Mehr ist mehr!

Schluss mit dem Schönreden. Weniger ist nicht mehr. Mehr ist mehr. Mehr ist besser. Mehr ist richtig. Mehr ist Kirche: Warum wir wieder volle Kirchen brauchen. Und warum wir leere Kirchen nicht länger akzeptieren dürfen.

In diesem Beitrag geht es um eine weitere Grundlage für die einfachkirche. Vielleicht könnte man es biblische Grundlage nennen. Es geht darum, wieso es nicht hinnehmbar ist, wenn Kirchen weniger besucht werden. Leerer werden. Wieso es dem Wesen und dem Ziel von Kirche widerspricht, wenn sie schrumpft und nur noch zu Bruchteilen gefüllt ist.

Wieso? Weil der Gott der Bibel, so wie ich von ihm in der Bibel lese, nicht nur ein paar Leute erreichen will. Er will sie alle.

Ich möchte es beispielhaft an einer Geschichte festmachen, die Jesus erzählt haben soll. Theologen und Kirchenleute nennen sie häufig „Das große Festmahl“. Da erzählt Jesus von einem Mann, der groß zu einem Fest einlädt. Aber als er die Eingeladenen kurz vorher an das Fest erinnert, sagt einer nach dem anderen ab. Was macht der Mann?

Der Mann sagt das Fest nicht ab. Er sagt nicht: „Okay, dann feiern wir eben im kleinen Kreis“. Er schickt seine Angestellten raus auf die Straße und lässt alle möglichen Leute einladen. Das Fest findet statt. Der Laden soll voll werden.

Siehst du wieder diese Bewegung nach draußen?

Ich gehe davon aus, dass Jesus diese Geschichte erzählt hat, weil er damit etwas über Gott erzählen wollte. Was ich deshalb aus der Geschichte u.a. herauslese:

Wenn zu unserer Party keiner kommt, dann sollen auch wir rausgehen. Leute einladen. Neue Leute einladen. Hauptsache, die Bude ist am Ende voll.

Gott begnügt sich nicht mit einer kleiner, persönlichen Runde mit seinen treuesten und liebsten Freunden. Er hat groß eingeladen, er hat alles vorbereitet und von dem Plan rückt er nicht ab.

Ja, manchmal ist weniger mehr. Aber eben nicht immer.

Manchmal ist mehr auch einfach mehr.

Wenn in unseren riesigen Kirchen nur noch ein paar Verbliebene am Sonntagmorgen aufkreuzen, dann sehe ich uns als Kirche in der Pflicht unseren Hintern hochzubekommen und rauszugehen. Die Menschen einladen.

Weißt du, was ich spannend finde? Die Neu-Eingeladenen in der von Jesus erzählten Geschichte sind die, die man für gewöhnlich wohl nicht auf seine Party einlädt:

Lauf schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt. Bring die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Gelähmten hierher (Lukas 14,21)

Diese Leute dachten sich vermutlich „Wer, ich?“ oder „Nein, ich kann nicht gemeint sein“. Und ich habe genau das schon so häufig erlebt: Menschen, die sich gar nicht vorstellen können, dass Kirche (bzw. Gott) an ihnen Interesse hat. Das müssen nicht die wortwörtlich Armen, Verkrüppelten, Blinden und Gelähmten sein.

„Jonas, ich habe mit Kirche wirklich nichts am Hut“,  „Du, ich kann mit der Musik und dieser Sprache echt nichts anfangen“, „Wenn du wüsstest, was ich getan habe… nein, das ist nichts für mich“, „Mir geht es gut, Jonas. Kirche ist doch für die da, denen es schlecht geht. Was soll ich da?“

Kirche muss Menschen (wieder) überraschen. Ihnen klar machen, dass sie alle eingeladen sind. Es gibt keine Hauptzielgruppe der Kirche (also ja, es gibt eine in der aktuellen Kirche, aber ich meine jetzt so in echt. Also… wie es eigentlich gemeint ist).

Wir müssen es wieder hinbekommen, dass Kirche weniger mit einer bestimmten Hochkultur verbunden wird. Kirche ist nicht nur intellektuelle Predigt. Nicht nur klassische Musik und als moderne Variante schrumm-schrumm-Gitarrenleierei.

Kirche ist auch Metal und Rock ´n Roll. Helene Fischer und RTL2.  

Kirche ist auf der Straße im Hinterhof und in großen Kathedralen. Ja, es ist abgedroschen. Aber: Kirche ist da, wo die Menschen sind. Und nicht umgekehrt.

Denn sonst ist Kirche bald da, wo keine Menschen mehr sind.

Mehr ist mehr. In diesem Fall. Mehr ist besser. Mehr ist richtig. Weil Kirche, wenn sie leer ist, eine ganz klare Aufgabe hat: Rausgehen, einladen und dafür sorgen, dass der notorische Kirchenbank-Leerstand reduziert wird.

Und warum ist das Aufgabe der Kirche? Weil der Gott der Bibel sich so in der Bibel darstellt. Und woran, wenn nicht daran, sollten wir unsere Arbeit, unsere Ziele, unsere Ideen für Kirche beziehen?

Geh hinaus aus der Stadt auf die Landstraßen und an die Zäune. Dränge die Leute dort herzukommen, damit mein Haus voll wird! (Lukas 14,23)

Wir haben uns in Kirche lange genug eingeredet, dass es völlig okay ist, wenn es den Bach runter geht. Wenn die Zahl an Menschen, für die wir relevant sind, von Jahr zu Jahr sinkt.

Das Haus soll voll sein!

Es ist relevant, wenn Kirche an Relevanz verliert. Weil jeder einzelne Mensch für den Gott der Bibel relevant ist. Bedeutung hat. Wichtig ist.

Und somit haben wir zwei Grundlagen für die einfachkirche.

einfachkirche geht raus und versucht die Kirchen zu füllen, weil es zum Wesen der Kirche gehört, genau danach zu streben. Und einfachkirche ist dabei frei in ihrer Form, weil es keine heiligen Formen von Kirche gibt, die es zu bewahren oder zu beschützen gälte.

 

2 Gedanken zu „Mehr ist mehr!

  • 13. Dezember 2016 um 18:59
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    Du sprichst mir so dermaßen aus der Seele!! In weniger Worten, aber im Kern ähnlich, habe ich für meine KG-Kandidatur getrommelt: Relevanz.
    Ich hoffe, es wird gelingen. Und das hat auch nix mit Holzhammermissionieren zu tun! Wer nicht weiß, wofür Kirche eigentlich steht, wird auch nicht dorthin gehen. #einfachkirchenicht 😉

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    • 14. Dezember 2016 um 12:54
      Permalink

      Amen dazu!
      PS.: Dann habe ich eins meiner Kreuzchen ja schon mal richtig gemacht 😉

      Antwort

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