Was soll der Scheiß mit den Schafen?

Vor einiger Zeit in der Bibel gelesen. Dabei wurde ich mal wieder als Schaf bezeichnet. Gott sieht mich. Als Schaf? Jetzt im Ernst? Wenn wir schon Tiere sein müssen, warum dann nicht ´n Vernünftiges? Kannst mir doch nicht erzählen, dass dem lieben Gott kein anderes Tier eingefallen ist! #predigtslam #schafe 

Ich sehe mich eher weniger als Schaf. Sagt ein guter Freund von mir. Ich stimme ihm da durchaus zu. Ich sehe ihn auch nicht so sehr als Schaf. Außer wenn er seine Winterjacke mit dem Fell in der Kapuze trägt. Früher dachte ich ja, das würden nur Assis tragen. Bis er damit ankam. Naja. Muss er ja wissen.

Wie dem auch sei. Wir sind uns einig. Nein, wir wollen keine Schafe sein. Und nein, wir wollen auch nicht als Schafe bezeichnet werden. Warum? Weil wir keine Schafe sind, man.

Deutsch LK. Wir können Logik. Und Argumentieren und so.

Warum also Schafe?

Schafe. Wer will denn schon als Schaf bezeichnet werden?

Schafe sind Herdentiere. Wir hassen die Massen. Als ob wir zu H&M gehen würden.

Schafe stehen eigentlich nur dumm rum. Wir wollen mehr vom Leben. Wer gibt sich schon mit so wenig zufrieden? Yolo und so.

Schafe glotzen in der Gegend rum. Wir posten auf Instagram Bilder von glotzenden Schafen. #sheepyourlife

Schafe können mää. Wir haben bilingual studiert, Bitch.

Schafe essen vegan.

Okay, das ist ein Punkt. Aber deshalb sind wir noch lange keine Schafe.

Also, was soll der Scheiß mit den Schafen? Wenn wir schon Tiere sein müssen, warum dann nicht ´n Vernünftiges? Kannst mir doch nicht erzählen, dass dem lieben Gott kein anderes Tier eingefallen ist.

Okay, Gott sieht uns. Das ist echt nett. Aber. Als Schafe?
Ernsthaft?

Nashorn wär doch geil. Sagt der Freund.

Du weißt schon, dass Nashörner vom Aussterben bedroht sind? Wende ich ein. Argument. Sagt er. Ich sage nur: Deutsch LK und so.

Löwe. Fällt mir da ein. Der pennt doch fast den ganzen Tag. Meint der Freund. Auch wieder wahr. Sage ich. Wär aber trotzdem geiler als Schaf. Und Jesus sprach: Wenn ein Mensch hundert Löwen hätte und eins unter ihnen sich verirrte: lässt er nicht die 99 in der Savanne, geht hin und sucht das verirrte?

Irgendwie unrealistisch. Sagt der Freund. Wer hat denn 100 Löwen?
Justin Bieber? Frage ich unsicher. Der Freund schüttelt nur den Kopf.

Hai finde ich ja auch geil. Sagt der Freund. Wenn schon Weißer Hai. Sage ich. Derbe rassistisch. Sagt der Freund. Coloured Hai überzeugt uns aber irgendwie auch nicht.

Was ist denn mit Adler? Schlage ich vor. So voll majestätisch und immer alles im Blick und so. Und als Jesus das Volk sah, da freute es ihn. Denn sie waren mutig und ihre Work-Life-Balance war absolut im Gleichklang – wie die Adler, die einen guten Orientierungssinn haben.

Hmm. Ich weiß nicht. Sagt der Freund.

Okay, was ist denn mit Wolf? Sage ich. Wölfe sind doch ganz in Ordnung. Die machen ihr Ding und lassen sich nichts sagen. Wölfe leben in Gemeinschaft und sind trotzdem nicht so n dämliches Herdentier. Wie Zebras. Oder Kühe. Oder Ameisen. Oder Bienen.

Wölfe sind irgendwie mächtig. So wie wir Menschen.

Wölfe haben keine Feinde. Außer sich selbst. So wie wir.

Wölfe sind irgendwie so geheimnisvoll und unnahbar. So „woooo“, du weißt nie genau was sie denken. So wie wir eben.

Wir wissen auch nie so genau, was wir denken.

Also Wolf. Damit könnten wir leben.

Aber Hauptsache kein Schaf ey.

