Seit kurzer Zeit gibt es „Yeet“ – ein neues evangelisches Contentnetzwerk. Es soll sog. „Sinnfluencer“ unterstützen – also Menschen die in sozialen Medien das „Evangelium“ verkündigen. / Ich habe mir eine kritische Analyse erlaubt, die zu einer Sinnsuche geworden ist.

Gleich mal vorweg: ich habe diesen Artikel geschrieben, weil mir eine kritische Auseinandersetzung mit dem „Yeet„-Contentnetzwerk bislang fehlt. Ich bitte dich diesen Artikel als Kommentar zu verstehen. Bestenfalls kann das hier auch ein Anstoß für eine – aus meiner Sicht – dringend notwendige Diskussion sein. Klar, du kannst hinterher auch einfach gegen mich haten. Aber das würde ich nicht sehr zielführend finden 😉 Und: ich habe diesen Beitrag vor rund drei Wochen geschrieben und heute nur sehr dezent überarbeitet. Daher kann es sein, dass ich auf manche Yeet-Entwicklungen der letzten drei Wochen ggf. nicht eingehe.

Was ist Yeet?

Also: was ist „Yeet“ überhaupt und was soll das? Ich zitiere einmal das Netzwerk selbst: „Yeet, das evangelische Contentnetzwerk, will Menschen unterstützen, die sich die Verkündigung des Evangeliums in Bewegtbild und Ton in den sozialen Medien zur Aufgabe machen. Diese Sinnfluencer*innen sollen Menschen auf allen möglichen Plattformen mit Themen rund um Glauben, Lebensfragen und gesellschaftlichen Debatten erreichen.“

Und ich zitiere weiter: „[…] vorrangig für die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen. Yeet soll ein Netzwerk sein, das die Vielfalt des christlichen Glaubens in Inhalt, Format und Ausspielkanal abbildet“.

Ich verstehe daraus: Wer in den sozialen Medien das Evangelium vorrangig für 14-29-Jährige verkündigt, der soll durch Yeet unterstützt werden. Das Ziel von Yeet ist, dass sich in den sozialen Medien die Vielfalt des christlichen Glaubens abbildet. Soweit, so gut. Finde ich!

Welchen Sinn hat Yeet?

Als ich von Yeet gehört habe, war ich durchaus positiv interessiert. Denn ich finde gut, dass wir als Kirche uns stärker im Digitalen bewegen. Die Zielgruppe der 14-29-Jährigen ergibt da auch erstmal Sinn, denn hier sind wohl am meisten Menschen digital unterwegs. Ich finde auch toll, dass mit Yeet professionelle Anleitung und Hilfe bereit stehen. Und doch beginnt meine Kritik mit der Frage, warum Yeet sich eigentlich selbst darstellen muss. Oder: welchen Sinn hat Yeet als öffentlich auftretendes Netzwerk?

Ich meine: wieso muss Yeet nach außen werben? Wozu braucht es einen eigenen Twitter oder Insta-Auftritt? Wieso werden jetzt ein paar der Christen, die digital unterwegs sind, mit einem Yeet-Label versehen? Ist das als „Adelung“ zu verstehen? Wie ein Bio-Siegel? Wenn ja, dann finde ich das zumindest diskussionswürdig, weil es bedeutet, dass hier ja irgendwer Kriterien anlegt, was zur christlichen Vielfalt gehört und was nicht. Oder: was mit Geld gepusht werden sollte und was nicht.

Aber wenn es nicht als „Siegel“ zu verstehen ist, was ist dann der Zweck der Selbstdarstellung? Das ist keine rhetorische Frage. Ich möchte ernsthaft anfragen, ob es diese Selbstdarstellung für die gute Grundidee hinter Yeet braucht. Denn ich denke, dass Yeet genauso gut funktioniert, wenn es nicht selbst nach außen geht. Sondern dafür lieber Geld und Ressourcen spart und sich ganz auf das Unterstützen der „Sinnfluencer“ beschränkt.

