Gott, ist der Tod schlimm?

Über mich beeindruckende Fragen. Von Kindern. Über das Leben. Nach dem Tod. An Gott. Und wieso ich deshalb keine Mandalas mag.

Ich unterrichte Grundschüler. Erste, zweite und dritte Klasse. Zugegeben, gerade die ersten Klassen sind für mich herausfordernd. Schreiben geht noch nicht, lesen auch nicht. Immer Malen ist doof. Singen mag ich nicht. Theater kommt bislang gut an. Aber weißt du was noch besser kommt? Sprechen. Mit den Kindern reden.

In meinen ersten Stunden in der Grundschule habe ich in jeder Klasse ungefähr das Gleiche gemacht. Ich habe den Kindern zuerst erzählt, worum es meiner Meinung nach im Religionsunterricht geht. Damit das wichtig klingt, habe ich auch gleich einen Namen erfunden: Das RU-Dreieck. Das Religionsunterrichts-Dreieck.

Die drei Ecken sind: Ich – Wir – Gott. Für die Kinder heißt das dann:

Es geht um mich, es geht um uns, es geht um Gott.

Ja, und jetzt alle zusammen. Und mit den Bewegungen: Es geht um mich, es geht um uns, es geht um Gott.

Dabei finde ich vor allem, dass der Religionsunterricht sich mit diesem Gott beschäftigen sollte. Wo können Kinder noch nach Gott fragen? Also. Wirklich fragen? Wo können sie sich in Religiosität ausprobieren? Wie fühlt es sich an, zu diesem Gott zu beten? Und wie fühlt es sich an, wenn ich auf den Knien bete oder im Stehen?

Und weil mir diese Ecke des RU-Dreiecks (klingt schon wichtig oder?!) so wichtig ist, habe ich damit in jeder Klasse begonnen. Eine Aufgabe an die Kinder war sich vorzustellen, dass in der nächsten Stunde Gott vorbeikommt. Und jedes Kind darf ihm eine Frage stellen.

Weißt du, was mich wirklich beeindruckt hat? Die Kinder haben ganz häufig die gleichen existenziellen, die gleichen tiefgehenden Fragen gestellt, wie wir Erwachsene es tun. Man muss gar keine Mandalas mit den Kindern malen. Man kann sie ja sogar ernst nehmen! Mit ihnen ganz ernsthaft über Gott reden.

Meine SuS (Schülerinnen und Schüler – ganz gender- und nazisprachgerecht NS-geschichtsbewusstseinsgerecht) sind nicht zu jung für den Scheiß dieser Welt. Sie kennen die Fragen, die bewegen. Sie kennen Tod, Angst, Einsamkeit, Sorgen, Zukunftsfragen, Hoffnungen, Scheidungen, Krankheit, Armut. Und deshalb fragen sie. So wie wir fragen.

Gibt es Gott überhaupt?

Wie hast du in sieben Tagen die Welt erschaffen? Wie alt ist Gott? Gott, wie sieht oben aus? Woher kommst du? Was passiert in meiner Zukunft alles? Wie ist das Leben im Himmel?

Wie siehst du aus? Hast du ein Kind? Bist du ein Mann oder eine Frau? Wie heißt du Gott? Gott würdest du gerne noch leben? Wie alt ist Gott? Was machst du so? Komme ich in den Himmel? Gott ist es so, dass du in echt auferstanden bist?

Wie endet alles?

Gott wie sieht der Himmel aus? Bist du ein Mädchen? Gott, ist Jesus wirklich dein Sohn? Wo hast du gewohnt? Gott, hast du einen Mann? Gott, ist der Tod schlimm?

Ich weiß nicht, wie du deinen Religionsunterricht erlebt hast. Und vermutlich erinnerst du dich wie ich auch nur noch wenig an eben diesen in der Grundschule. Aber ich möchte hiermit ein Plädoyer halten für mehr Ernsthaftigkeit im Religionsunterricht. Schluss mit Mandalas. Schluss mit andauerndem Basteln und Reden über vermeintliche tolle Klassenwerte, die aber eigentlich in der Klassenstunde und nicht im Religionsunterricht besprochen werden sollten.

Die Kinder haben Fragen. Echte Fragen. An Gott. Über Gott. Genauso wie du und ich.

Also, lass uns diese Fragen ernst nehmen. Und die Kinder ernst nehmen.

Ende des Plädoyers.

Nun kommst du. Deine Meinung, deine Erfahrung, dein Plädoyer?

 

4 Gedanken zu „Gott, ist der Tod schlimm?

  1. Laut einem Seminar nennt man „Theologisieren mit Kindern“. Ich bin auch ein Freund davon. Genauso wie ich denke, das man mit Kindern über viel mehr Bibeltexte ins Gespräch kommen kann als eine Kinderbibel mit ihrer Vorauswahl hergibt.

    1. Nicht nur das: Die meisten Kinderbibeln, die ich bislang in der Hand hatte, haben mich in keinster Weise überzeugt… Ich habe bessere Erfahrungen damit gemacht, den Kindern entweder die Geschichte gleich frei zu erzählen oder eine gute Übersetzung (wie die BasisBibel) zu nehmen und dann schwierige Worte extra zu erklären.

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