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Warum wir keine Präsenzgottesdienste an Heiligabend feiern sollten!

Ich wünsche mir, dass wir als Kirche deutschlandweit geschlossen auf Präsenzgottesdienste an Heiligabend verzichten. Um so zu zeigen, dass wir mit unseren Privilegien auch weiterhin verantwortungsbewusst umgehen.

Wir leben seit Wochen mit dem großen Privileg, dass wir trotz Lockdown Light Gottesdienste feiern dürfen. Ja, dieses Privileg ist auch im Grundgesetz verankert. Aber uns wurden in den letzten Wochen auch deshalb besondere Freiheiten geschenkt, weil man uns als Kirche zutraut: Die werden mit ihrem Privileg schon verantwortungsbewusst umgehen.

Aus meiner Sicht haben wir genau das in diesem Jahr auch getan. Ich meine: wir haben im Frühjahr freiwillig und selbst an Ostern (das ist unser wichtigstes kirchliches Fest) auf Präsenzgottesdienste verzichtet. Wir haben seitdem wirklich gute Hygienekonzepte entwickelt und insbesondere in den letzten Wochen gezeigt: es ist möglich mit Abstand und viel Vorsicht Gottesdienste zu feiern.

Also: ich finde es wirklich richtig und nachvollziehbar, dass wir als Kirche das dürfen, was wir derzeit dürfen. Und es geht mir auch nicht darum, dass wir ab sofort keine Präsenzgottesdienste mehr feiern sollten.

Heiligabend als Massenevent 2020

Aber Heiligabend? Heiligabend wird das mit Abstand größte Event in diesem Jahr. Unter normalen Umständen würden 20-30 Millionen Menschen einen Gottesdienst besuchen. Selbst in diesem Jahr werden es mit Sicherheit Millionen Menschen sein, die sich für tausende oder sogar zehntausende Veranstaltungen auf den Weg machen und dann mit sicherlich durchschnittlich 50-100 Personen zusammen Gottesdienst feiern.

Auch wenn diese Gottesdienste hervorragende Hygienekonzepte haben: Aus meiner Sicht können wir als Kirche unsere Glaubwürdigkeit als verantwortungsvoller Teil dieser Gesellschaft nur dann beweisen, wenn wir freiwillig auf Präsenzgottesdienste am 24. Dezember verzichten. Und zwar jetzt.

Die Entwicklung ist das Problem

Es stirbt zur Zeit alle drei Minuten ein Mensch an oder mit Covid19. Wir hatten schon im November eine Übersterblichkeit von 8%. Das RKI warnt, dass wir erneut kurz vor einem exponentiellen Wachstum stehen. Wir haben zuletzt täglich neue Höchstwerte bei Neuinfizierten.

Ja, wir haben als Kirche dank Grundgesetz und politischem Willen eine sehr große Freiheit mit Blick auf unsere Gottesdienste. Aber mit Freiheit kommt auch Verantwortung. Nur nur weil wir etwas dürfen, heißt es ja noch lange nicht, dass es auch geboten ist.

Wir stehen kurz vor einem harten Lockdown und ich erwarte von uns als Kirche, dass unser letzter Beitrag vor dem Lockdown nicht das Durchführen des größten Massenevents 2020 ist.

Und auch wenn manche es nicht wahrhaben wollen: Heiligabend ist ein Massenevent. Insbesondere im Jahr 2020. und auch wenn es „nur“ 50 Personen pro Gottesdienst sind – 50 Personen sind in der aktuellen Situation sehr viele Personen.

Keine Kirchentüren schließen

Versteh mich nicht falsch: Ich fordere nicht, dass wir unsere Türen schließen. Wenn wir keine Gottesdienste vor Ort feiern, dann heißt das ja nicht, dass wir deshalb gleich die Türen abschließen müssen. Wir können für einzelne Menschen weiterhin für Gebet & Co die Kirchen geöffnet halten.

Es geht auch nicht darum Weihnachten abzusagen. Es geht nicht darum, dass wir als Kirche uns an Weihnachten wegducken oder aus der Verantwortung ziehen. Im Gegenteil: es geht darum, dass wir unsere Verantwortung ernst nehmen.

Mein Herz blutet!