Was ist das Evangelium?

Meine Kernfrage in der Auseinandersetzung mit Yeet ist aber (das wirst du noch deutlich merken), was das sog. „Evangelium“ eigentlich ist – von dem Yeet in der Selbstdarstellung spricht. Denn das wird ja zunächst als Maßstab angelegt. Es geht darum, dass Menschen, die das „Evangelium“ in den sozialen Medien verkündigen, unterstützt werden. Nun ist das kein Problem von Yeet allein, sondern eher von uns als Kirche insgesamt, dass man sich herrlich darüber streiten kann, was das Evangelium ist.

Ich persönlich finde es ziemlich eindeutig und klar. Aber ich weiß, dass das viele anders sehen. Und das scheint hier bei Yeet auch der Fall zu sein. Denn wo am Anfang noch „Evangelium“ steht, heißt es in der Eigenbeschreibung dann kurze Zeit später: „Diese Sinnfluencer*innen sollen Menschen auf allen möglichen Plattformen mit Themen rund um Glauben, Lebensfragen und gesellschaftlichen Debatten erreichen.“

Aus Evangelium ist nun Glaube, Lebensfragen und gesellschaftliche Debatten geworden. Das ist nicht per se schlecht oder falsch, aber es deutet etwas an, was mir dann beim Ansehen des Contents von den Sinnfluencern immer deutlicher wurde. Die Grundfrage dabei ist: Reicht es, wenn ich über eine Lebensfrage oder eine gesellschaftliche Debatte poste/Content generiere – oder sollte da noch so etwas wie Glaube oder (aus meiner Sicht:) Evangelium dazu kommen? Damit meine ich: Wenn ich einen Podcast über praktische Lebensfragen mache – ist das dann im Sinne eines christlichen Contentnetzwerkes? Oder anders gefragt: Wo fängt das Evangelium an und wo hört es auf? Und: wie viel (erkennbares) Evangelium braucht ein Angebot eigentlich?

Aber dazu werden wir am Ende des Artikels noch mehr als ausführlich kommen. Jetzt erstmal: die Protagonisten. Die Mitwirkenden im kleinen Schnellcheck.

Die Sinnfluencer

Zum Start gehören zu Yeet 8 sog. „Sinnfluencer“. Ich habe mir tatsächlich vor drei Wochen die Arbeit gemacht und mir alle Kanäle und Auftritte einmal angesehen. Weil es mich ernsthaft interessiert hat. Ich möchte wirklich niemanden persönlich kritisieren. Aber wer Teil eines solchen Netzwerkes ist, darf hoffentlich auch hinterfragt und angefragt werden. In aller Deutlichkeit: es geht mir nicht um die Personen, sondern um den Inhalt.

@wasistdermensch
Ein Pastor, der auf Instagram ist. Okay. Was ich tatsächlich spannend finde: Man kann ihm anonym (außerhalb von Insta) Fragen stellen. Nach eigener Aussage Lebens- und Sinnfragen. Das ist – finde ich – ein gutes digitales Seelsorge-Angebot.

Nun kann ich schwer nachvollziehen, wie diese Antworten aussehen. Aber ja, das finde ich vom Gedanken her sehr gut. Wenn sich hier Leute wirklich mit Fragen nach Leben und Sinn melden, dann ist doch super.

Ich frage mich jedoch: Wieso wird eigentlich nicht damit geworben, dass man sich auch mit Glaubensfragen melden kann?

@diebessermacher
Ein Journalist der christlichen Zeitschrift „chrismon“ macht einen Podcast darüber, was wir mit Blick auf Klimaschutz besser machen können. Die Webseite ist leider nicht sehr ansprechend. Über Chrismon direkt ist es schöner. Inhaltlich bin ich hängen geblieben bei der Frage: „Wie können wir ohne Flugzeug reisen?“

Ich frage mich bei diesem Angebot allerdings, wo der explizite Bezug zum christlichen Glauben ist. Ernsthaft: das sind ja alles tolle, gute, wichtige Themen. Aber ich höre diverse Podcasts zum Thema Klimaschutz. Keiner davon ist von der Kirche – und ich habe bei diesem bessermacher-Podcast nichts gehört, was ich nicht auch schon vorher gelesen/gehört hätte.

