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Kirchenabo statt Kirchensteuer!

Wir sind keine Volkskirche mehr. Und das mit der Kirchensteuer werden wir nicht ewig aufrecht halten können. Deshalb sollten wir dringend unsere Ideen rund um Alternativen zur Kirchensteuer intensiver diskutieren. Mein Vorschlag: Ein flexibles Kirchenabo. #churchX

Ich mache mir ja gerne so meine Gedanken über die Kirche. Und ihre Zukunft. Das war zu Beginn dieses Blogs sogar mal ein klarer Schwerpunkt (würde ich zumindest behaupten). Ich habe meine damaligen Ideen unter dem Label „#einfachkirche“ geführt. Wenn dich meine Gedanken interessieren: schau gerne mal hier entlang.

Dann gab es eine Phase, wo ich besonders über die digitalisierte Gemeinde geschrieben habe (#digitalisierteGemeinde). Wenn dich da mehr interessiert: schau gerne mal hier entlang.

Neu: #churchX

Ja, und dann habe ich eine Zeit lang weniger gepostet rund um Kirche. Und ihre Zukunft. Aber die gute Nachricht (oder schlechte… das liegt dann eher bei dir und deiner Einschätzung) ist: ich werde in den kommenden Wochen wieder ein paar Beiträge in dieser Richtung posten. Mein Label für diese neuen Ideen ist #churchX.

Kirchenabo statt Kirchensteuer

Meine erste Idee dreht sich rund um die Kirchensteuer. Denn machen wir uns nichts vor: die werden wir nicht mehr wahnsinnig lange so aufrecht erhalten können. Und um es noch etwas größer zu sagen: wir sind als christliche Kirchen in Deutschland keine Volkskirche mehr. Ja: es gibt noch Regionen, da ist die „Welt noch in Ordnung“. Aber es ist kein Trend mehr, sondern Realität: Wir liegen derzeit (Anfang 2022) noch bei ungefähr 50% der Bevölkerung, die Mitglied einer christlichen Kirche sind.

Vielleicht sind wir also noch Kirche des halben Volkes. Aber ganz ehrlich: wir wissen doch alle, dass die 50% auch mit äußerster Vorsicht zu genießen sind und dass ein nicht unerheblicher Anteil dieser 50% genau so sehr Kirchenmitglied, wie viele Menschen Mitglied im Fitnessstudio sind. Man zahlt Beiträge – aber das war´s dann auch mit jeglicher Bindung und Interaktion.

Ist die Kirchensteuer schlecht?

Gleich mal direkt: ich will gar nicht gegen die Kirchensteuer meckern oder sagen, dass sie schlecht war oder ist. Ich glaube nur: sie wird sich absehbar überholt haben. Sie war eine super Sache, als halt wirklich ein Großteil der Bevölkerung Kirchenmitglied war. Aber die Zeiten haben sich in jeglicher Hinsicht geändert. Die Kirchensteuer war top, als alle in der Kirche waren – weil man eben Mitglied in der Kirche war. Diese Zeiten sind vorbei. Immer weniger Menschen sind aus den Gründen Mitglied in der Kirche, die in den letzten 70 Jahren klassische Gründe waren.

Deshalb: es geht mir nicht darum, dass wir etwas schlecht reden. Sondern dass wir als Kirche einen starken Fokus auf die Frage legen: was kommt nach der Kirchensteuer?

Wer ist „wir als Kirche“? Das sind wir alle, die sich Gedanken um Kirche machen. Ob das nun Landeskirche oder Freikirche ist. Ob das Angestellte oder Ehrenamtliche sind. Das können Gremien oder freie Initiativen sein. Wenn „Kirche“ im weitesten Sinne ein Anliegen von dir ist. Dann bist du Kirche – aus meiner Sicht. Und hiermit offiziell angesprochen.

Was sind Alternativen?

Und meine Grundfrage ist: was könnten Alternativen zur Kirchensteuer sein? Vielleicht vorher nochmal zum IST-Stand: Wir nehmen an, du gehörst zu einer der großen christlichen Landeskirchen. Wenn du dort Mitglied wirst, dann zahlst du 9% deiner Einkommenssteuer nochmal zusätzlich als Kirchensteuer. Klar, da gibt es Freibeträge etc. und wer keine Einkommenssteuer zahlt (z.B. die meisten Rentner), zahlt dann auch keine Kirchensteuer. Aber bei diesem ersten System gilt: das Geld wird direkt vom Gehalt eingezogen und danach weiß nur ein minimaler Anteil der Kirchenmitglieder, was mit dem Geld eigentlich passiert.