Dennoch: mir blutet das Herz bei der Vorstellung keine Heiligabendgottesdienste zu feiern. In meiner Gemeinde ist das auch noch überhaupt nicht entschieden – das hier ist meine persönliche Meinung.

Ich habe meine Weihnachtspredigt schon geschrieben, wir haben die Gottesdienste geplant. Für mich sind Gottesdienste der Mittelpunkt und das Wichtigste an kirchlicher Arbeit.

Daher: mir fällt es echt schwer nur daran zu denken, dass wir an Heiligabend hier keine Gottesdienste bei uns in der Auferstehungskirche feiern.

Bleibt zuhause!

Und entsprechend fällt es mir auch richtig schwer einen Satz wie „Bleibt an Heiligabend zuhause“ über die Lippen oder auf die Tasten zu bekommen. Aber geht es nicht letztlich genau darum? Ist es nicht genau das, was Angela Merkel in emotionalen Worten vor kurzem im Bundestag gesagt hat? Ist es nicht das, was nahezu alle Wissenschaftler raten?

Kontakte reduzieren. Kontakte reduzieren. Kontakte reduzieren.

Wie soll ich in dieser Situation denn guten Gewissens zu Heiligabendgottesdiensten einladen? Und damit ja im Prinzip genau das Gegenteil dessen tun, was eigentlich gerade so dringend nötig ist.

Deshalb: es fällt mir unendlich schwer auf Präsenzgottesdienste an Heiligabend zu verzichten. Aber ich halte es für die einzige verantwortungsbewusste Option, die wir als Kirche gerade eigentlich wählen können.

Hat das nicht negative Folgen für die Kirche?

Ich wurde heute in einem Zeitungsinterview gefragt, ob ich denke, dass die Absage von Präsenzgottesdiensten negative Folgen für den Gottesdienstbesuch an sich bzw. in Zukunft für Heiligabend haben könnte. Nach dem Motto: „Ging ja 2020 auch ohne Kirche“.

Aber ganz ehrlich: wenn Menschen wirklich denken, dass sie nach einem Jahr ohne Präsenzgottesdienst an Heiligabend auch in Zukunft darauf verzichten können – dann liegt das nicht an dem einen Jahr ohne, sondern an all den Jahren davor mit Präsenzgottesdienst.

Jetzt im Vergleich: ich vermisse es ins Restaurant zu gehen. Ich vermisse es auf Konzerte zu gehen und in den Urlaub zu fahren. Und wenn es wieder möglich und vertretbar ist dann werde ich definitiv nicht weniger essen gehen, Konzerte besuchen und in den Urlaub fahren. Warum? Weil meine bisherigen Erfahrungen vor Corona damit so gut waren.

Entsprechend denke ich mir: wenn wir jetzt während Corona zeigen, dass wir sogar freiwillig auf das verzichten können, was für uns als Kirche eigentlich das Wichtigste ist (nämlich Gottesdienst feiern) – zum Wohle der Gesellschaft und von uns allen – dann habe ich viel eher die Hoffnung, dass im nächsten Jahr mehr als sonst kommen.

Und wenn nicht, dann wird es ganz sicher nicht an diesem einen Jahr ohne Präsenzgottesdienste liegen.

Menschen sterben. Punkt.

Das Problem ist natürlich: uns wurde politisch gesagt: wir machen jetzt den Lockdown Light, damit wir alle Weihnachten feiern können. Auf den Zug sind wir als Kirche dankbar aufgesprungen. Ich fand den Lockdown Light auch richtig. Es war ein guter Versuch.

Der aber leider nicht gereicht hat.

Es ist ärgerlich und enttäuschend, aber eigentlich gibt es aus meiner Sicht keine vertretbaren Argumente, warum wir erst nach Weihnachten in den harten Lockdown gehen sollen.

Bei allem Respekt: es geht hier um Menschenleben. Menschen sterben. Weihnachten wird wiederkommen. Tote nicht. Na gut, außer Jesus… aber das ist ein anderes Thema 😉

Und was sollen wir jetzt tun?

Es ist jetzt unsere Aufgabe als Kirche Wege zu finden, wie wir auch ohne Präsenzgottesdienst an Heiligabend für die Menschen da sein können.