Also: Wo ist das C in diesem Podcast? Wieso ist das ein „Sinnfluencer“, den wir als Kirche bezahlen sollten? Und damit will ich überhaupt nicht schlecht reden, was da gemacht wird! Aber genau diese Art von Podcast gibt es doch inzwischen wie Sand am Meer.

Für mich bleibt (auch nach dem Hören) bei diesem Angebot offen, wo es um christlichen Glauben geht und wo genau hier das Evangelium ins Spiel kommt. Der Tipp mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren ist schön und gut. Aber ist das das Evangelium?

@filmshow
Bei den Sinnfluencern mit vielen Videos habe ich natürlich nicht alle gucken können. Ich habe mir dann überlegt, dass ich aber auf jeden Fall ansehen sollte, was am meisten angeklickt wurde. Das ist bei diesem Angebot ein Video mit immerhin 18.000 Klicks.

Die Filmshow ist ein Angebot auf Youtube, bei dem Filme und Serien rezensiert werden. Von einem Pastor und einer Filmjournalistin. Ich habe also das Video mit den 18.000 Klicks angesehen. Eine spannende Kritik. Auch gut gemacht. Gefällt mir!

Aber dann ist das Video vorbei und ich frage mich: und was genau hat es jetzt ausgetragen, dass das ein Pastor macht? Versteht mich nicht falsch: das ist wirklich ein gelungenes Format. Aber… gibt es denn auch hier kein C im Angebot?

Ich habe noch ein paar weitere Videos angesehen. Vielleicht habe ich Pech gehabt und immer die falschen erwischt. Was ich mir gewünscht hätte… ich mag das ja so gar nicht sagen, aber… also „Sinn“ wäre halt irgendwie schön gewesen.

Wieso ist das ein Angebot, was man mit Sinnfluencer bezeichnen sollte? Wirklich: ich meine es nicht böse. Aber wieso so ein großes Wort kreieren, wenn dann solche Angebote folgen? Was hat dieses Angebot mit christlichem Glauben und Evangelium zu tun? Nochmal: ich finde die Videos gut. Ich finde nur das Label schwierig.

@theresaliebt
Eine Pastorin, die auf Youtube und Insta ist. Auf Youtube hat ein Video über Homosexualität am meisten Klicks (4.200). Ihr Schwerpunkt liegt wohl eigentlich auf Insta, aber Yeet verlinkt zu Youtube. Entsprechend habe ich mich zuerst dort umgesehen. Ich habe mir als erstes das letzte Video angesehen (das war Ende Februar 2020). Thema „Überlastung als Mutter“.

Die Pastorin erzählt, wie sie sich als Mutter manchmal überlastet fühlt. Das ist ehrlich und authentisch. Und ich denke mir, dass jetzt mit Sicherheit gleich etwas kommt. Vielleicht ja sowas wie Sinn. Aber dann – Zitat: „Ihr seid damit nicht alleine, ehrlich“.

Das ist nicht falsch. Das wirkt echt und das hat auch seinen Wert. Aber faktisch höre ich „nur“, dass ich nicht alleine sei und ich mich gedrückt fühlen soll. Ist das jetzt ein Sinnfluencer? Dass ich mich, wenn ich überlastet bin, gedrückt fühlen soll und ich nicht alleine bin? Ist das das, was wir unter Christen Evangelium nennen?

Ich habe @theresaliebt gestern bei einem Vortrag das erste Mal live erlebt. Und deshalb fällt es mir echt schwer, jetzt hier diese Kritik anzumerken. Denn sie ist (wie mit Sicherheit auch alle anderen) sympathisch, engagiert – mit dem ganzen Herzen dabei. Und auch wenn ich es vielleicht inzwischen schon zu oft gesagt habe, aber: es geht mir hier nicht um die Person, sondern um den Inhalt der Influencer und das, was wir mit Yeet da „pushen“.

