiensten gehen, die sie selbst schätzen? Es ist ein Jammer.

    Und dann, natürlich, die Idee einer neuen „Bewegung“. Diesmal „popchurch“. Ein etwas unglücklich gewählter Name, nebenbei bemerkt. Gibt es wirklich noch nicht genügend Gruppen und Gemeinden und Bewegungen? Wird der Leib Christi erst dann für jeden passend sein, wenn jeder seine eigene Kirche ist?

    Zugegeben, es ist mal jemand bei einer Predigt von Paulus schlafend aus einem Fenster gefallen. Es gibt durchaus Raum für Kritik, z.B. an der Länge der Predigten. Kritik ist auch nicht grundsätzlich falsch, im AT lesen wir z.B. auch etwas von Kritik an Heuchelei im Gottesdienst. Insofern darf und soll sich auch der Gottesdienst durchaus verändern.
    Aber Artikel wie dieser dienen ja nicht so sehr der inhaltlichen Diskussion und Veränderung sondern vor allem dem Abbau von Frust und der Abgrenzung. Auf der einen Seite die „jungen, authentischen, hippen“ und auf der anderen Seite die „alten, seltsamen, denen die alten Gottesdienste gefallen“.
    Das ist zumindest mein Gefühl, wenn ich den Artikel lese…

    Antwort
    • 11. Juli 2017 um 14:06
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      Vielen Dank für deine hinterfragenden und kritischen Worte!

      Also… es ist „popupchurch“ nicht „popchurch“ 😉
      Und: Nein, ich bin der Meinung, dass wir als Landeskirche herrlich undifferenziert sind. Genau. Wir brauchen nicht für jeden eine Kirche – aber ich glaube wir brauchen mehr Vielfalt in unserer Kirche.
      Popupchurch ist ja auch keine Kirchengründung. Keine neue Gemeinde. Es ist ein Projekt von Vikaren – also innerhalb der Landeskirche! Es ist ein Suchen nach Formen und Gestalten von Gottesdienst, innerhalb der Landeskirche und für Menschen, die mit unserem Hauptformat eben nichts anfangen können.
      Um bei deinem Sushi-Koch zu bleiben: Wir suchen doch nach neuen Gottesdienst-Formen und wollen nicht den Gottesdienst abschaffen. Sprich: Es geht darum den Fisch anders zuzubereiten und nicht den Fisch von der Speisekarte zu nehmen.
      Ich bin kein Experte, aber ich vermute, dass du – wenn du dich unter Köchen schlau machst, es auch dort verschiedene Lager gibt. Manche bereiten das eine bestimmte Gericht immer gleich zu, andere arbeiten an neuen Kreationen. Manche werden Koch, weil sie das Gefühl haben, dass mal etwas Schwung und Abwechslung in die Speisekarte kommen muss. Andere bleiben eben lieber bei dem Altbewährten. Und seien wir ehrlich: Wir sind doch froh, dass wir so eine bunte Restaurant-Vielfalt haben oder nicht? Und wir sind doch froh, dass auf der Speisekarte eines Restaurants nicht nur ein einziges Gericht steht oder?

      Hmm… ich verstehe nicht, wieso du der Meinung bist, dass der Artikel vor allem Frust und Abgrenzung ist. Ich finde, wir sind eigentlich ganz schön konstruktiv. Denn… wir machen doch. Wir probieren mit popupchurch aus, was möglich ist. Es soll gerade nicht eine Frust-Veranstaltung werden… und ich finde es schon etwas kurios, dass du mir als Vikar, also jemand, der die normale landeskirchliche „Angebotspalette“ ja lernt und mitmacht, vorwirfst, dass ich mich abgrenzen würde, wenn ich zusätzlich daneben noch mit anderen Vikaren ein offenes Projekt für neue Formate von Gottesdienst starte.
      Ist das wirklich Frust? Ist das wirklich Abgrenzung?
      Aber klar: Wenn es bei dir so ankommt, dann kommt es bei dir so an! Ich will nur sagen: Dahinter steht nicht Frust und Abgrenzungswille, sondern eigentlich Begeisterung und Tatendrang 🙂

