Lasst uns die Pastoren nicht mehr bezahlen!

Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Geschenk: Ein hauptamtlich angestellter Pastor. Der nichts anderes zu tun hat, als für die Kirche/die Gemeinde zu arbeiten. Schaut man aber etwas genauer hin, so sind hauptamtliche Pastoren eines unserer größten Probleme in Kirche. #einfachkirche

Ich gebe zu: Es ist etwas heikel, was ich schreiben möchte. Denn letztlich schreibe ich gegen mich selbst. Ich schreibe gegen Pastoren, die hauptamtlich in Kirche arbeiten.

Hauptamtlich, damit meine ich erstmal die Abgrenzung zu ehrenamtlich. Also Hauptamtliche werden bezahlt für ihre Arbeit in der Gemeinde. Ich werde bezahlt für meine Arbeit in der Gemeinde. Jetzt als Vikar. Später als Pastor.

Und ja, das hat viele Vorteile. Ich habe – zumindest theoretisch – ja meine gesamte Arbeitszeit für die Gemeinde zur Verfügung. Es gibt keinen anderen Job, den ich zuerst zu erledigen habe. Ich muss mich nicht um meinen Lebensunterhalt kümmern, zusätzlich zu meiner Arbeit in der Gemeinde.

Wo das Problem liegt? Unsere Gemeinden kreisen um uns Pastoren. Und wir Pastoren leben in unserer eigenen Pastorenwelt.

Unsere eigene Pastorenwelt

Wir kennen nicht das Gefühl, nach einem langen Arbeitstag noch zusätzlich in die Gemeinde zu fahren. Wir kennen nicht das Gefühl, existentiell bedroht zu sein. Unser Job ist sicher. Sehr sicher. Wir sind ausgezeichnet versichert, bekommen ein ordentliches Gehalt. Der Arbeitsalltag und die Arbeitssorgen der meisten Menschen sind uns fremd. Damit ist ein Großteil der Realität unserer Gemeinde für uns nicht wirklich nachvollziehbar.

Das große Kreisen

Und auch andersherum: Wir sind in sehr vielen Fällen die Player in der Gemeinde. Ohne uns läuft nichts. Viel zu häufig. Das ist vielen von uns bewusst. Viele von uns jammern darüber. Und doch genießen es viele. Wir sind wie ein Fixpunkt, um den die Gemeinde kreist. Aber ist das wirklich unser Ziel? Dass alles sich um uns dreht?

Ist der Pastor schlecht oder nicht beliebt, sieht man das meistens an der Gemeinde. Fällt der Pastor länger aus oder bleibt eine Stelle unbesetzt – das Gemeindeleben ist kaum aufrecht zu halten. Letztlich haben unsere hauptamtlichen Pastoren vor allem zu einem geführt: sehr vielen entmündigten Gemeinden.

Die Alternative

Was ich mir dagegen wünsche? Pastoren, die nur Teil eines größeren Teams sind. Pastoren als diejenigen, die die theologische Kompetenz mitbringen. Aber nicht auch alles andere leiten und führen.

Pastoren als Ehrenamtliche. Und genauso gibt es eben Ehrenamtliche für andere Bereiche. Die Kinderarbeit und Jugendarbeit. Seniorenarbeit. Musik, Büro, Küster und was es eben noch so gibt.

Der Pastor ist nur noch Teil eines größeren und gleichberechtigten Teams.

Die Vorteile

Welchen Vorteil ich darin sehe? Erstmal: Eine Gemeinde auf Augenhöhe. Es gibt keinen „King“, keinen Fixpunkt, um den sich alles kreist. Wir feiern 500 Jahre Reformation und Martin Luther – dann lasst uns auch das „Priestertum aller Gläubigen“ ernst nehmen. Und endlich das Priestertum aller Pastoren beenden.

Wenn ich Pastor im Ehrenamt bin, dann habe ich einen richtigen Job. Ich muss mein Geld anderweitig verdienen. Ich lebe in der Welt, zu der ich sprechen möchte. Übrigens: Ehrenamtliche Pastoren scheint mir durchaus eine biblische Vorlage zu haben…

Und darüber hinaus: Pastoren im Ehrenamt können eine Lösung für unsere Kirchenkrisen sein. Denn: es spart sehr viel Geld. Und es lässt völlig neue Konzepte von Kirche zu.

Aktuell wirken Kirchen als defizitär, wenn sie keinen Pastor haben. In Zukunft wäre es völlig normal.