Vielleicht bin ich auch mit falschen Erwartungen an die Sache herangegangen. Aber ich habe von einem christlichen Contentnetzwerk einfach mehr erwartet. Ich erwarte mehr, nein überhaupt, expliziten christlichen Glauben. Ich möchte deutlich erkennen können, wo hier so etwas wie Evangelium deutlich wird. Und das ist bei den ersten vier Angeboten vielleicht vorhanden. Aber dann mindestens gut versteckt.

@janaglaubt
Ich kannte dieses Angebot schon vor Yeet. Habe aber nie so richtig „eingeschaltet“ und mir erst für diesen Artikel mal ein paar Videos angesehen. Und erleichtert aufgeatmet. Denn hier erzählt jemand von seinem Glauben. Hier muss ich kein C suchen.

Ja, ich weiß, dass es Kritik an Jana gibt. Viele mögen ihre Theologie nicht. Aber genau das, was ich hier sehen kann, stelle ich mir vor, wenn ich das Wort „Sinnfluencer“ lese und wenn ich von einem „christlichen Contentnetzwerk“ komme.

Die Videos sind darüber hinaus sehr professionell. Im Vergleich zu allen vorigen Angeboten ist das hier ein deutlicher Sprung in der Professionalität.

Nach Zitat von der eigenen Webseite will Yeet ja ein Netzwerk sein, das die Vielfalt des christlichen Glaubens in Inhalt, Format und Ausspielkanal abbildet. Hier habe ich zum ersten Mal das Gefühl, dass es auch um erkennbaren christlichen Glauben geht.

Falls du nach diesem Artikel noch Zeit und Lust hast: Bitte schau dir doch hinterher einmal dieses Video von @janaglaubt an und dann dieses Video von den nächsten Sinnfluencern an.

In beiden Videos erklären die jeweiligen Sinnfluencer, warum sie tun, was sie tun. Eigentlich ist damit für mich schon alles gesagt. Ich finde, man kann es nicht besser beschreiben als Jana. Ja, ist doch völlig okay, wenn das nicht deine Theologie ist. Aber dann lasst uns 10 Angebote wie dieses machen, aber eben mit 10 verschiedenen christlichen Ansichten. Und dann haben wir so eine richtig geile christliche Vielfalt im Netz. Und das auch noch professionell.

@andersamen
Und damit sind wir auch schon bei andersamen gelandet. Das sind zwei miteinander verheiratete Pastorinnen. In ihren Youtube-Videos soll es darum gehen, „wie gut die Verbindung queer und Kirche und Dorf funktioniert“ (Eigenbeschreibung).

Das ist sehr interessant, weil damit schon im Teaser für die beiden der Schwerpunkt auf dem „Queer“-Thema liegt. Und der Teaser zu dem Kanal sich eigentlich auch nur darum dreht. Beide Pastorinnen sprechen im Video spannenderweise von „positiver Diskriminierung“. Damit meinen sie: sie haben nicht das Gefühl, dass sie aufgrund ihrer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft diskriminiert werden, sondern sogar andersherum mehr Medienanfragen etc. bekommen.

Und dann wird es für mich wirklich etwas quer: Denn sie sagen beide im Video, dass sie sich wundern, dass immer betont wird, dass sie mit einer Frau verheiratet sind. Und ich denke mir, dass hier irgendwas nicht stimmt. Ich meine: Der ganze Kanal reduziert die beiden auf genau diesen einen Fakt. Yeet wirbt einzig und allein aus diesem einen Umstand für und mit diesen beiden Pastorinnen.