      Antwort
      • 15. Juli 2017 um 0:51
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        Großartige Idee! Ich freue mich sehr, von den Erfahrungen zu lesen. Gleichzeitig frage ich mich: warum ist das keine neue Gemeinde? Was wäre so schlimm daran? Klar, erst mal anfangen und ausprobieren, aber ich glaube, wir dürfen den Gemeinde-Begriff an dieser Stelle etwas „weiter“ fassen. Dort, wo wir Leben teilen, Hoffnungen, Träume, Sorgen, Pommes und Bier, überall dort ist Gemeinschaft oder Gemeinde. Und das tun schon die, die ihr Unbehagen teilen und sich auf die Suche nach etwas neuem, für sie passenderen begeben.
        Wir machen mit unserer kleinen Wandergemeinde Exodus herausfordernde Erfahrungen. Kein fester Ort (aber ein fester Zeitpunkt), unser eigener Stil, aber eine klare Liturgie. Menschen, die mehr wollen, Taufen, Firmungen, Hochzeiten. All das entstanden aus dem Gefühl: nee, das, was da ist, das passt nicht. Das entspricht uns nicht. Das sind nicht wir. Euch viel Mut und Neugier und vor allem: Spaß! 🙂

        Antwort
        • 17. Juli 2017 um 11:27
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          Ja, als eigene Gemeinde wäre ich bereit es irgendwann zu bezeichnen – aber nicht als eigene Kirche und nur, wenn es auch innerhalb des Landeskirche als Gemeinde anerkannt wäre… solange ist es ein Projekt, eine Idee… 🙂

          Antwort
    • 13. Juli 2017 um 20:09
      Permalink

      Topp-kommentar! (Y)
      Spricht mir aus der Seele – und das auch noch als jemand, der im Pfarrberuf vor allem anderen die wöchentliche Gestaltung eines Gottesdienstes liebt!
      Herzliche Grüße, Heiko

      Antwort
  • 12. Juli 2017 um 22:07
    Permalink

    Spannende Gedanken. Ich kenne auch viele junge pastor_innen, denen es ähnlich geht. Bin gespannt, wie eure popupchurch läuft. Wie es ist, anzufangen ohne alles.

    Antwort
  • 12. Juli 2017 um 23:53
    Permalink

    Bitte nimm dein Unbehagen ernst! 90% der Kirchenmitglieder sehen es genauso und kommen nicht.
    Als ich vor 25 Jahren meinen Dienst begann, hatte ich einen guten Vorsatz: Ich möchte Gottesdienste feiern, bei denen sich die Leute ärgern, wenn sie sie verpassen. Gelingt nicht immer, aber gibt eine Richtung vor.
    Wie sollen wir mit lieblos gestalteten Gottesdiensten die Liebe Gottes feiern?
    Und lieblos heißt für mich, alles einfach weiter zu machen, nur weil man es halt immer so gemacht hat.
    Unsere Situation ist so, dass wir einen aufgebohrten Agende 1 Gottesdienst haben, aber eben auch viele, die diese Form mögen. Wir sind eine Landgemeinde und haben sonntags ca 50-60 Leute in der Kirche.
    Daneben gibt es ein „zweites Programm“. Lobpreisabende, Gottesdienste in besonderer Form (Anspiel, Band). Macht viel Arbeit, aber auch viel Spaß. Zu unserem GOLF (Gottesdienst um elf) kommen ca. 100 Leute – die Hälfte davon ganz andere als an normalen Sonntagen.
    Allen Menschen gefallen kannst du eh nicht. Also gestalte Gottesdienste so, dass Du sie richtig gut findest und lade andere dazu ein, mit dir zu feiern. Dann hast wenigstens Du Spaß daran – und das strahlt aus. Garantiert.

