Corona lässt viele Gemeinden nach digitalen Angeboten suchen. Eine häufige Idee: Predigten als Podcast anbieten. Aber wie geht das und was brauche ich dafür? Eine Anleitung für Predigt-Podcasts in drei Schritten.

Erstmal ganz grob, worum es überhaupt geht: Du nimmst eine Predigt vor Ort auf und stellst sie dann im Internet zur Verfügung. Nicht live – sondern auf Abruf. Jeder kann dann weltweit die Predigt hören.

Dieser Artikel ist also für dich, wenn du selber Predigten „produzierst“ oder wenn du Gemeindemitglied bist und die Predigten in deiner Gemeinde gerne als Podcast anbieten würdest (natürlich nur mit Zustimmung der Predigenden!).

Ich selber biete seit knapp einem Jahr alle meine Predigten als Podcast an. Für diese kleine Anleitung habe ich auch Lukas vom „Offenbart“-Podcast ins Boot geholt. Der ist nämlich der wahre Experte was das Podcasten angeht. Und wir zwei versuchen euch in drei Schritten zu erklären, wie die Predigt in den Podcast kommt.

 

Schritt 1: Die Predigt aufnehmen

Wir gehen davon aus, dass du einen PC/Laptop und Internet hast. Sofern du auch ein Smartphone besitzt ist das von Vorteil. Zusätzlich anschaffen musst du eigentlich nur eine einzige Sache: ein Mikrofon. Wenn überhaupt.

Wie kommst du nun also an die Aufnahme der Predigt? Je nach Ausgangssituation bieten sich drei verschiedene Lösungen an.

 

1. Mikrofonanlage vorhanden
Es wird sowieso ein Mikrofon bei der Predigt genutzt und die Technik der Gemeinde kann diesen Ton direkt aufnehmen. Das ist die einfachste und beste Möglichkeit. Bevor du über weitere Mikrofone nachdenkst: kläre diese Möglichkeit ab.

Vorteile:
– Keinerlei Anschaffungskosten und meistens gute Qualität.

Nachteil:
– Möglicherweise steht dir diese Lösung nicht zur Verfügung.

 

2. Tragbares Aufnahmegerät
Du schaffst dir ein tragbares Aufnahmegerät an. Dieses legst du auf die Kanzel oder das Lesepult – auf jeden Fall dorthin, wo sonst die Zettel für die Predigt liegen würden.

Vorteile:
– Das Gerät ist robust und hält einiges aus.
– Die Handhabung ist einfach: auf einen Knopf drücken und schon geht die Aufnahme los.

Nachteile:
– Die Qualität der Aufnahme fällt etwas geringer aus, als bei Option 1.
– Außerdem brauchst du einen Ort, wo du das Aufnahmegerät ablegen kannst. Bewegen oder ohne Pult/Kanzel predigen ist da nicht drin.

Empfohlenes Equipment: Zoom H1n oder Tascam DR-05x

 

3. Ansteck-Mikrofon
Du schaffst dir ein Ansteck-Mikrofon an. Mit dieser Methode arbeitet Jonas übrigens. Das Mikrofon wird dann mit dem mitgelieferten Kabel direkt an das Smartphone des Predigenden angeschlossen. Die meisten haben eine Aufnahme-App eh vorinstalliert. Wenn nicht: Jonas nutzt z.B. diese: EZ Voice Recorder.

Vorteile:
– Egal wo gepredigt wird – das Mikro ist dabei.
– Die Qualität der Aufnahme ist gut.
– Die Handhabung ist ähnlich einfach wie beim Aufnahmegerät. Wir empfehlen jedoch, schon vor dem Gottesdienst in der App die Aufnahme zu starten.