Ich finde es regelrecht kurios, dass sich hier im eigenen Kanal-Teaser über etwas gewundert wird, was aber wiederum mit dem Video selbst unterstützt wird. Ich kriege das gar nicht so richtig klar in meinem Kopf…

Und deshalb stellt sich mir auch die Frage, was eigentlich das Thema von diesem Kanal ist. Was steht hier im Mittelpunkt: „Queer“ oder Glaube? Ganz überspitzt: Gäbe es diesen Kanal auch, wenn das jetzt Mann und Frau statt Frau und Frau wären? Ich glaube nicht. Und das ist ja nicht per se irgendwie verwerflich. Denn ich finde gut, dass sie auch für „queere Fragen“ präsent sein wollen. Aber… ich finde es in jeglicher Hinsicht schade.

Denn das ist doch kein Evangelium an sich und kein christlicher Glaube an sich. Wieso muss das Thema „queer“ so künstlich hochgehängt werden? Kann es nicht im positivsten Sinne als selbstverständlich angenommen werden?

Meine Kernkritik ist an diesem Angebot aber: das reicht aus meiner Sicht nicht, um Sinnfluencer zu sein. Ich habe mir z.B. die Videos „Eine Nacht in Köln“ und „Spießersonntag“ angeguckt. Bei allem Respekt: ich stelle mir echt was ganz anderes unter „Sinnfluencern“ vor. Müssen wir als Kirche ein Video bezahlen und pushen, bei dem ich mir anschaue, wie zwei Pastorinnen bei Domian als TV-Gast dabei sind?

@seligkeitsdinge
Eine Pastorin – vor allem auf Insta aktiv. Ich finde sie authentisch. Und sie redet auch über ihren Glauben. Es ist theologisch ganz woanders als janaglaubt. Aber genau das ist für mich Vielfalt.

Seligkeitsdinge steht zu ihrer liberalen Theologie und das finde ich gut. So wie janaglaubt eben zu ihrer eher konservativen Theologie steht. Die beiden Angebote werden für mich dem selbstgenannten Ziel von Yeet am besten gerecht. So verschieden sie sind. Nein, weil sie so verschieden sind.

Allerdings muss ich auch dazu sagen: Meine Meinung von Seligkeitsdinge basiert vor allem auf den Insta-Bildern. Die Storys scheinen, so meine kleine Recherche das zugelassen hat, deutlich weniger Theologie/Glaube zu beinhalten. Das ist aber letztlich nur eine Vermutung und hat vielleicht ja sogar System?

@netztheologen
Ich finde die Idee ziemlich gut. Nach eigener Aussage geht es darum „Die Perspektive des christlichen Glaubens auf Technik anwenden“. Mich persönlich hat das Angebot irgendwie nicht gepackt. Aber das ist ja in Ordnung und ganz normal so, dass nicht allen alles gefällt.

Aber was ich für unterstützenswert halte: hier wird explizit eine Verbindung zum christlichen Glauben gezogen. Aus meiner Sicht ist es zum Teil sehr theologisch und die Übergänge sehr abrupt und manchmal vielleicht etwas gewollt. Aber ich kenne keinen anderen Podcast mit dem gleichen Thema (im Unterschied zu diebessermacher) und hier geht es um den christlichen Glauben in Form von christlicher Theologie. Von daher: Daumen hoch.

Eine grundsätzliche Kritik

Um eines mal klar zu sagen: ich mag keine „Labels“ in der Theologie. Aber wenn wir mit diesen Labels arbeiten, dann fühle ich mich immer dazwischen. Ich bin nicht evangelikal, aber ich auch nicht liberal. Oder manchmal da und manchmal hier. Aber ich bin evangelisch. Evangelisch-lutherisch. Und ich bin Christ. Pastor in einer evangelisch-lutherischen Kirche. Wir nennen uns Christentum.

Und wisst ihr was ich bei Yeet einfach zu viel vermisse? Jesus (Christus). Wie kann es sein, dass bei einem CHRISTlichen Contentnetzwerk so wenig bis gar nicht über Jesus CHRISTus gesprochen wird?

Mir fehlt nicht nur Jesus, mir fehlt auch persönlicher Glaube und mir fehlt der Bezug zur Bibel. Ich will jetzt hier nicht den Theologen raushängen lassen. Aber wie kann das sein, dass ich in einem christlichen Contentnetzwerk so wenig über das finde, was uns ausmacht? Was nun mal die Grundlage unseres Glaubens ist?