    Antwort
    • 14. Juli 2017 um 19:52
      Permalink

      Prima, wir feierten auch mit selbstgestalteten Wortgottesdiensten, mit vielen jungen und einigen älteren Menschen! Da war Freude bei allen, aber auch Diskussion, da durften Riten hinterfragt werden, Leerformeln wurden abgeschafft. Ja, es waren Jugendgottesdienste, aber nun bin ich fast 70 Jahre, und es waren die einzigen Gottesdienste, die mich je bereichert haben! Schon die Vorbereitung in der Gruppe war Gemeinschaft(Gottesdienst?).
      Ich betrete seit vier Jahrzehnten die Kirchen nur noch zu Familienfesten/Beerdigungen.
      Mit Zähneknirschen denke ich an eine noch bevorstehende Konfirmation der jüngsten Enkelin. Vor 40 Jahren konvertierte ich, hat nichts geändert.

      Antwort
      • 17. Juli 2017 um 11:26
        Permalink

        Und wie wäre es, wenn wir diese Gottesdiensten, die Ihnen damals gefallen haben, heute wieder aufleben lassen? 🙂

        Antwort
  • 13. Juli 2017 um 11:17
    Permalink

    Ja, das ist spannend. Wir basteln auch immer an unseren Jugendgottesdiensten herum, um sie ansprechend zu machen. Ich würde gerne mitdenken. Herzlicher Gruß
    Geertje

    Antwort
    • 13. Juli 2017 um 12:40
      Permalink

      Bin auf FB unter July Jürgens zu finden. Habe dort auch eine Seite: Berichte, Rezensionen und mehr@Sinnerfahrung. Webseite dazu ist noch im Aufbau…..

      Newsletter und Folgemail schon bestellt 🤗

      Antwort
  • 13. Juli 2017 um 12:49
    Permalink

    Vielen Dank für die ehrlichen Worte. Kirche braucht unbedingt mehr Vielfalt an Formen. Bin gespannt wie es weitergeht

    Antwort
  • 13. Juli 2017 um 18:26
    Permalink

    Hier in Essen gibt es mit http://www.raumschiff.ruhr ein Projekt,, dass versucht den Gottesdienst anders zu feiern und die klassische Liturgie trotzdem zu erhalten.

    Antwort
  • 14. Juli 2017 um 17:38
    Permalink

    Hier schreibt eine Ehrenamtliche:
    Gottesdienst feiert doch eine Gemeinde gemeinsam, die Pfarrers haben nur eine besondere Aufgabe und Verantwortung. Bei uns gibt es eine Gemeinde, in der immer zwei den Gottesdienst „halten“, eine/r die Liturgie, eine/r die Predigt. Und noch mehr beteiligen sich. Ist doch keine One-Wo-Man-Show! Und eine gute Liturgie trägt, auch wenn die eigene Sprache versagt. Das lehren uns die Katholiken. Das ewig Gleiche kann helfen, in den Stürmen des Lebens nicht den Anker zu verlieren. Insgesamt ist der Pfarrberuf wirklich ein freier Beruf: viel individuelle Gestaltungsmöglichkeiten bei absolut gesichertem Einkommen und sicherem Wohnsitz. Und wenn es der wöchentliche Gottesdienst nicht sein soll, dann gibt es noch Spezialseelsorge oder Schule oder noch viel mehr. Ehrlich gesagt: Sie sind zu beneiden!