Schafe brauchen Hirten. Wir sind unsere eigenen Chefs. Wir brauchen keine Hilfe. Und es ist gut, sein Leben selber im Griff zu haben. Sagt zumindest meine Therapeutin.

Schafe verlaufen sich, finden nicht mehr zurück und verenden. Wir verlaufen uns, finden nicht mehr zurück – aber machen immerhin noch ein Selfie, bevor wir verenden!  #wasistdasfür1tod

Warum müssen wir überhaupt Tiere sein? Können wir nicht einfach Mensch sein?

Gott sieht uns. Okay. Das ist echt nett. Aber… könnte er uns nicht als Mensch sehen?

Du weißt aber schon, dass Menschen vom Aussterben bedroht sind? Wendet der Freund ein. Argument. Sage ich. Deutsch LK und so. Sagt er.

Trotzdem. Wir wollen als das bezeichnet werden was wir sind. Wir wollen als das von Gott gesehen werden, was wir sind.

Und deshalb haben wir einen Vorschlag. Für Gott oder auch erstmal nur für die nächste Bibel-Übersetzung. Schreibt in der Bibel doch mal weniger von Schafen und mehr von Menschen. Menschen wie uns. So zum Beispiel:

Hallo du, ich bin´s. Gott.

Du sagst zu mir: „Du siehst mich“.

Und ja: es stimmt.

Ich sehe dich.

Ich sehe dich hinter deinem neon-gelben-Full-Moon-Party-Shirt.

Ich sehe dich hinter deinem locker-ambitioniert-forsch-zurückhaltend-blickendem-Xing-Profilbild.

Denn:

Ich bin professioneller Masken-Durchschauer. Mit Bachelor of Arts.

Und den Master habe ich im Hinter-die-Fassaden-Schauen gemacht.

Ja, ich sehe dich.

Ich sehe, was du so gerne wärst. Aber vielleicht nie erreichst.

Ich sehe, wo du dich inszenierst. Aber niemand das Stück sehen kommt.

Ich sehe, wie du lauthals lachst und eigentlich leisen Herzens weinst.

Ich sehe dich.

Und weißt du was?

Für meine Aufmerksamkeit musst du nichts posten und keine Likes sammeln.

Ich sehe dich.

Ganz gleich wie toll dein Profil ist. Von Vorne, von der Seite und auf Facebook.

Ich sehe dich.

Seist du nun Schaf oder Wolf, Adler, Löwe, Nashorn oder Just n Bieber.

Ich sehe dich.

Und glaube mir: Ich werde alles für dich sein.

Und wenn es ein Hirte ist, dann mache ich dir auch den dämlichen Hirten.

Und wenn du Wolf sein willst und dich dann doch mal verrennst. Dann bin ich eben ein Wolfshirte. Scheiß egal, ob es das nun gibt oder nicht.

Ich werde auch zum Orgel-Fetischisten und zum Esoterik-Guru. Zum Lobpreis-3-Akkorde-Abgeher, und zum Teufelsaustreiber.

Ich werde für dich Bio-Metzger, Fitness-Trainer, Therapeut und Mutter.

Party-Hengst und mit-dir-Serien-Gucker.

Glaube mir: Ich werde alles für dich sein.

Deshalb: Bleib du doch einfach nur du allein.

Ich sehe dich.

Du musst nicht klettern, leisten, streben.

Du darfst bleiben, fallen, ab-geben.

Du darfst reisen, Erfahrungen sammeln, deine Mitte und den perfekten Partner finden, das süßeste Baby zeugen und nebenbei ein Start-Up gründen.

Aber, ich sehe dich auch ohne Quadratur deiner Erfahrungen. Ohne LTE-Lebensgeschwindigkeit und Bucket-List.

Und jetzt echt mal im Ernst: Für mich musst du verdammt nochmal nicht mit Delfinen schwimmen. Auf keinen Berg steigen und ob du Fallschirm springst oder nicht, ist mir sowas von egal.

Du bist mehr als das was du isst. Was du sagst, und magst und meinst und verneinst.

Denn ich sehe dich.

Ich war dein erster Follower.

Noch lange vor deinem ersten Post.

Ich sehe dich.

Seist du nun Schaf oder Wolf, Adler, Löwe, Nashorn oder Just n Bieber.

Ich sehe dich.

Und glaube mir: Ich werde alles für dich sein.

Deshalb:

Bitte:

Bitte:

Bleib du doch einfach nur du allein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.