Aber ich bin da echt optimistisch: Kirche hat für mich in diesem Jahr gezeigt, dass wir so viel kreativer und beweglicher sein können, als manche (auch ich) vielleicht vermutet haben.

Also: ja, das ist eine Herausforderung. Aber ich bin absolut überzeugt: das können wir meistern. Und ich meine damit nicht, dass wir jetzt nur digitale Angebote machen. Ich habe schon von so vielen tollen und kreativen Angeboten wie Gottesdienste „to go“ (für zuhause zum Selberfeiern) gehört.

Deshalb: lasst uns jetzt gemeinsam und geschlossen und vor allem verantwortungsbewusst jetzt die Präsenzgottesdienste absagen – und dafür die verbleibenden zwei Wochen nutzen, um mit all unserer Kreativität, Liebe und Kraft neue Konzepte und Ideen für Heiligabend zu entwickeln.

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13 Comments

  1. Uwe Luckmann says:

    Lieber Jonas,
    ich bin Dir sehr dankbar für Deinen Beitrag! Ohne das wir uns darüber ausgetauscht hätten, gibst Du meine Meinung vollständig wider. Ich habe dem nichts hinzuzufügen! Hoffentlich findet diese verantwortungsvolle Haltung einen ausreichend großen Zuspruch, sodass auf die Präsenzgottesdienste tatsächlich verzichtet wird. Das wäre ein sehr wichtiges Zeichen!
    Liebe Grüße und alles Gute ☀️
    Uwe

  2. In meinem Landkreis haben wir gerade eine knapp doppelt so hohe Inzidenz wie bei Ihnen. Seit vorgestern sind wir Hotspot – also nach der neuen Definition. Da müsste man dann nach Ihrer Logik noch viel lauter „Stopp“ rufen und alle Nachbarn zur Absage überreden. Kann ich aber nicht. Schon deswegen, weil ich den Druck spüre, unter dem wir hier alle stehen und entscheiden müssen, und niemanden noch weiter unter Druck setzen möchte. Mit einiger Vorahnung hattenen wir in der Gemeinde statt eines normalen Weihnachtsgottesdienstes mehrere Kurzveranstaltungen im Freien geplant – egal bei welchem Wetter: zwei, drei Choräle plus die Weihnachtsgeschichte in 15-20 Minuten auf der Straße vor der Kirche. Antrag beim Landratsamt läuft noch. Und möglicherweise werden wir das tatsächlich nicht verantworten wollen, dass die Menschen auch zu so kleinen Dingen zusammenkommen. Obwohl sie sich alle danach sehnen, mal wieder jemandem zu begegnen – oder gerade weil wir der emotionalen Bremse vor dem Ausleben dieser Sehnsucht nicht trauen. Also nur mit dem Posaunenchor durch die Straßen gehen mit einem Weihnachtslied. Nur Kerzen auf die Kirchmauer stellen zum Mitnehmen. Kann sein. Den Kindern vom Krippenspiel sagen: Fällt aus. Müssen wir in den nächsten Tagen tatsächlich entscheiden. Aber lauthals dafür Werbung machen werde ich nicht: Es wird allen weh genug tun. Und es haben alle schon genug Übung darin, die Verantwortung wirklich zu übernehmen.

