Auch Kirche wird in Zeiten von Corona digitaler. Aber was müssen wir tun, damit die Digitalisierung von Kirche möglichst kein Strohfeuer wird? Eine kleine (sicherlich unvollständige) Checkliste für eine nachhaltige Digitalisierung von Kirche. 

Innerhalb kürzester Zeit haben sich große Teile der Kirche ins digitale Zeitalter vorgewagt. Was vor wenigen Wochen noch belächelt, kritisiert oder aus sicherer Distanz beäugt wurde, wird plötzlich massenhaft ausprobiert. Ich finde das toll! Und ja, manches ist richtig professionell und anderes… naja, ausbaufähig. Aber darum geht es mir nicht. Für viele sind das gerade die ersten digitalen Schritte und da darf es auch mal rumpeln und weder technisch noch inhaltlich besonders ausgereift sein.

Trotzdem habe ich ein „aber“. Oder einen dringenden Wunsch an alle, die gerade in, mit und für Kirche Digitalisierung entdecken: fangt jetzt schon an, eure Digitalisierung nachhaltig zu denken. Was ich damit meine? Noch haben wir die Zeit, um unsere digitalen Angebote zu durchdenken, auf ihre zukünftige Durchführbarkeit zu überprüfen, sie zu verbessern, effiziente Arbeitsschritte einzuüben – aber früher oder später wird die „analoge Welt“ wieder auf uns hereinprasseln.

Ganz ehrlich: die Liste an Dingen, die ich „nach“ Corona nachholen will/muss macht mir Angst. Und wir werden mit Sicherheit auch ein besonderes Bedürfnis nach ganz undigitalen Treffen und Kontakten haben. Was meine Sorge ist? Dass der gesamte Digitalisierungsschub in Kirche dann innerhalb kürzester Zeit zum Erliegen kommt. Weil wir uns auf all die „normalen“ Dinge freuen, die wir sonst getan haben. Weil wir merken, dass wir keine Zeit mehr für die digitalen Angebote haben. Weil wir denken, dass das ja jetzt nicht mehr nötig sei.

Das wäre mindestens schade. Vielleicht auch ärgerlich. Denn dann wäre die derzeitige Digitalisierung der Kirche nur ein Strohfeuer gewesen. Ja, vielleicht sind wir dann nach Corona sogar weniger digital als vorher. Das mag manchen egal sein. Mir aber nicht. Denn ich glaube, dass es für uns als Kirche, unseren Auftrag und unser Selbstverständnis elementar wichtig ist, dass wir uns im Digitalen genauso selbstverständlich bewegen wie im Analogen. (Schau für mehr gerne bei meinen 5 Gründen für digitalisierte Gemeinden vorbei).

Damit das uns allen nicht passiert, habe ich eine kleine „Checkliste für nachhaltige Digitalisierung in Kirche“ erstellt:

1. Finde schon jetzt das richtige Maß an Professionalität
Unsere digitalen Angebote benötigen ein Mindestmaß an Professionalität – aber keine Perfektion. Wie unsere analogen Angebote eben auch. Wer es zu professionell angeht, wird allein am zeitlichen Aufwand scheitern. Wer es zu stümperhaft und lieblos macht, wird keinen Erfolg haben.Und übrigens: das richtige Maß an Professionalität führt auch automatisch zu einem angemessenen zeitlichen Aufwand. Ihr kennt ja sicherlich eine dieser Thesen, wonach man in X % der Zeit Y % der Arbeit erledigen kann. Jetzt gerade ist die Zeit, um das für dich passende Verhältnis herauszubekommen. Wie viel Zeit musst du aufwenden, um ein angemessenes digitales Ergebnis produzieren zu können?

