4 Grundsätze einer digitalisierten Gemeinde

Wie lege ich los, wenn ich (m)eine Gemeinde digitalisieren möchte? Welchen Grundsätzen sollte ich folgen? / Teil 3 zum Thema „Digitalisierte Gemeinde“. #digitalegemeinde #digitalekirche

Vielleicht bist du Pastor, Mitarbeiter oder Ehrenamtlicher in einer Kirchengemeinde und hast schon ein paar mal gedacht, dass es schön wäre, wenn deine Gemeinde auch endlich digitaler unterwegs wäre. Vielleicht seid ihr ja sogar ein kleines Team, das sich für eine digitalisierte Gemeinde einsetzen möchte – dann ist dieser Artikel ganz besonders für dich/euch.

In Teil 1 meiner kleinen Serie über die „Digitalisierte Gemeinde“ habe ich letztlich sehr konkret geschrieben bzw. beschrieben, was aus meiner Sicht zu einer digitalisierten Gemeinde dazu gehört. Und in Teil 2 habe ich versucht gute Gründe für digitalisierte Gemeinde zu benennen. Jetzt – in Teil 3 – kommen vier Grundsätze. Und damit meine ich: Wenn eine Gemeinde loslegt mit der Digitalisierung – nach welchen Grundsätzen sollte sie sich da richten? Hier kommen meine vier Vorschläge.

1. Keine Konkurrenzkampf zu Bestehendem

Ich hatte das im ersten Teil auch schon benannt, aber ich finde es hier genauso wichtig. Wenn du deine Gemeinde digitalisieren möchtest, dann mache es nicht in Konkurrenz zu dem, was analog/offline vorhanden ist.

Digital ist nicht besser als das, was wir analog machen. Es geht um keine Wertung, sondern darum, dass wir im Digitalen genauso selbstverständlich präsent sind wie im Analogen.

Mir ist schon klar, dass es manchmal mit denen, die bislang z.B. den Gemeindebrief machen oder die Webseite betreuen durchaus schwierig sein kann. Aber lass es nicht zu einem prinzipiellen Konflikt zwischen analog und digital werden. Wir brauchen als Gemeinde beides gleichermaßen und keines ist an sich gut oder schlecht oder höher/niedriger zu werten.

2. Ein Mindestmaß an Profession

Ganz ehrlich: die meisten Gemeinden lassen wir professionell reinigen. In unseren Kindergärten setzen wir Profis ein. In der Kirchenmusik setzen wir auf professionelle Musiker in den meisten Fällen – ich könnte diese Liste fortführen. Was ich sagen will: Aus irgendeinem Grund setzen wir in manchen Bereichen selbstverständlich Profis ein und in manchen zumindest ab und zu – aber in unserer Öffentlichkeitsarbeit?

Und faktisch geht es in sehr vielen Dingen der digitalisierten Gemeinde letztlich um Öffentlichkeitsarbeit. Also, was ich als einen der wichtigsten Grundsätze ansehe: holt euch einen Profi dazu. Das gilt für analog wie für digital gleichermaßen. Und nein, es geht nicht um Perfektion, aber um ein Mindestmaß an Profession.

So wie wir eben jemanden reinigen lassen, der sich auf sein Handwerk versteht. So wünsche ich es mir auch (nicht nur, aber auch) für unsere digitalisierten Gemeinden. Wenn jemand in unsere Kirchen kommt und alles wäre dreckig und unaufgeräumt – klasse Eindruck, oder? Diesen Gedanken gilt es eben auch ins Digitale zu übertragen. Nur dass die Leute da nicht die Kirche als erstes sehen, sondern unsere Webseite o.Ä.

Also, in Kurzform: eine digitalisierte Gemeinde braucht Profis und kostet an diesem Punkt Geld. Punkt.

3. Wann immer möglich: persönlich

Einer meiner 9 Merkmale von digitalisierten Gemeinden ist, dass ich es nicht für wichtig halte, dass Kirche in Social Media aktiv ist. Mein Hauptgrund ist: Menschen folgen Menschen. Und Social Media Accounts von Gemeinden können nicht viel mehr als Veranstaltungen posten oder dergleichen – und das ist einfach nicht sexy. Übrigens soweit ich weiß auch nicht für die Algorithmen von Facebook und Co.

Ich meine: als Mensch kann ich posten, dass am Freitag ein geiler Gottesdienst ist. Aber ich kann auch posten, dass ich mich gerade über das Wetter freue, dass mein Burger lecker aussieht und ich kann mich in Diskussionen als Person einbringen. Und das ist am Ende einfach unendlich viel spannender als ein langweiliger Social Media Account von einer Gemeinde, der häufig kalt und unpersönlich bleiben wird. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Das nehme ich als Beispiel für einen Grundsatz an sich: wenn immer möglich, dann gestaltet die digitalisierte Gemeinde persönlich. Und das können auch kleine Dinge sein. Ich duze zum Beispiel bei uns auf der Webseite (und auch sonst… aber da eben auch).

4. Nur mit Ziel loslegen

Und der letzte und vierte Grundsatz: kläre das „Warum“, bevor du losgehst. Oder das „Wo wollen wir hin?“. Damit meine ich: Habe ein Ziel vor Augen, bevor du deine Gemeinde digitalisierst.

Warum wollt ihr die Gemeinde digitalisieren? Was erhofft ihr euch? Und kann die Digitalisierung da wirklich helfen oder ist sie nur ein Teil davon?

Ich habe ein grundsätzliches Ziel: Ich möchte mit möglichst vielen Menschen zusammen Gottesdienst feiern. Weil aus meiner Sicht der Gottesdienst der Mittelpunkt der Gemeinde ist und das etwas ist, was nur wir als Kirche anbieten. Deshalb ist für mich alles andere „Beiwerk“.

Und am Ende ist mein Ziel, dass die Digitalisierung hilft, dass mehr Menschen letztlich in der Gemeinde im Gottesdienst landen. Das merkt ihr auch daran, dass sehr viele Dinge der Digitalisierung bei uns in der Gemeinde sich rund um den Gottesdienst drehen: Predigt-Testen, Whatsapp-Bibellesen, Predigtserien-Abstimmung etc.

Vielleicht ist dein oder euer Ziel ein anderes. Ich halte es vor allem für wichtig, dass das Ziel geklärt ist. Erstmal egal welches Ziel 🙂

 

Soviel zu meinen „4 Grundsätzen einer digitalisierten Gemeinde“. Gerne teilen, kommentieren und weiterdenken. Gerne mit dem #digitalekirche. Und hier geht es zu den bisherigen Beiträgen:

Teil 1: „9 Merkmale einer digitalisierten Gemeinde„.
Teil 2: „5 Gründe für eine digitalisierte Gemeinde
Teil 3: „4 Grundsätze einer digitalisierten Gemeinde„.
Teil 4: „Die interne Digitalisierung von Gemeinden
Teil 5 „Der digital erweiterte Gottesdienst“ kommt im Frühjahr 2020

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