    Antwort
  • 16. Juli 2017 um 1:24
    Permalink

    „Ich gehe nicht gerne in den Gottesdienst “ – was für eine Provokation als angehende PfarrerIn. Warum? Weil auf der Suche nach neue Formen, die die Kirchen wieder füllen? Oder eher als Abgrenzung zu den Altvorderen, als Prinzip des Generationenkonflikts? Wer glaubt denn, dass eine Operation am offenen Herzen, mehr als Überleben sichert. Sorry, aber der PfarrerIn feiert und gestaltet mit der Gemeinde den Gottesdienst – nicht gegen sie. Und es geht um das gemeinsame feiern und nicht um Gottesdienstinzenierungen oder Events. Ein verbindlicher liturgischen Rahmen gibt Sicherheit beim Mitfeiern. Und wenn die PfarrerIn es schafft, nicht nur methodisch, sondern spirituell mitzutun- dann ist es sicher gut. Glaube hat viele spirituelle Ausprägungen und ist es nicht etwas anmaßend zu glauben, nur weil ich selbst nicht gerne in den Gottesdienst gehe, ist die Veranstaltung in dieser Form überholt. Eine Frage zum Schluss: Seelsorge und Verkündigung ist das noch zeitgemäß? Nur zu, heben wir das Potential von PfarrerInnen die nicht gerne Gottesdienst feiern, zugunsten derjenigen denen es genau so geht.

    Antwort
    • 17. Juli 2017 um 11:29
      Permalink

      Ja, es wäre absolut anmaßend, wenn ich von mir auf alle schließen würde! Aber ich stelle gerade anderes fest: Es geht mir genauso wie vielen anderen 🙂 Ich finde es eher anmaßend, wenn jemand (und damit meine ich nicht Sie!) meint, nur weil ihm/ihr der Gottesdienst gefällt, müsse er auch allen anderen da draußen gefallen und wenn das nicht der Fall ist, dann haben diese Menschen eben Pech gehabt oder müssen sich anpassen 😉

      Antwort
  • 20. Juli 2017 um 11:15
    Permalink

    Hi Leute! Also ich kann dich und euch gut verstehen. Seit fast einem Jahr bin ich nun Vikarin und spüre, wie das anfängliche in eine Form gepresst Werden zur Normalität wird, man gewöhnt sich an die Formen und versucht irgendwie, es den nächsten Konfis auch wieder zu erklären, nach Worten ringend. Ich fühle mich manchmal leer nach einem Gottesdienst, als hätte ich bloß abgespult, was erwartet wird. Hört jemand zu beim beten eines Psalms? Kann jeder meine Worte mitbeten? Warum gibt es so wenig Beteiligung der Gottesdienstbesucher? Jeder Pädagoge weiß, dass Aktivierung der Schlüssel zu Bewegung und Vertiefung von Ideen ist, auch zu Gemeinschaft. Es muss ja nicht jeder etwas tun, aber es ist doch auch keine Show… Ich wünsche mir Worte, die mich und andere treffen, betreffen. Zeit, Raum und Menschen, um über das Leben und mein Leben mit Gott nachzudenken, es mit starken Liedern zu feiern! Fulbert Steffensky, Huub Oosterhuis und andere schaffen es manchmal, solche Worte zu finden. Auf Kirchentagen ist diese Stimmung oft zu spüren. Also toi toi toi für euer Projekt! Schade, dass wir nicht im selben Kurs sind 🙂

