Ich habe es ja schon immer vermutet. Aber jetzt bin ich auf überhaupt nicht geheime Notizen eines Freundes gestoßen. Und aus denen lese ich: Auch Martin Luther wäre für eine neue Liturgie in unseren Gottesdiensten. Von daher… kann es ja jetzt los gehen, oder? #gottesdienst #liturgie #ablauf #neu #luther

Ich will hier keine Namen nennen (doch, doch ich erinnere mich schon noch!). Und keine Zusammenhänge der überhaupt nicht geheimen Notizen darstellen (gut, ich erinnere mich auch nicht mehr). Aber: Ich habe vor kurzem eine Hausarbeit eines Freundes in den Tiefen meines Laptop-Speichers gefunden, die für mich ein wahrer Glücksfund war!

Dazu muss man sagen: Ich habe nichts gegen unsere bestehende Liturgie. Also gegen unsere Gottesdienstabläufe, gegen die Art und Weise, wie wir Gottesdienst feiern. Aber ich fühle mich dort nicht zuhause. Es ist nicht meine religiöse Prägung. Und ich weiß, dass es sehr vielen anderen Menschen auch so geht.

Daher bin ich absolut dafür, dass wir neue Gottesdienstformen ausprobieren. Dass wir unsere Liturgien überarbeiten. Aber nicht, weil das Alte schlecht und das Neue richtig ist. Das Alte soll nicht weg. Es soll nur Platz für Neues sein.

Und nun bin ich per Zufall auf ein paar Gedanken (Luthers und des besagten Freundes) gestoßen, die ich dir nicht vorenthalten möchte.

Liturgie als dienendes Geschenkpapier

Was schreibt besagter Freund über Martin Luther und die Liturgie? Zunächst grundsätzlich, dass die Liturgie unserer Gottesdienste nur das Geschenkpapier ist. Es umhüllt das eigentliche Präsent. Die Liturgie hat nur dienenden Charakter.

Wenn die Liturgie das Geschenkpapier ist – was ist denn dann das Geschenk? Bzw. welcher Sache dient sie? Letztendlich weist die Liturgie auf Gott hin. Auf den Gott, der sich in Jesus uns gezeigt hat.
Also: Liturgie als Geschenkpapier für Gott. Das ist ja schon fast kitschig, aber egal.

Und dann der erste „Kniff“: Aus Luthers Sicht hat die Liturgie wiederum eine Rahmung durch die Liebe zum Nächsten. Also: Die Liturgie selbst dient. Sie „ist“ nicht. Und wir wiederum – als Christen – dienen durch die Liebe unseren Nächsten.

Ähm, also nochmal: Die Liturgie ist ein dienendes Geschenkpapier. Und wem dient sie? Sie dient Gott. Und unseren Nächsten.

Es geht also bei jeder Form von Liturgie nicht um die Selbstverwirklichung der eigenen religiösen Prägung! Die Liturgie unserer Gottesdienste soll dienenden Charakter haben – und zwar auch mit Blick in Richtung unserer Nächsten.

Liturgie soll entsprechend letztlich zweifach dienen. Sie soll dazu dienen, auf Gott hin zu weisen. Und sie unseren Nächsten dienen.

Eine Reform der Liturgie

Und genau an diesem Punkt kann man mit Gedanken Luthers einsetzen: Die äußere Gottesdienstform darf mit der Zeit gehen. Ja, sie muss es sogar unter Umständen! Und wenn die Liturgie mit der Zeit gehen darf, dann gibt es eine entscheidende Frage.

Hat unsere Liturgie eine auf Gott hinweisende Funktion oder führt sie von Gott weg? Das wird man so pauschal natürlich nicht beantworten können und für manche Menschen wird sie hinweisend und für andere wegführend sein. Also ist es egal? Naja, Luther sagt dazu: „Aber um derentwillen muß man solche Ordnung haben, die (überhaupt erst) noch Christen, oder stärker im Christentum werden sollen“.

Und so leite ich aus Luthers Worten ab: Wir brauchen eine neue Liturgie. Wir brauchen eine Liturgie, die auf die Menschen ausgerichtet ist, die noch keine Christen sind oder noch nicht so lange dabei sind. Aber wir brauchen keine Liturgie, um uns bzw. unsere religiöse Prägung zu verwirklichen.

Weil die Liturgie Gott und unseren Nächsten dienen soll, dürfen wir uns fragen, ob unsere Choreografie des Gottesdienstes den Nächsten dient. Und zu Gott führt. Oder von ihm weg.

Kurz gesagt: Die Frage, ob unsere Liturgie eine auf Gott hinweisende oder wegführende Funktion hat, ist vor allem mit Blick auf die zu beantworten, die „die (überhaupt erst) noch Christen, oder stärker im Christentum werden sollen“.

Liturgie und Gottesbild

Und das war schon alles? Ne, da kommt noch mehr! Man kann mit Luther nämlich auch das Verhältnis Gottesbild und Liturgie sich genauer anschauen.

Luther betont das dem Menschen zugewandte Wesen Gottes. Er spricht von einem Gott, der die Menschen sucht und beschenken will.

In diesem Sinne kann man sich fragen, welches Gottesbild unsere heutige Liturgie eigentlich verkörpert. Ich vage zu behaupten, dass es z.B. so aussehen könnte: Unser Gott liebt Ordnung und Ruhe. Er hat eine Vorliebe für die Musik der letzten Jahrhunderte, insbesondere, wenn es imposant begleitet wird von einem spätmittelalterlichen Instrument.

Natürlich haben wir alle verschiedene Gottesbilder. Und setzen unterschiedliche Akzente oder Schwerpunkte. Trotzdem bleibt die Frage: Welches Gottesbild transportiert unsere heutige Liturgie?

Vielfache Liturgie-Anfragen

Zusammengefasst kann man mit Luther also unsere heutige Liturgie vielfach anfragen: Welches Gottesbild transportiert es? Und ist das wirklich ein Gottesbild, was wir transportieren wollen? Wem oder was dient es? Weist es auf den lebendigen Gott der Bibel hin – oder ist es Ausdruck einer ganz bestimmten religiösen Prägung?

Nochmal: Es ist unbestritten, dass unsere aktuelle Liturgie vielen Menschen Halt schenkt. Das ist gut und richtig so. Für diese Menschen ist unsere Liturgie absolut dienen. Zu Gott führend.

Aber es gibt eben auch die anderen, für die es von Gott wegführend ist. Und ich denke es ist Zeit, dass wir auf den guten Martin mal wieder hören und uns ein Beispiel an seinen Worten nehmen: „Aber um derentwillen muß man solche Ordnung haben, die (überhaupt erst) noch Christen, oder stärker im Christentum werden sollen“.

Und was denkst du? Kontra gegen Martin? Oder eher Zustimmung? Fühlst du dich eher beheimatet oder fremd in unserer (klassischen) Liturgie am Sonntagmorgen? Wenn ja, warum – wenn nein, warum nicht?

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