Das bestehende System ist extrem intransparent. Es ist auch nicht sehr flexibel (okay, du kannst natürlich aus der Kirche austreten – aber hey: dafür musst du sogar Geld zahlen und auf´s Amt gehen. Das ist für heutige Verhältnisse schon ziemlich unflexibel). Und dann ist dieses System auch noch sehr entmündigend. Damit meine ich: ich kann weder entscheiden, dass ich mehr geben möchte – noch kann ich entscheiden, was mit meinem Geld eigentlich passiert.

Einmal im Monat geht eine Summe X von meinem Gehalt ab. Ich weiß nicht wohin, ich weiß nicht wieso diese Summe und ich weiß auch echt nicht, was ich dafür bekomme. Also das bestehende System der Kirchenmitgliedschaft ist: unflexibel, intransparent und entmündigend.

Das neue Kirchenabo!

Und genau an diesen drei Punkten müssen wir aus meiner Sicht ansetzen. Wir brauchen ein System, was flexibel und transparent ist – und das einen gewissen Entscheidungsspielraum für das Mitglied lässt, was mit dem Geld eigentlich passieren soll.

Mein Vorschlag ist daher: wir führen ein Kirchenabo ein.

Erstens. Das Kirchenabo ist flexibel und barrierearm abschließ- und kündbar. Das bedeutet für mich: Im Jahr 2022 erwarte ich, dass ich meine Kirchenmitgliedschaft online abschließen kann. Es muss natürlich auch andere Wege geben. Aber ein online-Portal, bei dem ich mein Kirchenabo abschließen und bei Bedarf auch wieder kündigen kann. Flexibel und so.

Zweitens. Das Kirchenabo bietet verschiedene Pakete an. Ich kann auswählen, was für ein Abo ich abschließen möchte. Das gibt es ja so ungefähr bei allen anderen Dingen im Leben auch. Im Verein wähle ich die Sportarten aus (das verändert meistens den Preis). Beim Fitness-Studio kann ich häufig auswählen, ob mit Sauna oder mit Getränke-Flatrate etc. Bei Netflix habe ich Pakete, beim Strom und Gas sowieso – also mal im Ernst: wir sind es gewohnt eine gewisse flexible Auswahl zu haben. Wieso nicht auch bei Kirche?

Das ist nicht nur flexibel, sondern auch transparent. Ich kann zwischen Paketen wechseln, ich kann Optionen buchen. Die Transparenz ist: Ich weiß, was ich warum und wofür zahle.

Drittens. Das Kirchenabo bietet mir Möglichkeiten mitzuentscheiden, wohin mein Geld gehen soll. Ich glaube, dass dies ein ziemlich wichtiger Punkt in der ganzen Sache ist. Vorher noch ein kleiner Schritt zurück: ich stelle mir das so vor, dass ich in jedem „Paket“ im Kirchenabo die Basics dabei habe. Ich bin Kirchenmitglied und habe überall Zugriff und Zugang etc. Aber die meisten Kirchenmitglieder, die ich kenne, sind gar nicht Mitglied, weil sie selber etwas nutzen wollen – aber viele, weil sie gut finden, was wir als Kirche tun.

Was spricht also dagegen, neben der „Basic-Ich-bin-Mitglied-Option“ die Möglichkeit zu bieten: a) Unterstützung der Kirchengemeinde vor Ort b) Unterstützung des Arbeitsbereiches X etc.

Also: es gibt einen Grundbeitrag für mich als Mitglied – und dann kann ich zusätzlich Geld einsetzen (faktisch ja: spenden) für die Dinge an Kirche, die mir besonders wichtig sind.

Was gibt es für Probleme?

Na eine Menge! Also zum einen: keine Ahnung, wie man das hinbekommen sollte vom bestehenden System der Kirchensteuer auf ein neues Kirchenabo-System umzustellen. Die Sorge ist vermutlich äußerst berechtigt, dass wir extrem viele Mitglieder bei der Umstellung verlieren könnten.

Und dann: wir hätten maximale Ungewissheit in der Planung. Auch wenn wir immer weniger Mitglieder werden und eigentlich alles in die schlechte Richtung läuft: wir gehen ja immerhin sehenden Auges in den Abgrund. Wir wissen relativ genau was auf uns zukommt, wieviel Geld wir zur Verfügung haben.

Das würde bei einer Umstellung alles wegfallen und auch danach wäre es deutlich unsicherer. Wenn das System flexibel ist reagieren Leute sicherlich auch schneller (auf den nächsten Missbrauchsskandal). Wenn Leute genauer entscheiden können, wohin sie Geld geben wollen – vielleicht werden wir uns wundern, wo die Töpfe dann gefüllt sind und wo nicht.

Und ganz ehrlich: man könnte die Liste an Sorgen und Bedenken weiter führen. Zu recht!