  3. Lieber Jonas,
    ich bin ganz bei dir: Wir haben die Pflicht, uns zu separieren, allein zu sein, auch wenn es schwer fällt. Ich bin es der Zukunft schuldig, mich in dieser Gegenwart, an diesem Heiligabend 2020, von anderen fern zu halten. Ich habe 6 Söhne, ein paar davon sind schon ausgezogen, erwachsen, die Kleineren sind noch zuhause. Die Familie wird nicht zusammen kommen an Weihnachten, auch in den Tagen danach nicht, denn wir sind im ganzen Land verstreut und können uns schon aus beruflichen Gründen nicht lange genug in Quarantäne begeben, um keine mögliche Virenbedrohung anzuschleppen.
    Egal, wie sehr ich mir den Weihnachtsgottesdienst wünsche, in der Kirche werde ich ihn nicht feiern. Unsere Gemeinde hat eine Liturgie im Gemeindebrief abgedruckt und wir haben uns verständigt: Die ganze Familie inkl. Omas und Onkels und Tanten wird gemeinsam ihren „eigenen Gottesdienst“ streamen. Wir werden das erste Mal seit über 15 Jahren alle gemeinsam am Heilig Abend uns versammeln, jeder im eigenen Wohnzimmer, und doch zusammen. Wir haben eine Geige, ein Keyboard, ein Cello und viele Stimmen, die gemeinsam singen können. Die Teile der Weihnachtsgeschichte haben wir schon unter uns verteilt, die Lieder miteinander abgestimmt und wenn es dann am Ende des Gottesdienstes bei uns heißt „Stille Nacht, heilige Nacht“, bin ich sicher, dass wir ebenso ergriffen sind wie nach der Predigt im Gottesdienst.
    Dieses Jahr wird anders, aber ich glaube an Gott und daran, dass wir Prüfungen zu bestehen haben – diese ist ist noch die kleinste von allen, denn Gott ist nicht nur in der Kirche uns nahe. Er ist bei uns, und wenn wir ihn und seinen Sohn feiern, was kann daran falsch sein? Wer dann unkt, die Institution Kirche schafft sich selber damit ab (wie es im Interview mit der SZ anklang), hat die Kirche nicht verstanden. Ich bin Schauspielerin und ich bin sicher, dass unser Theater nächstes Jahr wieder voll wird, ebenso wie die Gotteshäuser!
    Ich wünsche Dir und Deinen Lieben ein gesegnetes Fest und Gesundheit auf allen Wegen.

  4. Michael Press says:

    Ich bin Pfarrer in München und ich finde, dass diese Einstellung ein ganz falsches Signal sendet für den Auftrag der Kirche an der Gesellschaft. Dazu lese man, was Martin Luther an die Pfarrer in Breslau zu Anlaß der Pest geschrieben hat, als die Pfarrer fragten, ob sie auch vor der Pest Gottesdienste absagen oder die Stadt verlassen sollten. Luthers Antwort: Gott beruft uns dazu, den Menschen das Wort des Zuspruchs, Trost und Segen zu- zusprechen und in der Situation einer Pandemie gilt das ganz besonders. Wenn ich dann in der Süddeutschen lese: „Mir kommt die Aufregung um Gottesdienste fast ein wenig fadenscheinig vor: Häufig ist es doch so, da wird die Predigt noch schnell am Samstagabend geschrieben und dann wird der Gottesdienst am Sonntag lieblos hinterhergeworfen. Und jetzt auf einmal tun wir so, als wäre das das Allerwichtigste,“ dann stehen mir doch die letzten Haare zu Berge. Weil leider der eine oder andere Gottesdienst mal schlecht vorbereitet ist, ist das doch kein Grund, den Gottesdienst abzusagen. Gottesdienst muss sein, ob in Präsenz oder digital. Die Krankenschwester und der Arzt gehen ja auch in die Klinik zu Heiligabend, weil sie die Menschen heilen wollen. Mit welchem Recht stellen sich Pfarrer gegen den Auftrag der Verkündigung des Wortes zu allen Zeiten, besonders zu Zeiten der Pandemie? Der Ort für die Verkündigung des Wortes Gottes, für den die Pfarrer berufen und ordiniert sind, ist seit 2000 Jahren nun mal der Gottesdienst.

    1. Thomas Meyer says:

      Haha, typische alter Pfarrer von gestern Antwort. Was genau hat Luther eigentlich nochmal zu Corona gesagt, da würde ich ja gerne mehr erfahren, da Lösungen aus der Vergangenheit ja immer total sinnvoll sind für die Probleme von heute.

      1. Simon Günther says:

        Die altersbezogene Verächtlichmachung können Sie einsparen. Die macht das folgende, fadenscheinige Argument auch nicht relevanter: Wenn wir nämlich die Pandemie der Vergangenheit mit der heutigen einmal vergleichen, (um die von Ihnen angefragte Relevanz zu bekommen), dann müssen wir bei der Pest von einer Mortalitätsrate um die 60% ausgehen gegenüber einer derzeitigten Mortalitätsrate hierzulande von unter 2%. Das stellt das Absagen heute in ein denkbar schlechtes Licht – oder es lässt Luther als Wahnsinnigen erscheinen.
        Ich pflichte Pfarrer Press bei in seiner Einschätzung, dass Luther vermutlich kein Wahnsinniger war, sondern jemand, der um Wert und Wirkung der Verkündigung wusste.