    Antwort
  • 11. August 2017 um 22:06
    Permalink

    Hallo Jonas, ich finde Deine Webseite ausgesprochen wichtig. Ich bin als Pfarrerin seit 15 Jahren im Dienst und liebe die Botschaft, die wir verbreiten dürfen und bin gerne für die Menschen da, die mir in und außerhalb der Gemeinde anvertraut sind. Aber genau deshalb leide ich unter unseren Gottesdiensten. Ich feiere mit allen Altersgruppen Sondergottesdienste, sozusagen als 2. Programm, das ist eine meiner Aufgaben in der Gemeinde. Das mache ich sehr gerne, da ist auch immer ein Team dabei… Aber natürlich bin ich auch für die „normalen“ agendarischen Gottesdienste mit umfangreicher Liturgie verantwortlich. Und unter diesen Gottesdiensten leide ich. Ich versuche an mir zu arbeiten und Predigten auch frei zu halten und d.h. sehr gut vorzubereiten, obwohl das zeitlich mitunter echt nicht leicht ist. Aber aus meiner Sicht ist dies nur ein (wahrscheinlich kleinerer) Teil des Problems. Wir haben eine großangelegte repräsentative Befragung in der Gemeinde u.a. auch zum Gottesdienst durchgeführt und da wurde deutlich, dass es vor allem die Liedauswahl samt Orgel und die Liturgie sowie die Gesamtatmosphäre war, die den Leuten nicht gefielen, also im Grunde auch das, was mich stört. Wir sind dabei, Dinge auch im Hauptgottesdienst unter intensiver Beschäftigung mit der Liturgie zu verändern (eine Gottesdienst-Gruppe), aber strukturelle Probleme bleiben bestehen: z.B. eine riesige, dunkle Kirche, eine Orgel, die den kläglichen Gesang einer kleinen Gruppe von Menschen übertönt, eine leider verbreitete Konsummentalität in der Gemeinde und wohl am schwerwiegendsten eine sehr kleine, aber einflussreiche Gruppe, die sich mit Veränderungen sehr schwer tut.
    Es ist nicht leicht, etwas Neues zu entwickeln, das auch Bestand haben kann und die Tradition in heutiger Zeit fruchtbar macht, aber ich halte es für ausgesprochen wichtig und würde mich freuen, wenn Deine Seite ein Forum dafür werden könnte.
    Eine Beobachtung möchte ich noch hinzufügen: Ich habe einige Zeit in Jerusalem gelebt und habe dort oft jüdische Gottesdienste besuchen können. Dort gibt es eine feste Liturgie, feste Texte und Lieder und es wird mit Hilfe des Kantors als Vorsänger sehr viel gesungen, allerdings ohne Begleitinstrument. Natürlich sind auch hier die Texte wichtig, aber es sind vor allem unglaublich schöne, mitreißende, beschwingte Melodien, die alle kennen und laut mitsingen. Und dann war ich natürlich oft auch in der lutherischen Kirche und es waren gedämpfte, oft auch traurige Melodien, bei alten und bei neuen Liedern. (die ich beide durchaus mitunter auch mag, aber die oft so wenig mit unserer doch eigentlich frohen Botschaft zu tun haben.) An diesem Punkt bleibe ich ratlos.

    Antwort
    • 28. August 2017 um 20:42
      Permalink

      Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Ja, gerade deine letzten Sätze beschäftigen mich auch stark… wie oft sitze ich im Gottesdienst und denke mir: „frohe“ Botschaft… klar… Du bist nicht zufällig in der Nähe Pastorin, wo ich mir mal anschauen könnte, was du so treibst und auf die Beine stellst? 🙂

      Antwort
  • 8. September 2017 um 14:54
    Permalink

    Spannende Gedanken, kann ich in vielem mitgehen. Bei uns in der EKM höre ich diese Stimmen öfter – auch laut und ungeschützt. Wir haben die „Baustelle“ zu unserem Projekt gemacht. Als Landeskirche. Mit völlig offenem Ausgang. Und sie „popped“ immer wieder auf. Reduziert – und ergänzungsbedürftig. Aber in vielem näher dran an dem, wie es gemeint war. Wer daran mitbauen möchte: http://www.erprobungsraeume-ekm.de/ – oder bei FB. Wir freuen uns, wenn Ihr euch meldet, kommentiert und mitbaut.

    Antwort
    • 11. September 2017 um 10:32
      Permalink

      Sehr spannend! Das werde ich mir gleich mal genauer anschauen 🙂

      Antwort
  • 14. Oktober 2017 um 7:43
    Permalink

    Mir geht es anders, aber erst seit ich vor fünf Jahren (ich bin jetzt Mitte 50) wieder so richtig die Kurve zum Glauben gekriegt habe. Bis dahin war ich nur in der Kirche zu offiziellen Anlässen oder wenn ich mit meinem Posaunenchor dort gespielt habe.