Nachteile:
– Das Ansteckmikrofon (und vor allem das Kabel) sind durchaus filigran.
– Was Jonas schon mal passiert ist: Der Stecker ist beim Predigen aus dem Smartphone leicht rausgerutscht… dann ist die Aufnahme natürlich dahin. Das passiert aber eigentlich nur dann, wenn der Kopfhörer-Anschluss vom Handy verdreckt ist.
– Geht nur mit Smartphones, die einen Kopfhörer-Anschluss haben

Empfohlenes Equipment: Rode smartLav+

 

Für alle drei Möglichkeiten gilt: die Aufnahme der Predigt muss jetzt auf deinen Laptop/deinen PC. Wenn du direkt über die Anlage der Gemeinde aufnimmst, dann geht das vermutlich am einfachsten per USB-Stick. Das Aufnahmegerät kannst du entweder per USB-Kabel anschließen oder die darin befindliche SD-Karte nutzen und beim Handy ist es meistens auch am einfachsten, wenn du das Handy per Datenkabel an den PC anschließt.

Du kannst es aber auch wie Jonas machen und über die App die Aufnahme direkt in deine Cloud laden. An diesem kleinen Zwischenschritt wird es aber schon nicht scheitern 😉

 

Schritt 2: Die Aufnahme schick machen

Du hast jetzt also mit einer der drei Möglichkeiten eine Aufnahme einer Predigt auf deinem PC oder Laptop. Aber so kann die meistens noch nicht direkt in die Welt geschickt werden.

In den allermeisten Fällen wirst du mindestens vorne und hinten noch etwas schneiden müssen. Und wenn du magst, dann kannst du auch in diesem Zuge ein kleines Intro oder Outro einbauen. Das ist aber nicht notwendig und daher gehen wir hier nicht genauer darauf ein. Wenn du das aber möchtest, dann in diesem Schritt.

Wie schneidest du nun also deine Aufnahme? Wir empfehlen das kostenlose Programm Audacity. Wie funktioniert das? Wirklich simpel. Öffne einfach das Programm und ziehe deine Aufnahme direkt hinein. Schwups ist sie da.

Dann markierst du alle Teile der Aufnahme, die du löschen möchtest – drückst entfernen – und weg ist es. Wir empfehlen dir außerdem den Effekt „Kompressor“ über deine Aufnahme zu legen. Der macht den Klang ausgeglichener und hebt die Lautstärke deiner Aufnahme an. Markiere die gesamte Aufnahme und gehe dann oben in der Menüleiste auf „Effekte“, wähle „Kompressor“ aus und klicke einfach auf „okay“.

Anschließend fehlt nur noch eine Sache, damit die Predigt ins Internet kann: Du musst sie klein machen. Dafür gehst du in Audacity oben links auf Datei und dann auf „Exportieren“ und schließlich wählst du dort MP3 aus. Danach hast du eine fertige und schick gemachte Aufnahme der Predigt, die jetzt bereit ist für die Welt!

 

Schritt 3: Online gehen

In diesem letzten Schritt geht es darum, dass deine schicke Predigt-Aufnahme möglichst überall dort zu finden ist, wo Menschen die Predigt gerne hören würden.

Also: natürlich auf der Webseite der Gemeinde. Aber daneben auch auf iTunes, Spotify und mindestens einem weiteren Podcast-Verzeichnis. Das kannst du auf zwei Wegen erreichen:

 

1. Alles selber machen
Das bedeutet: Du lädst die schicke Aufnahme auf die Webseite der Gemeinde oder auf eine andere dir gehörende Webseite hoch und hast dort wiederum ein Programm, mit dem du alles Weitere einstellen kannst. Im Prinzip ist dies aber nur eine Möglichkeit, wenn du eine Blogging Software wie WordPress, Drupal oder Joomla nutzt. Wenn dir diese Worte nichts sagen, gehe gleich zur nächsten Möglichkeit.

Wenn sie dir etwas sagen, dann könnte das hier für dich richtig sein. Wir, Lukas und Jonas, nutzen beide WordPress und haben mit den Plugins Seriously Simple Podcasting und Podlove Podcast Publisher gute Erfahrungen gemacht. Wir sind mit beiden absolut zufrieden, aber es ist eben etwas „fummelig“ und man muss sich einarbeiten.

Vorteile:
– Volle Kontrolle
– Keine bis geringe Extrakosten

Nachteile:
– Vorwissen nötig
– Benötigt durchaus Einarbeitungszeit
– Du musst ausreichend Speicherplatz und Traffic-Volumen auf deiner Webseite haben (das kann Folgekosten bedeuten)
– Du musst den Link zum Podcast Feed händisch bei iTunes, Spotify & Co anmelden. Weitere Podcastverzeichnisse, in die du deinen Podcast eintragen kannst, sind zum Beispiel fyyd.de, podcast.de und radio.de.