    2. Monika Steinmann says:

      Bravo, genauso denke ich auch und bin erfreut, dass es nicht nur „Kopfnicker“ zu dieser abwegigen „Empfehlung“ gibt. Viele Kirchen passen sich traurigerweise schon genug dem Zeitgeist an. Desweiteren könnte durch dieses fatale Signal die gänzliche Schließung kirchlicher Einrichtungen seitens der Politik erfolgen.

    3. B. Schneider says:

      Jesus hat gesagt; Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter Euch“. Er sagte nicht, dass wir erst eine Kirche bauen und diese auch zu bestimmten Zeiten mit möglichst vielen Menschen füllen müssen.
      Ärzte und Krankenschwestern arbeiten und sind da, um den Körper zu heilen, dazu ist körperliche und medikamentöse Präsenz, Wissen und Kenntnisse der Ärzte und unmittelbare Betreuung und Hilfe durch Pflegekräfte nötig.
      Die Kirche, der Pfarrer hat 365 Tage im Jahr für den Auftrag der Verkündigung und kann die digitalen Medien auch jederzeit nutzen. Ein Pfarrer kann auch über Krankenhausfunk oder per Lautsprecher vor dem Haus eine Predigt halten, ohne dass eine grosse Menge Menschen auf kleinem Raum zusammen ist.
      Martin Luther hat von der Verpflichtung, dem Auftrag gesprochen, dass Prediger/Pfarrer usw. zu den Kranken und Sterbenden gehen sollen. Er hat nicht gesagt, dass die Gesunden mit den Kranken in der Kirche zusammenkommen sollen. Er hat gesagt: „Gehet hin… und nicht „Bestellt alle zu Euch“.
      Der Ort für die Verkündigung des Wortes Gottes ist nicht nur die Kirche, der Tag der Verkündigung ist nicht nur der 24.12., er wurde nur irgendwann einmal als Geburtstag Jesu ausgesucht. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass da richtig „getippt“ wurde. Für mich steht fest; Jeder Tag und jeder Ort zu jeder Zeit ist für alle Menschen richtig. Wer Gottes Wort – auf welche Weise auch immer – verkündet, ist berufen, welchen Beruf er/sie/X auch immer haben mag und welchen Ort, Tag oder Stunde er auch wählt.

  5. Es begab sich aber zu der Zeit, dass der eingebildete Mensch sich auf ein Weihnachtsfest vorbereitete, welches das letzte Fest des Lügens sein sollte. Denn eigentlich wusste der eingebildete Mensch nicht, weshalb es gefeiert wurde:
    https://melezyprzikap.wordpress.com/2020/12/11/die-letzte-geburtstagsfeier-eines-moralisierenden-wanderpredigers/

  6. Alexander Eichener says:

    Die Aussagen des Bloggers – immerhin eines ordinierten Pastors mit entsprechenden Amtspflichten, die eben nicht nur arbeitsrechtliche sondern auch geistliche Pflichten sind – in seinem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, aber auch hier im Blog, verschlagen einem schier die Sprache.
    Es verträgt sich weder mit lutherischem, noch überhaupt mit christlichem Glaubensverständnis, wenn die Wortverkündigung und die Feier des Gottesdienstes (samt der Sakramente) als ein begünstigendes und rechtfertigungsbedürftiges „Privileg“ angesprochen werden, das man – weil eben Privileg nur – behutsam und selbstverständlich nur bei Schönwetter ausüben solle.
    Mit der lutherischen „Freiheit des Evangeliums “ verträgt sich das schon gar nicht. Man muss schon ein sehr rabiater Atheist sei, um das so darzustellen.

    In gleicher Weise berührt es merkwürdig, wenn ein Pastor (!) das Zusammenkommen unterm Weihnachtsbaum und das Geschenkeverteilen explizit als wichtiger und als ein dringenderes Problem bezeichnet, als die Feier des Hochfestes der Geburt des Herrn. Das kann und darf man so aussprechen, ja. Aber nicht als kirchlicher Amtsträger.