    Jetzt gehe ich ca. jede zweite Woche in den Gottesdienst meiner Ortsgemeinde. An den Sonntagen dazwischen habe ich andere Verpflichtungen auswärts und höre auf dem Weg dahin den Radiogottesdienst.

    Gerade der Präsenzgottesdienst ist mir wichtig. Mich dort mit anderen Christen zu treffen, einer Liturgie zu folgen, zu singen, gemeinsam zu beten, eine Predigt zu hören, Abendmahl zu feiern, ändert meinen Sonntag und ändert meine Woche.

    Die Leute, die ich da treffe, sind von außerhalb meiner normalen Filterblase. Die Liturgie und die Standardgebete sind altehrwürdig, aber ich kann sie praktisch im Schlaf und sie transportieren den Extrakt von etwas, was sich viele Leute vor vielen Jahren gedacht haben. Nicht jede Predigt spricht mich an, aber das erwarte ich auch nicht. Schließlich sind auch noch andere Leute in der Kirche, die auf ihre Art erreicht werden müssen.

    Das Experimentieren mit anderen Gottesdienstformen und -elementen haben wir schon in meiner Konfirmandenzeit gemacht. Ein paar Ältere haben sich damals darüber aufgeregt, von uns damals Jüngeren hat es kaum jemanden bei der Kirche gehalten. Aus dieser Ecke wird die Rettung der Landeskirche nicht kommen.

    Antwort
    • 27. Oktober 2017 um 16:21
      Permalink

      Vielen Dank für deinen Kommentar!
      Ich finde eine Sache wirklich manchmal regelrecht beunruhigend – nämlich genau das, was du beschreibst: Dass das Experimentieren und Ausprobieren ja schon lange besteht und irgendwie auch nicht wirklich etwas „gebracht“ zu haben scheint… was denkst du, aus welcher Ecke die Rettung der Landeskirche kommen könnte?

      Antwort
  • 31. Oktober 2017 um 7:27
    Permalink

    Ich weiß gar nicht, ob die sog. Landeskirche gerettet werden kann. Und ob sie gerettet werden sollte. Eine Institution, die aus der Zeit stammt, als galt: cuius regio, eius religio. Eine Organisation, die noch heute nicht die Länderstruktur der Bundesrepublik Deutschland hat, sondern irgendetwas aus dem 19. Jahrhundert. Im Zeitalter des Individualismus, bei vier Prozent aktiven Teilnehmern, wenn ich mal den Anteil der Gottesdienstbesucher als Indikator nehme.

    Vor ein paar Jahren war ich in einem lutherischen Gottesdienst in den USA. Besucherzahl 30-40, aber die Gemeinde war auch kaum größer. Man kannte sich untereinander und machte mehr gemeinsam als hier üblich. Eine Kirche gab es nicht, man nutzte einen schlichten Raum in einem Golfklub. Der Pfarrer verdiente seinen Lebensunterhalt mit einem Zweitjob als Hotelangestellter. Der Gottesdienst und das Gesangbuch waren so traditionell, dass ich sofort drin war, nur die Sprache war eben Englisch. Vorher und nachher gab es viel persönliche Ansprache, im Gottesdienst wurde ich gebeten, mich kurz vorzustellen, bei den Fürbitten wurde meine Familie und ich auch gleich genannt und damit einbezogen.

    Das Lied- und Liturgieblatt war gleichzeitig ein wöchentlicher Gemeindebrief mit Bibelleseplan und Tätigkeitsbericht des Pastors.

    Ich hatte den Eindruck, dort die Zukunft der evangelischen Kirche zu sehen, auch wenn sich vielleicht nicht alles auf Deutschland übertragen lässt. Jedenfalls wird sie viel kleiner sein, viel persönlicher und auch verpflichtender für die Leute, die dabei sind.

    Antwort
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