Warum dann ein Systemwechsel?

Da könnte man sich fragen: Sollte man dann so einen Wechsel wirklich wagen?

Ich würde sagen: lasst uns lieber über Alternativen zur Kirchensteuer nachdenken – solange wir das noch (relativ entspannt) können. Ich bin mir auch sehr sicher, dass wir wenn dann überhaupt zunächst parallel beide Systeme fahren würden. Oder vielleicht gibt es ein Pilotprojekt in einer Gemeinde oder einem Kirchenkreis?

Aber am Allerwichtigsten: lasst uns darüber diskutieren und sprechen!

Deshalb: ich freue mich sehr, wenn du diesen Beitrag teilst und ihn als Gedankenanstoß für dich und als Gesprächsanstoß mit allen Interessierten in und aus Kirche nutzt!

 

Soviel als erste Idee rund um #churchX – weitere Ideen folgen in den kommenden Wochen. Wenn du keinen Beitrag verpassen möchtest, dann kannst du gerne meinen Newsletter abonnieren 🙂

 

 

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3 Comments

  1. […] seine Mitgliedschaft kündigen kann oder eben auch neu abschließen kann. Meine Idee rund um „Kirchenabo statt Kirchensteuer“ ließen sich hier sicherlich sehr gut […]

  2. Petra Mathias-Lingener says:

    Hallo Jonas, als ich deine beiden Beiträge unter #chuch gelesen habe, lief schlicht und ergreifend in meinem Kopf ab, warum vor dir noch keiner auf diese beiden in meinen Augen grandiosen Ideen gekommen ist. Kein Schmus :-)! Du hast dir Gedanken gemacht, die in meinen Augen „Kirche allgemein“ nach vorne bringen könnte! Und deine Einträge lesen sich so locker-flockig, dass frau sich fragt, warum ist das nicht mit einigen Anstrengungen schnellstmöglich umsetzbar? Ich weiß aus den Diskussionen in meiner Familie mit Sohn und erwachsenem Enkelsohn, dass immer wieder die Frage der Kirchensteuer aufkommt, weil bei den Besserverdienern diese sie schon „ärgert“, weil – genau wie du es beschreibst – sie eigentlich gar nicht wissen, was mit ihrem „sauer verdienten“ Geld damit in der Institution Kirche gemacht wird. Beide haben sich schon mehrfach überlegt, dass sie aus eben diesem Grund aus der Kirche austreten möchten und sind auch daran bis dato gescheitert, dass sie beide nie die Zeit bisher gefunden haben, um das Procedere eines Austritts in Gang zu setzen. Ich habe deinen ersten Beitrag an beide weitergeleitet, werde es nun auch mit Nummer zwei so halten. Beide waren auch von deiner, wie sie es nannten, innovativen Idee angetan mit dem Zusatzkommentar, dass da mal endlich einer wäre, der die Sprache ihrer Generation sprechen und brennende Thema einer Veränderung in Kirche ansprechen würde. Beide sind der Ansicht, dass du gerade eure Generation zwischen dem 30.und 40.Lebensjahr hervorragend mit auf einen Weg von Veränderungen in Kirche nehmen könntest. Wohlwissend aber auch, dass du „nur“ eine Person, ein Pastor in dem großen Ganzen bist. Das soll dich aber motivieren, dass du weiterhin so tolle Ideen, über die es sich lohnt LAUT nachzudenken und noch vielmehr einen Anfang für solche Veränderungen zu suchen und hoffentlich zu finden, hast! Wie willst du dir selber für diese tollen gedanklichen Ansätze Gehör „in Kirche“ verschaffen? Wie stellst du dir quasi einfach gefragt vor, wie gelangen deine Gedanken an die, die „Kirche“ immer noch maßgeblich leiten? Junger Schwung….der dürfte auf Widerstand stossen oder im Sande verlaufen, wenn sich aus deinen Gedankenansätzen nicht eine Tsunami-Welle in die Chefetagen 🙂 von Kirche schwappen lässt…Wie kann man dich und deine so frischen Ideen quasi unterstützen? Ja, teilen usw., alles gut und richtig, aber tritt man damit wirklich etwas los, dass „in der Kirche“ ganz oben ankommt? Liebe Grüße Petra

    1. juhopma says:

      Danke dir!
      Wo solche Ideen und Gedanken landen… gute Frage! Ich weiß auch gar nicht, wo sie gut aufgehoben wären. Ich glaube deshalb schreibe ich einfach Blog-Beiträge und haue sie in die digitale Welt hinaus… und hoffe, dass die guten Teile meiner Ideen da ankommen, wo sie ggf. auch umgesetzt werden könnten…

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