    Gleiches gilt für die inhaltliche und spirituelle Abwertung der Gottesdienste im Allgemeinen als wegen „häufig schlechter und unvorbereiteter Predigten“ wertlos. Das mag der persönlichen Erfahrung des Schreibers entsprechen; auch Ordinierte sind Menschen und können auch einmal überfordert, müde, oder schlicht faul sein. Wer allerdings die Qualität der jeweiligen Hervorbringungen des Zelebranten für grundsätzlich wichtiger hält als das verlesene Wort Gottes selbst, das zu uns spricht, und wer das Ganze daher wegen häufiger Faulheit für wertlos hält, der mag auch das für sich selbst richtig einschätzen, und mag auch – wie der Schreiber der Interviewerin erklärt hat – in anderen Werken der tätigen Nächstenliebe ohne religiösen Bezug mehr Gutes zu tun vermögen. Aber dann hat er eindeutig den falschen Beruf ergriffen.

    Insgesamt liegen hier mehr als genug Gründe für die Einleitung eines Amtszuchtsverfahrens (wie es die VELKD früher nannte) bzw. eines Disziplinarverfahrens in der Nordkirche vor. Und zwar nicht deshalb, weil der überflüssige große Schuppen mit dem Kreuz am 24. Dezember offen oder verrammelt ist, oder irgendetwas dazwischen (also ja; offen zum Lüften und Rumsitzen, aber nein: nicht für seinen eigentlichen Zweck), denn beides mag ja je nach den Umständen im konkreten Einzelfall vertretbar und verantwortbar sein, sondern wegen der klaren und eindeutigen Äußerungen im Zusammenhang damit.

    1. Kann ich davon ausgehen, dass aus deiner Sicht dann auch die gesamte westfälische Kirche entgegen dem lutherischen und christlichem Glaubensverständnis handelt und entsprechend hier ein gesamtkirchliches Disziplinarverfahren eingeleitet werden sollte? Zumindest wage ich die These, dass die hier zu findende Handlungsempfehlung im Großen und Ganzen sich doch in meinen Worten wiederfindet: https://www.evangelisch-in-westfalen.de/aktuelles/corona-lockdown-im-dezember/

      1. Alexander Eichener says:

        Das eine ist eine Empfehlung und Mahnung zur Verantwortung, wie sie die EKvW hier ausgesprochen hat, und zwar ausgesprochen angesichts des hohen Wertes des jüdischen Grundsatzes „pikuach nefesh“, den der Blogger eingedenk seines Hebraicums noch erinnern mag, und der sogar (!) für Christen 🙂 bedenkenswert ist.

        Das andere ist eine konkrete Einzelfallentscheidung unter Würdigung der individuellen Verantwortung vor Gott und gegenüber der konkreten Gemeinde. Da ist die gemeinsame (!) Entscheidung von Pastor und Gemeinderat (oder Gemeindeältesten, Presbytern und wie immer die jeweilige Landeskirchenverfassung sie nennt) gerade in evanglischem Verständnis wichtig und vorrangig, wie sie auch nun ausfallen mag. Vorrangig auch gegenüber Weisheiten oder Torheiten der Kirchenobrigkeit. Gesamtkirchliche Disziplinarverfahren gab es früher schon, ja, im katholischen Bereich; die nannten sich aber Interdikt, und sind von Luther zu Recht vehement als widerchristlich abgelehnt worden. Erst die Protestanten haben 2020 (z.B. der OKR in Württemberg) das Generalinterdikt gegen alle Gläubigen wiederbelebt.

        Und drittens ist diese denkbare Entscheidung noch einmal etwas ganz Anderes als die Worte des Interviewten und Bloggers; aber das beurteilen, obliegt dann eher dem Landeskirchenamt.

        1. Hier liegt anscheinend mindestens ein Missverständnis vor: Natürlich muss diese Entscheidung immer allein vom Kirchengemeinderat gefällt werden. Das ist kirchenrechtlich ja gar nicht anders möglich. Daher erschließt sich mir dieser Punkt nicht… außer, dass hier anscheinend das Missverständnis vorliegt, dass dies in diesem Fall nicht passiert sei.

          An welchen Worten störst du dich nun eigentlich so dermaßen? Das ist bei mir noch nicht ansatzweise angekommen… also: welche Worte hältst du für eines Disziplinarverfahrens würdig oder nötig?

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