Und nein, das ist keine Ansichtssache. Wir können gerne darüber streiten, was das Evangelium ist. Aber Bibel, Jesus, Glaube – das sind ja wohl hoffentlich unsere Kernthemen! Wir können uns streiten, wie wir die Bibel auslegen oder verstehen. Aber dafür müssen wir auch über die Bibel sprechen. Wir können uns streiten, wie wir verstehen, was Jesus gesagt hat. Aber dafür müssen wir über Jesus sprechen. Und wenn jemand schreibt, dass es um Vielfalt im christlichen Glauben gehen soll, dann muss es auch um christlichen Glauben gehen. Und nicht einfach nur um Filme, Spießersonntage und Klimatipps.

Gott liebt dich – reicht nicht!

Ich habe gesagt, dass mir Bibel, Jesus, Glaube fehlen. Und zugleich fällt mir auf, dass da, wo über den christlichen Glauben gesprochen wird, häufig eine sehr starke Überbetonung von „Gott liebt dich“ geschieht. Ich finde: Da müssen wir mehr differenzieren und unsere Theologie kann sich nicht in diesem einen Satz verlieren.

Es gibt im Netz genug andere gute Angebote, die meinen Wünschen eher entsprechen. Z.B. Gunnar Engel auf Youtube oder Malte Detje und Knut Nippe mit ihren Tischgesprächen. Oder den Offenbart-Podcast. Was ich an diesen drei Angeboten schätze? Es geht dort um die Bibel, um Jesus, um persönlichen Glauben.

Und nein, ich finde diese Angebote nicht einfach immer gut. Ich stimme z.B. einem Gunnar Engel in vielen Dingen nicht zu und könnte sicherlich lange und viel mit ihm diskutieren. Aber trotzdem ist das für mich christlicher Content. Und er gehört zu unserer Vielfalt des christlichen Glaubens dazu.

Nochmal: ich bin wirklich kein konservativer Theologe. Hört meine Predigten an und ihr wisst das. Aber ich finde der kleinste gemeinsame Nenner von christlichem Content sollte Jesus, Bibel, Glaube heißen. Und ich finde es bedenklich, dass ausgerechnet diese Themen bei Yeet so wenig vorkommen.

Meinung als Ortspastor

Ich bin Pastor einer Ortsgemeinde. Also so ein ganz normaler Pastor eben. Aber ich bin auch digital unterwegs. Die meisten der Angebote von Yeet sind klassische Angebote der #digitalenkirche. Damit meine ich: sie sind für das Netz produziert und nicht an eine Gemeinde vor Ort gebunden. Das finde ich völlig in Ordnung so. Auch wenn ich persönlich der Meinung bin, dass wir neben #digitalekirche auch endlich die #digitalegemeinde bzw. die #digitalisiertegemeinde entdecken sollten.

Für mich als Ortspastor sind Angebote der #digitalenkirche aber auch wertvoll und wichtig, weil ich sie weiterleiten und empfehlen kann. Z.B. in Glaubenskursen. Aber ganz ehrlich: Zu mir ist noch niemand gekommen und hat mich gefragt, wie er die Welt besser machen kann. Zu mir ist noch niemand gekommen und hat mich gefragt, ob ich einen Kanal kenne, wo sie etwas über lesbische Pastorinnen und ihren Kinderwunsch erfahren können oder ob ich einen Film gerade empfehlen könnte.