 

2. All Inclusive buchen
Ja, das kostet auf jeden Fall Geld. Aber wir finden, dass es das in den meisten Fällen wert ist. Denn uns ist klar, dass die erste Möglichkeit Predigten online zur Verfügung zu stellen für viele zu nervig ist. Es gibt verschiedene Anbieter auf diesem Markt und es fällt uns schwer einen zu empfehlen, weil wir ja keinen davon ausprobiert haben.

Was das kostet? Gehe von mind. 5 Euro im Monat aus. Es geht zwar günstiger, aber da fehlen meistens dann wichtige Funktionen. Welchen Anbieter du hier auch wählst, es ist im Prinzip bei allen gleich: Du lädst deine schicke Predigt-Aufnahme bei dem Anbieter hoch und alles Weitere kannst du auch dort einstellen. Die Anbieter helfen dir bei der Anmeldung für Spotify & Co, du erhältst einen „Code“, um den Podcast auf der Gemeindewebseite einzubinden… das ist wirklich der einfachste Weg. Die Einfachheit bezahlst du aber eben auch.

Vorteile:
– Der einfachste Weg
– Kein Vorwissen nötig
– Geht sehr schnell

Nachteile:
– Kostet Geld
– Teilweise bist du sehr an die Anbieter gebunden. Das musst du unbedingt vorher prüfen! Also: was passiert, wenn du eines Tages kündigst? Bleiben deine Predigten wenigstens im Netz? Gibt es einen Umzugsservice?

In Deutschland gibt es viele Anbieter. Gute Konditionen für Predigtpodcasts bieten aus unserer Sicht z.B. Podcaster.de und Podigee.de.

Wenn du selber oder jemand in deiner Gemeinde das Know-How hat, dann empfehlen wir die Option „Alles selber machen“. Aber bevor du deine Predigten aus technischen Gründen gar nicht online stellst… wähle lieber die zweite Option!

Wir finden: Auch 5-10 Euro im Monat sind eine sehr gute Investition. Nur mal als Vergleich: Bei Jonas kommen aktuell 20-70 Leute am Sonntagmorgen und hören die Predigt. Jede Predigt-Podcast-Folge wird 500-1.500 Mal angehört!

 

Woran du noch denken solltest

Jeder Podcast braucht ein Logo! Wenn deine Gemeinde eins hat, nimm einfach das. Aber es muss quadratisch sein.

Neue Hörer können auf deinen Podcast auch über die Suchfunktion ihrer Podcast-App stoßen. Deshalb ist es wichtig, dass du für deinen Podcast die passenden Kategorien (z.B. „Religion/Christentum“) auswählst und entsprechende Schlagworte festlegst (z.B. „Predigt“, „Gemeinde xyz“, „digitalekirche“). Das kannst du in deinem Podcast Plugin oder bei deinem All Inclusive Anbieter erledigen.

Wenn du noch Fragen hast, dann kannst du dich gerne an uns wenden. Hier im Blog oder per Social Media. Du findest Lukas (@offenbartcast) und mich (@juhopma) auf diversen Social Media Kanälen und wenn du Lust bekommen hast in einen unserer Podcasts reinzuhören… hier wären sie:
Offenbart, Digital Mystery, Predigten von Jonas, #notmyhome und Predigten langweilen mich.

 

 

Dieser Artikel enthält Kaufempfehlungen. Wir erhalten dafür keinerlei Provision von den verlinkten Anbietern, müssen aber darauf hinweisen, dass der Text im juristischen Sinne möglicherweise als Werbung eingeschätzt werden kann. Die Verlinkung von Produkten erfolgt auf Basis unserer Erfahrungen alleine mit dem Ziel, Lesenden den Einstieg in die Produktion von Predigtpodcasts so einfach wie möglich zu machen. Wir weisen darauf hin, dass alternative Produkte bei anderen Anbietern verfügbar sein können und erheben keinen Anspruch, jeweils das beste und günstigste Produkt zu verzeichnen.

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