2. Mach deine digitalen Projekte Corona-unabhängig
Wir machen gerade vieles Digitales, weil wir so manches Analoge nicht mehr tun können. Das wird sich aber schon bald ändern. Jetzt gerade ist die Zeit, um deine digitalen Projekte genau zu überprüfen: sind diese nur kurzfristig für die Corona-Zeit sinnvoll oder kannst du sie schon jetzt so gestalten, dass sie auch nach Corona bleibende Angebote deiner Gemeinde sein werden?Auch nach Corona wird es Leute geben, die sich über digitale Angebote freuen – auch wenn das von Gemeinde zu Gemeinde verschieden sein wird. Aber es gilt jetzt zu überprüfen, welche deiner Angebote auch nach Corona noch einen Sinn haben – und sich dann auf diese Projekte schon jetzt zu konzentrieren.Beispiel: Wenn du gerade einen Livestream anbietest – wer schaut den? Sind das Leute, die nach Corona alle wieder bei dir vor Ort sind? Wenn ja, dann hat dein Angebot kaum eine nachhaltige Wirkung. Wenn du aber feststellst, dass dein Livestream zu großen Teilen von Menschen verfolgt wird, die du sonst nicht in Kirche antriffst – wäre es dann nicht jetzt an der Zeit die Weichen dafür zu stellen, dass du deinen Gottesdienst auch zukünftig live streamen kannst?

3. Strukturiere deinen Wochenplan jetzt um
Wenn du auch nach der Corona-Zeit digitale Angebote machen möchtest, dann benötigst du dafür Zeit. Jetzt ist die Zeit, um sich Gedanken zu machen, wie das klappen kann. Mach nicht jetzt volle Kanne digital und lass dich dann eines Tages vom Alltag und der Arbeitsroutine völlig überrascht überfahren.

4. Verteile die neuen Aufgaben
Mein Gefühl ist: bislang geht die Digitalisierung stark von den Angestellten (Pastoren, Jugendmitarbeiter etc.) in Kirche aus. Das ist gefährlich, denn dann hängt am Ende alles an wenigen Personen. Daher: Es ist jetzt an der Zeit für die neuen digitalen Angebote Mitstreiter in der Gemeinde zu finden. Wir haben jetzt die Zeit, um zu schulen. Unsere Ehrenamtlichen haben jetzt Zeit sich einzuarbeiten. Lasst uns kirchliche Digitalisierung nicht zu „One-Person-Shows“ werden!

5. Sei ehrlich in der Bewertung von Aufwand und Ertrag
Sei ehrlich mit der Bewertung von analogen und digitalen Angeboten. Wenn du ein digitales Angebot machst, dafür 5 Stunden Vorbereitung brauchst und nur 10 Leute am Ende dabei sind – lohnt sich das dann überhaupt? Meine Bitte: sei ehrlich mit anderen analogen Angeboten. Wie viel Zeit steckst du dort in die Vorbereitung und wie viele Menschen erreichst du mit diesem Angebot?

6. Verheirate Digitales und Analoges
Ja, manche Angebote sind einfach nur digital oder nur analog. Aber es gibt genug dazwischen und genug Angebote, die sich gegenseitig befruchten. Du kannst seit Corona ja ganz neu auf nebenan.de als Gemeinde vertreten sein und lädst dort für ein Angebot vor Ort ein. Du kannst neuerdings viele Dinge in der Gemeinde in einem Tool wie „Microsoft Teams“ besprechen und trotzdem weiterhin einmal im Monat dich mit dem Kirchengemeinderat treffen – nur wurde eben manches vielleicht jetzt schon digital vorbesprochen.
Also: Digital und analog sind keine Gegensätze, sondern können sich in vielen Fällen hervorragend ergänzen. Jetzt ist die Zeit, um dafür die Grundlagen zu legen.

7. Kopiere, was das Zeug hält
Digital gilt noch mehr als analog: kopiere, was das Zeug hält! Du musst nicht alles erfinden. Du darfst auch kopieren, was gut ist (naja, ggf. einmal vorher nett nachfragen). Das ist digital noch einfacher als analog, weil die digitalen Angebote ja meistens deutlich einfacher zu finden und anzuschauen sind. Warum das zur nachhaltigen Digitalisierung führt? Weil du vielleicht weniger Lehrgeld zahlen musst, wenn du von Anfang an schaust, was andere schon machen/ausprobiert haben und was sich bewährt hat und was nicht. Jetzt ist die Zeit Kopiervorlagen zu erstellen 😉

Wie immer gilt: dieser Artikel ist niemals vollständig und eher als Anstoß gedacht. Daher: gerne mit deinen Ideen ergänzen! Übrigens glaube ich, dass meine kleine Reihe zur digitalisierten Gemeinde auch durchaus zu diesem Thema ergänzend ist. Ich empfehle da vor allem die 9 Merkmale einer digitalisierten Gemeinde.

 

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