Keine Ahnung wie das bei all den anderen Pastoren ist. Aber mich fragen Leute, wie sie diese eine bestimmte Bibelstelle verstehen sollen, weil sie die echt hart finden oder nicht verstehen. Ich werde gefragt, ob ich eine bestimmte Bibel empfehlen kann. Ja, ich werde gefragt, was Gott gut findet. Ob Homosexualität wirklich Sünde ist (ich halte es da übrigens ganz mit dieser Meinung). Ich werde gefragt, ob ich wirklich glaube, dass Jesus auferstanden ist. Und ich stehe jede Woche wieder vor der Frage, wie ich die Texte der Bibel so auslegen kann, dass sie etwas mit uns heute zu tun haben. Ich frage mich jede Woche neu, was das Evangelium ist. Aber aus meiner Sicht kann die Antwort auf diese Frage nicht an Bibel, Jesus und Glaube vorbeigehen.

Wir sind Kirche. Wir sind Christen. Wir glauben an einen Gott, von dem wir aus der Bibel wissen. Wir haben einen Glauben, in dessen Mittelpunkt ein Typ steht, der Gott und Mensch zugleich gewesen sein soll und der gestorben und auferstanden und dann in sowas wie einen Himmel aufgefahren ist. Ey, wir haben so krasse Themen und niemand außer uns redet über diese Themen oder kann etwas dazu sagen. Wieso um Himmels Willen (haha, das passt) reden wir also in einem christlichen Contentnetzwerk so wenig bis gar nicht über genau diese unsere Themen?

Idee zur Verbesserung

Bei all der Kritik möchte ich jetzt aber auch versuchen konstruktiv zu werden. Die erste Frage ist aus meiner Sicht, ob wir Yeet überhaupt als öffentliches und eigenes Netzwerk benötigen. Yeet ist nicht sexy für die Zielgruppe. Das Logo sieht aus wie von Nickelodeon in den 90ern entworfen und bis auf ein paar christliche digitale Nomaden verirrt sich vermutlich auch niemand auf die Webseite noch auf die eigenen Social Media Kanäle. Daher: ich würde das Geld und die Energie an dem Punkt sparen.

Aber die Idee an sich ist doch super! Christen im Netz stärken – und dafür Geld und Profis einsetzen. Mein Vorschlag wäre, es aber so zu machen wie beim „Social Media Boot Camp„. Der Gedanke war hier der gleiche wie bei Yeet – nur aus meiner Sicht deutlich sinnvoller umgesetzt. Dort wurde niemand hinterher mit einem „Siegel“ versehen, es waren Profis (auch außerhalb der Kirche) dabei. Und es ist ein gutes Angebot entstanden: „The Preacher and the Teacher“ zum Beispiel. Hier ist die christliche Vielfalt sogar direkt im Angebot inklusive: ein landeskirchlicher Pastor und ein Mitglied aus der Freikirche ICF machen einen gemeinsamen Podcast.

Also: lasst uns die Idee hinter Yeet aufgreifen und jetzt mit etwas Mut da nochmal durchaus radikal rangehen. Und dann regelmäßig Social Media Boot Camps machen, wo neue Angebote entstehen und zugleich bestehende Angebote professionell begleitet und gepusht werden. Aber dafür braucht es keinen eigenen Yeet-Auftritt. Und nur mal so nebenbei: ich bin sehr viel und auch schon länger im Netz unterwegs. Ich habe das angeblich dort geläufige Wort „Yeet“ vorher noch nie gehört…

Wunsch für die inhaltliche Ausrichtung

Neben dieser strukturellen Idee zur Verbesserung habe ich aber vor allem einen Wunsch. Und zwar dass ein christliches Contentnetzwerk auch christlichen Content liefert. Und das heißt für mich: Mehr Bibel, mehr Jesus, mehr persönlicher Glaube.

Wenn wir was zum Klima machen, dann lasst uns doch sagen, warum wir als Christen das Klima schützen wollen. Wenn jemand geile Film-Rezensionen machen kann. Wieso dann nicht mit christlichem Inhalt verbinden? Wenn wir als Christen ein „queeres Thema“ pushen wollen, dann lasst uns doch biblisch-theologisch begründen, warum wir das tun. Und „Gott liebt dich“ reicht da einfach nicht!

Also: wenn schon Sinnfluencer – dann bitte auch mit Sinn. Und zwar mit christlichem Sinn.

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