Eine große Chance

Natürlich, das wäre eine sehr große Veränderung in Kirche. Es bedeutet neue Strukturen. Es bedeutet viel mehr Einsatz von Ehrenamtlichen. Aber es bedeutet auch eine neue Chance.

Wir können Kirche wieder stärker als Gemeinschaft denken. Wir können Kirche weniger fokussiert auf eine Person denken. Wir haben größere finanzielle Spielräume.

Und wieso dann das Vikariat?

Tja, aber wenn ich so denke, wieso gehe ich dann ins Vikariat und werde genau das, wogegen ich hier gerade schreibe? Ich gebe zu: Das mag ein Stück weit inkonsequent sein. Gleichzeitig gilt: Systeme lassen sich ja fast immer von innen besser als von außen verändern.

Daher bin ich gerne Teil des Systems und stelle immer wieder meine Gedanken dazu vor. Erzähle von meiner Idee von ehrenamtlichen Pastoren. Und zuletzt: Kirche ist durchaus auf dem Weg an diesem Punkt. Es gibt sowohl ein Vikariat im Ehrenamt als auch eine Ordination ins Ehrenamt. Die Voraussetzungen sind also schon gegeben. Und ich kann mir durchaus vorstellen, am Ende meines Vikariats auch eine Ordination ins Ehrenamt zu machen.

 

Und nun kommst du! Was denkst du darüber? Wo siehst du Stärken von ehrenamtlichen Pastoren, wo siehst du Probleme? Ich bin gespannt auf deine Meinung und mir ist bewusst, dass auch dieser Beitrag nicht umfassend, sondern nur ein Ausschnitt aus einer These ist 😉

4 Gedanken zu „Lasst uns die Pastoren nicht mehr bezahlen!

  • 14. November 2017 um 14:25
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    Was soll das Pastorenbashing?

    Eine verkürzte Sicht der Dinge, simplifizierend. Da wird halt mal wieder ein Klischee strapaziert mit dem man sich dann pseudokritisch ranschmeißt. Das Problem der Kirche sind nicht die Pastoren, sondern ihre Verwaltungsstrukuren.

    Wer heftig kritisiert, sollte außer populistischen Parolen vielleicht mal die neueren religionssoziologischen Publikationen zur Kenntnis nehmen. So etwas darf man von einem Vikar erwarten.

    Glaubwürdig wird das alles halt nur, wenn Sie sich tatsächlich nur auf eine Ordination im Ehrenamt vorbereiten. Ansonsten wäre es nur nettes Getöse.

    Antwort
    • 14. November 2017 um 15:00
      Permalink

      Vielen Dank für die kritische Rückmeldung!
      Dann muss ich aber auch kritisch zurückfragen 😉
      – Welches Klischee meinen Sie?
      – Und wieso pseudokritisch? Also was ist das „Pseudo“ aus Ihrer Sicht?
      – Von welchen religionssoziologischen Publikationen reden Sie und wieso meinen Sie, dass das a) mit dem Thema zu tun hat und b) dass ich sie nicht gelesen haben könnte? (Was ja gut sein kann, das will ich gar nicht so pauschal bestreiten!)

      Antwort
  • 14. November 2017 um 22:56
    Permalink

    Wenn ich das so lese, denke ich an Bonhoeffer und seinen Entwurf einer Arbeit:
    „Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist. Um einen Anfang zu machen, muß sie alles Eigentum den Notleidenden schenken. Die Pfarrer müssen ausschließlich von den freiwilligen Gaben der Gemeinden leben, evtl. einen weltlichen Beruf ausüben.“
    Du befindest Dich also mit Deinen Ideen in guter Gesellschaft. Das wären freikirchliche Strukturen, mit allen Vor- und Nachteilen, die das hat. Nicht unmöglich, aber ein großer Schritt. Ich denke aber, dass es früher oder später dazu kommen wird. Bis dahin genieße ich die Vorteile des jetztigen Systems, auch wenn sich der anarchische Charakter des Evangeliums in einer staatsnahen Kirche mit steuerfinanzierten Glaubensbeamten nicht so richtig entfalten kann.

    Antwort
    • 15. November 2017 um 14:56
      Permalink

      Ja, du hast recht – das sind freikirchliche Strukturen. Und ja, ich bin eigentlich ganz bei dir: Wir sollten die Vorteile jetzt genießen… denn früher oder später wird es diese wohl nicht mehr (flächendeckend) geben. Noch lieber wäre es mir aber, wenn wir die Vorteile jetzt so nutzen, um auf die Zeit ohne diese Vorteile gut vorbereitet zu sein 🙂

      Antwort

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